Exklusives Interview mit Patrica Kelly

Patricia Kelly spricht über ihre Familie, Musik und Weihnachten. Foto: Peter Becher

Am 4. Dezember kommt Patricia Kelly nach Stollberg. Im WochenENDspiegel-Interview äußert sie sich zu ihrem Leben als Musikerin, Weihnachten und persönliche Karriere-Höhepunkte:

1994 haben Sie mit der Kelly Family den kommerziellen Durchbruch erlebt. Wie haben Sie die Zeit damals erlebt?
Ambivalent wäre das richtige Wort. Es war eine euphorische Zeit. In dieser Zeit sind die meisten Glückshormone durch das Blut geflossen. Wir hatten unseren großen Traum geschafft. Wir waren auf der Nummer 1 in den Charts, haben große Stadien gefüllt, alle erdenklichen Preise gewonnen. Andererseits ist die Stimmung schnell gekippt, als uns alles zu viel wurde. Es war, als hätte uns ein Zug überrollt. Als wir das erkannten, was es schon zu spät. Einige von uns hatten Burnouts und brauchten mehrere Jahre Pause. Heute, mit vielen Jahren Abstand, betrachte ich diese Zeit mit großer Dankbarkeit. Denn hätten wir den großen Durchbruch und die Unterstützung unserer Fans nicht gehabt, würden wir heute nicht dieses großartige Comeback erleben, wie wir es tun. Man muss einfach sagen, dass es ein großes Privileg ist, das die wenigsten Künstler erleben dürfen.

An welche persönlichen Höhepunkte oder Momente der Musikkarriere erinnern Sie sich besonders gern?
Ich erinnere mich gerne an die Anfangszeiten mit unseren Eltern, wie glücklich ich war. Das Größte für mich war es, im Tourbus mitfahren zu dürfen. Das Gefühl, ein Teil von einer crazy Künstlerfamilie zu sein, war einmalig. Überall wohin wir kamen, konnten wir ein Lächeln und Tränen in die Augen zaubern zu können. Da bekomme ich selbst jetzt beim sagen noch Gänsehaut. Das ist für mich der Höhepunkt, als alles begann. Nicht der Bambi oder das Konzert vor 280.000 Menschen, sondern das Gefühl ein Teil einer verschworenen Gemeinschaft zu sein, die versucht, die Welt ein Stück zu verändern

1995 wurde Ihr Lied „First Time“ veröffentlicht, wie ist der Song entstanden?
Dieser Song ist nach einem langen Arbeitstag entstanden. Wir waren im Studio in Köln, fast alle waren schon fast im Auto und ich habe mich ans Klavier gesetzt. Ich war an diesem Tag melancholisch, traurig und dann kam dieses Lied aus mir heraus. Ich musste nur noch spielen und singen.

Seit 2008 sind als Solokünstlerin tätig, wie kam es dazu?
Ich hatte fast keine andere Wahl. Meine Familie entschied sich damals eine Pause einzulegen und ich merkte sehr schnell, dass nur Mutter sein und zuhause bleiben mich nicht erfüllen kann. Ich hätte es langfristig nicht ausgehalten. Ich bin praktisch auf der Bühne aufgewachsen, das ist ein Teil von mir, ich brauche es. Deswegen habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und mein erstes Solokonzert versucht. Ich bin fast gestorben, so nervös war ich. Aber als ich es einmal geschafft hatte, wusste ich, dass ich es kann. Mir ging es dabei niemals um Chartplatzierungen und Erfolg. Es geht mir um die Musik.

Was ist schöner für Sie: Soloauftritte oder die mit der Familie?
Beides ist schön. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich lieber sterben. Ich brauche es, mit meinen Geschwistern gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Das erhebt meine Seele, das macht mich zu einem glücklichen Menschen. Ich brauche aber auch die Herausforderung, alleine auf der Bühne zu stehen, meine Kunst weiterzuentwickeln. Ich liebe die Nähe zum Publikum in einem kleinen Theater.

Am 4. Dezember sind Sie in Stollberg, was erwartet die Zuschauer?
Ich habe drei hervorragende Musiker mit mir, an Piano, Cello und Percussion. Wir werden Weihnachtslieder in verschiedenen Sprachen dabeihaben. Eher traditionelle, weniger kommerziell und populär. Lieder, die vom tiefen Sinn von Weihnachten sprechen. Deutsche Weihnachtslieder gehören dabei zu meinen absoluten Favoriten, deswegen werden davon natürlich einige im Programm sein. Aber auch einige temperamentvolle spanische, denn in Spanien bin ich geboren.

Merken Sie regional bei Ihren Auftritten Unterschiede oder ist die Resonanz überall gleich?
Nein, manchmal gibt es gewaltige Unterschiede und das ist genau der Reiz. Es ist nicht vorprogrammiert. Wenn ich auf die Bühne gehe, weiß ich nicht, was mich erwartet. Das hält die Liebe zwischen dem Künstler und Publikum frisch. Es ist gut, eine Herausforderung zu haben, sich auf das Publikum einlassen zu können ich freue mich sehr, bald zu euch zu kommen

Haben Sie jemals darüber nachgedacht beruflich etwas anderes zu machen als Musik?
Eine Zeit lang habe ich mit Gedanken geflirtet Ärztin oder Heilpraktikerin zu werden. Dann wollte ich ernsthaft ins Kloster einzutreten. Aber wenn ich es nun betrachte, wollte ich immer Musik machen. Ich habe meinen Beruf immer geliebt. Einer guter Freund von mir, der Arzt ist, sagte mir mal, an mir sei ein guter Arzt verloren gegangen. Heute denke ich, ich bin eine Art Seelenarzt. Denn Musik ist Therapie und macht glücklich.

Bei Ihrem Auftritt handelt es sich um ein Weihnachtskonzert. Wie verbringen Sie selbst Weihnachten?
Ich bin noch bis ganz kurz vor Heiligabend, genau bis zum 22. Dezember auf Tour und werde, wenn ich dann zuhause bin, die Ruhe und Stille genießen: Keine geschäftlichen Anrufe. Ich freue mich auf die Zeit mit meinem Mann und unseren beiden Söhnen und auf meine Schwiegereltern, die aus Russland kommen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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