30 wird 30 – Feinkosthändlerin Christiane Dreißig im WochenENDspiegel-Interview

Christiane Dreißig (61) in ihrem Feinkostgeschäft im Zwickauer Stadtteil Planitz.
Foto: Judith Hauße

Wenn es ums Essen und Trinken geht, so sind die Geschmäcker bei jedem unterschiedlich. Doch in einem sind sich wohl viele einig: Gutes Essen ist ein Privileg, das wir gerne teilen. Das weiß auch Feinkosthändlerin Christiane Dreißig (61) aus Zwickau, die im Frühjahr zum 30. Jubiläum ihres Feinkostladens auf der Äußeren Zwickauer Straße einlädt. Im Interview mit WochenENDspiegel blickt die 61-Jährige nun auf drei Jahrzehnte Feinkost im Zwickauer Stadtteil Planitz zurück.

WochenENDspiegel: 30 wird 30 – Nicht nur ein tolles Wortspiel, sondern vermutlich auch ein Beweis dafür, dass das Geschäft seit der Gründung 1989 für internationale Delikatessen den Geschmack der Sachsen trifft. Doch wenn Sie heute zurückblicken, wie hat sich die Esskultur in der Region seither entwickelt?
Christiane Dreißig: Kurz nach der Wende waren die Menschen sehr interessiert nach allen Neuem, was es im Osten nicht gab. Das hat sich mit den Jahren, allen voran mit der Industrialisierung in der Lebensmittelbranche, deutlich verändert. Demnach überwiegt heute vielmehr das Bedürfnis nach ehrlichen Lebensmitteln. Es sind bodenständige Leute, aber sie haben Lust, sich öfters was zu gönnen und sind weltoffen. Dabei stehen vor allem die Gesundheit und das Umweltbewusstsein an erster Stelle. Zudem haben die Menschen inzwischen großes Vertrauen zu unserem Geschäft aufgebaut, so dass es mittlerweile viel weniger Berührungsängste gibt.

Wie hat sich dabei eventuell auch der Kundenstamm gewandelt?
Waren es vor 30 Jahren noch vermehrt ältere Menschen im (Vor)- Ruhestand, sprich ein Durchschnittsalter von 50 bis 60 Jahren. So sind es heute verstärkt jüngere Leute im Alter zwischen 20 und 40, die wir zu unserem Kundenstamm zählen. Hierzu gehören besonders auch Eltern, die Wert auf eine gesunde und nachhaltige Ernährung ihrer Kinder legen.

Was macht für Sie gutes Essen aus?
Das fängt für mich bei ehrlichen und authentischen Lebensmitteln an. Darüber hinaus gehören wir mit Feinkost30 der weltweiten Lebensmittel-Vereinigung „Slow Food“ an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Esskultur zu pflegen, indem sie u.a. die regionale Geschmacks- und Lebensmittelvielfalt bewahrt sowie artgerechte und verantwortungsvolle Landwirtschaft fördert. So achtet sie auf die Moral und Glaubwürdigkeit, die hinter dem Essen und Trinken steht. Dies teilen und unterstützen wir.

Wo holen Sie Ihre kulinarischen Ideen und Konzepte her?
Gutes Essen beginnt bei den Menschen und Begegnungen vor Ort. So gehe ich oft auf kulinarische Entdeckungstouren, u.a. durch Südeuropa, Frankreich oder zufällig im Familienurlaub. Dabei habe ich inzwischen viele meiner über 80 Lieferanten bereits persönlich kennengelernt. Beispielsweise ging es kürzlich erst in das Tannheimer Tal in Tirol, wo ich eine Bergkäserei besucht habe.

Welche Entdeckungsreise hat Sie dabei am meisten inspiriert?
Die Erschließung der weltweiten Whisky-Horizonte habe ich als eine durchaus spannende Zeit empfunden. Dies spiegelt sich vor allem auch in meinen Whisky-Abenden wider. Darüber hinaus haben mich aber vor allem auch Reisen nach Frankreich und in die Toskana kulinarisch sehr inspiriert.

Welches kulinarische Konzept ist bei den Kunden am gefragtesten?
Die Vielfalt von Delikatessen ist bei uns sehr beliebt. Das heißt, die Nachfrage bleibt nicht nur bei einem Produkt, sondern nach der Zusammenstellung von Lebensmitteln, beispielsweise in unseren individuellen Präsentkörben.

Wie stehen Sie zu Ernährungsweisen wie u.a. Vegetarismus? Diesen stehe ich mit meinem Team sehr offen bzw. beratend gegenüber. Nicht zuletzt gibt es inzwischen ebenso viele Kunden, die in ihrem Alltag oft unnatürlichen Einflüssen ausgesetzt waren und nun unter einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden. So legen wir viel Wert darauf, dem reichen Angebot von industriellen Lebensmitteln als Gegengewicht entgegenzutreten.

 

Kommende Events zum 30. Jubiläum

Samstag, 9. März, 10 bis 16 Uhr: Mediterrane Streiflichter

Freitag, 12. April, 10 bis 16 Uhr: Eine dänische Offenbarung

Samstag, 13. April, 10 bis 16 Uhr: Genusswelten entdecken – Delikatessenhändler Frank Wilk zu Gast

Samstag, 27. April, 10 bis 16 Uhr: Eine überraschende Verbindung – Von “Ybnstoker” Craftbeer bis Antipasti

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