Aues 3. Jahr 2. Bundesliga

Fußballer des Jahres 2005/06 wurde Torwart Tomasz Bobel. In elf von insgesamt 34 Pflichtspielen hielt er seinen Kasten sauber. Bild: masch / Schachtscheisser

Man schrieb den 14. Mai 2006. 13.400 Zuschauer bildeten trotz regnerischen Wetters einen prächtigen Rahmen für den Saisonabschluss im Lößnitztal. Doch die Protagonisten auf dem Rasen machten ihnen mit einem müden Gekicke einen Strich durch die Rechnung. Mit einer enttäuschenden 0:2-Heimniederlage beendete der FC Erzgebirge Aue den Jahrgang 2005/06 in der 2. Fußball-Bundesliga.

Der Absteiger aus Siegen bestrafte mit den beiden Treffern von Björn Weikl (66.) und Steffen Schmitt (80.) den lustlosen Auftritt der Veilchen, für die es sportlich um nichts mehr ging. Da Wacker Burghausen zum gleichen Zeitpunkt 1:1 gegen Bundesliga-Aufsteiger Aachen spielte, behauptete das Team von Trainer Gerd Schädlich wie im Vorjahr Platz sieben in der Abschlusstabelle.

„Es ist enttäuschend, wie wir uns vor dieser prächtigen Kulisse präsentiert haben”, ärgerte sich Schädlich nach dem Abpfiff, während sich seine Spieler lange feiern ließen. „Wir sind verdient als Verlierer vom Rasen gegangen, weil wir von der ersten Minute weg fahrlässig agierten”, schimpfte der damals 53-jährige Coach. Das Prädikat „fahrlässig” traf dabei auf die Offensive ebenso zu wie auf die zuletzt sehr stabile FCE-Hintermannschaft. Dabei konnte sich Aues Verteidigung in jener Saison mit nur 36 Gegentoren durchaus sehen lassen im Vergleich mit den anderen 17 Mannschaften. Nur drei Mannschaften kassierten im Saisonverlauf weniger Gegentore als die Veilchen: die beiden Aufsteiger Bochum (26) und Cottbus (33) sowie der Viertplatzierte Freiburg mit 33. Der dritte Aufsteiger Aachen hatte ebenfalls wie Aue nur 36 Gegentore.

Im dritten Jahr seiner Zweitliga-Zugehörigkeit hatte sich der FC Erzgebirge fest in der zweithöchsten deutschen Spielklasse etabliert und spielte eine grundsolide Saison. Tiefer als zweimal auf Platz 14 stand man nie. Zur Halbzeit rangierten die Lila-Weißen mit 24 Punkten auf dem 10. Platz, da waren die sieben Zähler Abstand zur Abstiegszone schon komfortabel. Es waren noch Zeiten, in denen es gleich vier Direktabsteiger in die Regionalligen gab. Aue-Trainer Gerd Schädlich vermied in dieser Situation große Aufregung, drehte das Ruder sachte und brachte Aue letztlich wieder auf Platz sieben – mit einem positiven Torverhältnis (38:36) und 48 Punkten.

Krisen, wenn es denn welche waren, wurden erfolgreich gemeistert. Der Klassenerhalt konnte rechtzeitig gesichert und der großen Fan-Schar viel Freude bereitet werden. Die längste Phase ohne Sieg dauerte nur fünf Spiele lang, vom 21. bis zum 25. Spieltag. Zwei Unentschieden und drei Niederlagen gab es in diesem Zeitraum im Februar und März 2006. Der erfolgreiche Schlussspurt – sechs Siege an den letzten neun Spieltagen – ersparte dem Team ein ­unruhiges Frühjahr. Auch dank Neuzugang David Siradze, der erst im Januar ins Lößnitztal gekommen war, Aue mit seinen zwei Treffern am 26. Spieltag zum 2:1-Heimsieg gegen den F. C. Hansa Rostock schoss und so die Wende einleitete. Der georgische Nationalspieler kam auf acht Einsätze in jener Saison und traf viermal.

Dieses Bild entstand unmittelbar nach dem Abpfiff der Begegnung gegen die Sportfreunde Siegen am 14. Mai 2006. Bei Regen stellten sich trotz der Niederlage den Fotografen (jeweils von links) – hinten: Uwe Ehlers (11 Saisoneinsätze / 1 Tor), Richard Dostálek (29 / 1), Norman Loose (16), Hendrik Liebers (26), Tomasz Kos (28), Andrzej Juskowiak (29 / 8), Marco Kurth (21 / 1), Masseur Jens Borchert, Sebastian Helbig (21), Jörg Emmerich (32 / 3), Tomasz Bobel (33), Christian Lenze (15 / 2) und Jörg Hahnel (1); vorn: Skerdilaid Curri (22 / 2), Florian Heller (25 / 2), Kevin Hampf (10 / 2), Tomáš Klinka (30 / 4) und Ersin Demir (31 / 5). Foto: Olaf Seifert (den Regenschirm hielt Burg)

