Sachsenmeyer: Segen oder Fluch

Die Segnungen des Internet sind vielfältig und heftig umstritten. Teilweise geht der Streit eher in Richtung Fluch! Die totale Vernetzung der Menschheit über alle politischen und kulturellen Grenzen hinweg wirkt oft beängstigend. Was kann das für Folgen haben? Ist es wirklich gut, wenn die Menschen in Afrika sehen können, wie bekloppt wir in Mitteleuropa sind? Die verlieren doch jegliche Hochachtung vor uns!

Wenn wir heutzutage an irgendwelchen fremden Küsten landen würden, wie einst Columbus oder Cordes, würden uns die Eingeborenen nicht mehr wie neue Götter begrüßen, sondern uns sofort verprügeln und vernichten.

Nein, da weiß ich nicht, ob das Internet direkt von Vorteil ist.

Aber was ich am Internet wirklich gut finde , dass man alles, was man nicht weiß, aber zufällig eben mal wissen will, über Google oder Wikipedia erfahren kann. Man braucht sich nichts mehr zu merken – einfach im Internet nachschauen.

Ich denke, in absehbarer Zeit werden Schulen glatt überflüssig sein. Wozu etwas lernen, wenn man es auch ohne Mühe erfahren kann?

Auch was Ärzte betrifft… – der reine Luxus! Statt zum Arzt zu gehen, reicht es aus, erst mal ins Internet zu gehen. Wenn man dann weiß, was man hat, beziehungsweise, was einem fehlt, dann lohnt es sich vielleicht den Schritt zum Arzt zu gehen. Der muss ja dann die Rezepte und Überweisungen schreiben.

Aber das Wichtigste ist eben, vor dem Arztbesuch bereits genau Bescheid zu wissen.

Als ich beispielsweise vor einiger Zeit etwas unpässlich war… – meine Gudste meinte, ich hätte eine Erkältung und hatte mir eine Grippetablette gegeben – …hätte ich ohne Internet nie erfahren, in welcher Gefahr ich schwebte.

Ich gab aber in weiser Voraussicht bei Google die Symptome ein, die ich bei mir entdeckte. Da war ersten ein eigenartiger Hautverfärbung an den Beinen. Hinzu kamen Halsentzündung und ein Druck im Hinterkopf. Nach wenigen Minuten und vielen Klicks wusste ich, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit AIDS hatte.

Nun trat ich mit der festen Absicht, meinem Leiden mit Vehemenz entgegen zu treten, den Weg zu meiner Hausärztin an. Der Schwester an der Anmeldung sagte ich gleich, weswegen ich kam: AIDS! Die Schwester schaute erschrocken auf – sie kannte mich – und bat mich doch gleich im Nachbarzimmer, isoliert von anderen Wartenden, Platz zu nehmen. Die Ärztin würde sich umgehend um mich kümmern.

Der Zeitraum “umgehend” belief sich dann zwar auf fast zwei Stunden, in denen ich ausführlich Gelegenheit hatte, in mich und meine Krankheit hinein zu horchen, aber als die Ärztin dann kam, freute ich mich um so mehr.

Ich erzählte ihr alles! AIDS!

Sie betrachtete den Ausschlag an meinen Beinen und lachte ausgiebig. Wenn Sie AIDS haben, sagte sie, dann ist mein Hintern eine Apfeltorte!

Sie gab allerdings zu, dass die Hautverfärbungen meiner Beine wirklich spektakulär waren. Von blau über grün bis lila wirkten sie ausgesprochen giftig. Die Gegend am rechten Schienbein wirkte wie die Landkarte von Afrika.

Sie gab mir eine Tablette gegen allergische Reaktionen, die von der Grippetablette, die mir meine Gudste  verabreicht hatte, ausgelöst worden seien. Nach zwei Stunden waren die Hautverfärbungen weg. Von AIDS blieb eine lächerliche Halsentzündung.

Dabei hatte ich mich schon so gefreut, mal etwas wirklich Gefährliches zu haben.

Aber immerhin – ohne Internet wäre es nie zu dem aufregenden Anfangsverdacht gekommen!

Eduard Sachsenmeyer

Das könnte Sie auch interessieren

Sachsenmeyer: 2017 ? Was war denn da gleich ? Man kann sich der allgemeinen Angewohnheit schlecht entziehen - zum Jahreswechsel wird Rückschau gehalten. Was war denn so los im vergangenen Jahr? ...
Sachsenmeyer: Stilles Wasser Seit gleich kurz nach der Wende, als mir aufgefallen war, dass alle Wessis, die ich so gelegentlich kennenlernte, ständig eine Wasserflasche mit sich ...
Sachsenmeyer: Weihnachtsfeierei In der Vorweihnachtszeit kommen seit Jahren Firmen, oder Abteilungen, Bereiche, Filialen von Firmen und Institutionen, auf die Idee, eine Weihnachtsfe...
Sachsenmeyer: Wenn der Zufall es will Es ist eigentlich nicht zu fassen - im Zeitalter von Wissenschaft und Computer - wie der Zufall die Welt beherrscht! Ich meine jetzt nicht mal nur den...
Sachsenmeyer: Sex is mus Nee, Sexismus - muss nicht sein! Wirklich gut, dass da wiedermal drüber diskutiert wird. Öffentlich! Und das weltweit! Besonders in Hollywood! Da sind...
Gewinnspiele
Besuchen Sie uns bei facebook.
Facebook By Weblizar Powered By Weblizar
Anzeige
Anzeige