Aufwindstürmer, Wetterfrosch und Speedmanager

Wind von da, Kaltluft von dort, Thermik tanken hier, dabei Geschwindigkeit machen… Werner Meuser entscheidet tagtäglich über die zu absolvierenden Tagesaufgaben bei den Deutschen Segelflug-Meisterschaften der Standard- und Doppelsitzer-Klasse. Foto: tsc

Zwickau. Seit Montag vergangener Woche kreuzen sie ihre Startrunden über dem Zwickauer Luftraum – die Standard- und Doppelsitzer-Klasse im Rahmen der Deutschen Segelflugmeisterschaften. Doch weit bevor die „Dädalus-Trosse“ ihre jeweiligen Tagesaufgaben zu absolvieren haben, beginnt die Arbeit für die „zwei Macher“ dieser Wettbewerbe. Bereits am Abend zuvor und in den frühen Morgenstunden hieß es für den Meteorologen Walter Herrmann und den sportlichen Leiter Werner Meuser, entsprechend der Wetterlage Richtung und Umfang der Strecken „auszutüfteln“.

„Walter, selber ein begeisterter Segelflieger, gibt zunächst einen groben Überblick der Wetterlage über dem Luftraum des Starts und möglicher Zielgebiete“, erklärt Meuser. „Dann ist´s an mir, eine entsprechende Strecke mit dazugehörigen Wendepunkten festzulegen.“ Der 65-Jährige bringt Erfahrungen aus immerhin zwölf Welt-, zig Europa- und Deutschen Meisterschafts-Teilnahmen mit, aus Flugkenntnissen der Standard-, 15m- und 18m-Klasse, weiß genau, worauf es ankommt. „Die Strecke muss für jeden zu fast nahezu gleichen Bedingungen machbar sein. Beide Klassen dürfen sich nicht ins Gehege kommen. Es muss ausreichend Areale geben, über denen die Piloten Thermik tanken und wo sie Geschwindigkeit machen können“, nennt der zweimalige Weltmeister einige der wichtigen Eckpunkte seiner Arbeit. „Beim Start ist da der Werdauer Wald eine relativ sichere Bank.“

„Wir können nur eine so präzise als mögliche Prognose abgeben“, weiß Herrmann um die im wahrsten Sinne des Wortes große Tragweite seiner „weisen Voraussicht“. „Jeder Pilot muss dann im Laufe des Rennens ständig neue Entscheidungen hinsichtlich Wetterlage und sich daraus ergebender Taktik treffen. Als Wetterfrosch kann ich nur sagen, dort fließt wahrscheinlich Kaltluft mit zu viel Feuchte im Gepäck ein oder dort verwirbelt starker Nordwestwind außerdem die Aufwinde.“ Und das ist schon entscheidend, beim „Formel I-Rennen der Luft“. Denn schließlich sind Geschwindigkeiten von 180 bis 270 km/h nahe am Asphaltspeed. „Alles andere erledigt eine komplizierte aber doch gerechte Formel, mit der es am Ende des Tages maximal 1000 Punkte für den Sieger geben kann“, schließt Meurer das kurz gefasste Einmaleins eines Segelflugwettbewerbes.

Gute Medaillen-Chancen im Segelflugwettbewerb der Standardklasse hat der für den AC Stendal startende Christoph Barniske. Als sinnbildliche „große weiße (dunkelblonde) Hoffnung“ des ostdeutschen Segelflugsports (neben nur noch zwei sächsischen Startern) ist er derjenige, der sich berechtigte Hoffnungen aufs Podest machen kann. „Obwohl Platz vier auch ganz okay wäre, denn der bedeutet die Nominierung für die Nationalmannschaft“, meint der 36-Jährige. Wie es ausgegangen ist, kann unter www.dm2017.acz.de/aufgaben-wertung nachgesehen werden. tsc

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