Meist war der Kampf und weniger das Spiel das Mittel, mit dem der FCE die Punkte zum Überleben in der zweiten Liga sammelte. Eine starke Defensive mit dem überragenden Torhüter Tomasz Bobel und Kapitän Jörg Emmerich legte dabei den Grundstein zum Erfolg. Im Mittelfeld konnten Richard Dostálek und Christian Lenze die Rolle der kreativen Ideengeber nicht ausfüllen. Im Angriff wusste nur der 35-jährige Andrzej Juskowiak, mit acht Treffern erneut der Beste, durch Treffsicherheit zu überzeugen.

Einer, der beim letzten Spiel der Saison 2005/06 gegen die Sportfreunde Siegen nicht den erhofften Abschiedsauftritt im Veilchen-Kasten bekam und nach dem Schlusspfiff weinend seine Runde durchs Stadion lief, war Torwart Jörg Hahnel. Verständlich, wenn man bedenkt, dass er seit der Jugend für die Lila-Weißen die Töppen geschnürt hatte. „Es fällt mir unheimlich schwer. Das ging schon die ganze Woche so, wenn mir Leute auf der Straße alles Gute für die Zukunft wünschten. Schließlich hatte ich eine schöne Zeit hier und habe dem Verein viel zu verdanken”, sagte der damals 24-Jährige, der es für Aue auf 18 Regional- und 36 Zweitliga-Einsätze sowie drei Spiele im DFB-Pokal brachte, sichtlich mitgenommen. „Natürlich hätte ich gern noch ein paar Minuten gespielt, aber ich muss die Entscheidung des Trainers akzeptieren.”

Seit Juli 2000 den Auer Herrenmannschaften zugehörig – sein erstes Spiel bestritt der Keeper am 10. Februar 2001 zu Hause gegen den SC Verl (2:1) – bestritt er in den folgenden sechs Spielzeiten insgesamt 57 Pflichtspiele für den FC Erzgebirge Aue. Dabei war Hahnel aber nur in der Saison 2003/04 Stammtorhüter, während er in den übrigen Spielzeiten zumeist als Ersatztorwart fungierte. In der Serie 2005/06 konnte sich Hahnel schließlich nicht mehr gegen seinen Konkurrenten Tomasz Bobel durchsetzen, weshalb er lediglich in einem Zweitliga-Spiel (in Fürth, März 2006) sowie in der ersten Runde des DFB-Pokals (beim VfL Bochum II, August 2005) zum Einsatz kam. Daraufhin wechselte er zur Saison 2006/07 innerhalb der 2. Liga zum F. C. Hansa Rostock.

Höhepunkt nach dem letzten Saisonspiel war die Auszeichnung der FCE-Fußballer des Jahres 2005/06, organisiert vom Fanprojekt Aue. Platz eins belegte Torwart Tomasz Bobel, der in 33 von 34 Punktspielen den Auer Kasten hütete und diesen elfmal sauber halten konnte. Er kam auf insgesamt 2.823 Punkte bei der Fanumfrage. Auf den Plätzen zwei, drei und vier folgten mit 2.342 Zählern Kapitän Jörg Emmerich, Tomasz Kos (1.270) und Andrzej Juskowiak (1.205).

„Das Spiel war wie das Wetter beschissen. Schade das wir uns zum Abschluss vor unseren Fans so schwach präsentiert haben”, ärgerte sich der 31-Jährige Torhüter Bobel über den verpatzten Auftakt des Partyabends. Insgesamt zeigte er sich jedoch mit der Saison zufrieden. „Ich habe 34 Pflichtspiele gemacht und mir keine großen Bolzen geleistet. Wir konnten die Klasse souverän halten und haben mit Platz sieben unser Ziel erreicht”, erklärte der Dauerbrenner im Kader. Dass er bei den Anhängern so beliebt ist, freute den stets zu einem Scherz aufgelegten Keeper natürlich: „Aber das kommt auch nicht von ungefähr. Ich habe mir das Vertrauen des Trainers, der Mannschaft und der Fans mit Leistung verdient. Von nichts kommt nun mal nichts.” Burg

Abschied von Aues Torwart Jörg Hahnel. Er wechselte nach der Saison 2005/06 zum F. C. Hansa Rostock. Fotos: Olaf Seifert (2)

Die Fans wussten die Arbeit von Gerd Schädlich zu schätzen. Aues Kulttrainer – 317-mal verantwortlich auf der
Trainerbank – starb im Januar 2022. Foto: Olaf Seifert

Jobs in Deiner Region

Facebook