1,5 Jahre Pandemie: IHK zieht ernüchternde Bilanz

Nach einem anderthalben Jahr Corona-Pandemie hätte die Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) zum Sommer-Pressegespräch am Donnerstag (1. Juli) gern ein zuversichtlicheres Bild der regionalen Wirtschaft vorstellen wollen. Die Bilanz nach der coronagebeutelten Zeit bleibe aber „durchwachsen“, zieht Christoph Neuberg, IHK-Geschäftsführer Standortpolitik die Bilanz. Trotz aller Empfehlungen der IHK bestehe nachwievor großer Bedarf zum Handeln, wie er sagt. Zur Politik gerichtet, machte er außerdem deutlich, „ein stringenter und nachvollziehbarer Plan zur Bekämpfung der Pandemie fehlte bis zuletzt.“

Die IHK kritisiert mangelnde Planungssicherheit und fordert Notstandsstrategien. Gerade mit Blick auf eine mögliche vierte Welle solle bundesweit stärker auf die Bettenauslastung als auf Inzidenzwerte geachtet werden. „Großflächige Unternehmensschließungen und Gewerbeverbote müssen unbedingt verhindert werden“, betont Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich. Es solle mehr auf Hygienekonzepte zurückgegriffen werden, sagt er.

Zwar beobachtet die IHK derzeit keine Insolvenzwelle. Die Politik solle sich bei neuen möglichen Corona-Wellen jedoch vor Schließungen der Läden hüten. Anderenfalls würden doch noch Insolvenzen drohen, warnt der Kammer-Chef.

Laut Christoph Neuberg müsse die Wirtschaft nun vielmehr wieder nachhaltig in einen Wachstumspfad gebracht werden. Besonders betroffen vom Fachkräftemangel ist das Gastgewerbe. Dieser führe, so sagt er, zu einem gebremsten Neustart in der Branche. Vor allem Bereiche, wie Küche und Service verzeichnen personelle Abwanderungen. Eine gravierende Rolle spiele laut IHK dabei das fehlende Trinkgeld, dass durch die Kurzarbeit bei vielen nicht kompensiert werden konnte. Andere Gastbetriebe wiederum beklagen wie Neuberg sagt, Wegbrüche von tschechischen Arbeitskräften, die zum Neustart der Gastronomie wiederkehren sollten.

Die Ansicht, das Gastgewerbe ist eine unsichere Branche geworden, sei allerdings nicht nur bei Fachkräften vertreten. Auch Schüler und Eltern äußern in Hinblick auf Arbeits- und Ausbildungsplätze große Bedenken.

Ebenso Kritik übt die Kammer beim Thema Digitalisierung in Bildungs und Verwaltung. Nicht nur an vielen Stellen in öffentlichen Verwaltungsprozessen muss es schneller gehen, deutliche Defizite zeigen sich auch in den Schulen. Die IHK sieht große Mängel in der digitalen Ausstattung sowie fehlende Standards und Erfahrungen beim Digitalunterricht. Die daraus entstandenen Bildungsdefizite müssten laut IHK mithilfe von Nachhilfeprogrammen – auch für Lehrer – schnellstmöglich behoben werden. Die Digitalisierung sollte deshalb im Sommer zur zentralen Aufgabe gemacht werden, so die Forderung der Kammer.

 

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