3,5 Millionen Euro für falsche Liebe!

Liebesbetrüger nahmen ihren Opfern im Internet binnen eines Jahres 3,5 Millionen Euro ab. Fast 300.000 Euro jeden Monat. Foto: pixabay.com

Teure Online-Liebesfalle

Von Sven Günther
Region. Der Mai ist gekommen, die Triebe schlagen aus! Nicht nur die Natur, auch die Herzen der Menschen erblühen. Wir sehnen uns nach Liebe und Zweisamkeit, einem Partner. Das Internet bietet scheinbar unendliche Möglichkeiten. Nur ein Klick zum Zärtlichkeits-Kick? Eine Illusion, die Betrüger ausnutzen!

Laut Sächsischem Landeskriminalamt gab es im Jahr 2019 im Freistaat 229 Fälle, in denen Liebesheuchler gutgläubige Opfer betrogen! 76,5 Prozent der Geschädigten sind Frauen, die meisten von ihnen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren.

Der Schaden? Gigantisch!

Die 229 Delikte verursachten einen Schaden von 3.559.518 Euro. Das sind 15.500 Euro pro Fall oder knapp 300.000 Euro monatlich!

LKA-Sprecher Tom Bernhardt: „Alles beginnt mit einem Flirt im Internet, man ist schnell auf einer Wellenlänge und die Sympathie wächst. Die Online-Beziehung wird ernsthafter. Über Wochen oder Monate werden Mails ausgetauscht, man gibt immer mehr Persönliches preis und meint die große Liebe vor sich zu haben.“

Wenn die Herzen aber Liebe schlagen, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur fiesen Abzocke.

Das reale Kennenlernen wird von einer Geldüberweisung abhängig gemacht, entweder für das Visum oder für den Kauf eines Flugtickets bzw. es gibt eine ad-hoc-Notlage. Ein enger Angehöriger ist erkrankt, nur eine teure Opertation kann helfen oder Wertsachen und Pass wurden gestohlen und die Hotelrechnung ist offen. Die Opfer überweisen dann vertrauensvoll Geld z.B. Western Union nach Ghana, Nigeria, den USA, Großbritannien, der Türkei oder auch Russland. Bei Internetbekanntschaften mit Russland handelt es sich um angeblich heiratswillige Frauen, die dann ihre Opfer abzocken.

Aber wie kann man das sogenannte Love-Scamming erkennen und wie kann man sich davor schützen?

• Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Betrüger an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel.

• Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.

• Meist werden den Opfern Bilder ihrer Internetbekanntschaften in schlechter Qualität gezeigt, da sie illegal erlangt wurden. Ausnahme: Frauen locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind.

• Seriös wirkende Mails wecken das Interesse, aber schon nach kurzer Zeit überhäufen die Scammer ihre Opfer mit Liebesschwüren. Sie wollen alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt eine Rolle.

• Die Täter sprechen dann oft von Geschäftsreisen oder familiären Schwierigkeiten und einer Verbindung nach Westafrika wie Nigeria, Ghana oder dem Senegal, aber auch nach Russland und Südostasien. Frauen geben häufig vor, in osteuropäischen, südost-asiatischen oder südamerikanischen Ländern zu leben.

• Die Betrüger bitten ihr Opfer aus unterschiedlichsten Gründen um Geld. Weigert es sich zu zahlen, suchen die Betrüger andere Wege der Bereicherung. Dabei scheuen die Scammer nicht, erpresserische Methoden anzuwenden, sogar mit Selbstmord wird gedroht. Beispielsweise sollen Schecks (die allerdings gefälscht sind) in Deutschland eingezahlt werden oder Briefe bzw. Päckchen sind an dritte Personen zu versenden, die Betrüger bitten um Kopien von Ausweisen und verwenden diese Daten für weitere Betrugshandlungen.

• Wenn man tatsächlich Zweifel an seiner Internetbekanntschaft hat, sollte man sich einer befreundeten aber neutralen Person anvertrauen und sich über das Thema und die neu gewonnene »Liebe« austauschen und um eine zusätzliche unvoreingenomme Meinung zu bekommen.

• Außerdem kann eine Suchmaschine in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen, wenn Sie den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz „Scammer“ eingeben.

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