Ab in die Zukunft!

…und vorwärts zum Ursprung mit dem Projekt Land.Leben.4.0

Ines und Roger Herold bauen in Ursprung das Zukunfts.Haus.

Lugau. Neues wachsen lassen und mit Altem verknüpfen, Menschen miteinander vernetzen, innovativ sein aber auch Traditionen wieder aufleben lassen, voneinander und miteinander lernen, den Horizont erweitern, im Einklang mit der Natur leben, ursprüngliche Werte vermitteln, Kreativität und Ideen freien Lauf lassen, sich austauschen und individuelle Entfaltung ermöglichen – den Raum dafür geben Ines und Roger Herold mit ihrem Projekt „Land.Leben.4.0“ in Lugau im Ortsteil Ursprung. Dort entsteht auf einem Vierseitenhof gerade ein viertes Gebäude, das Zukunfts.Haus.

Autarkes Landleben umsetzen

Haus und Garten sollen bis Juni fertig gestellt sein.

Die anderen Gebäude werden von der Familie sowie für die unternehmerischen Tätigkeiten vom Ingenieurbüro „herold.connect“ genutzt. Vor zehn Jahren erwarben Ines und Roger Herold das Areal mit großem Grundstück, um selbst den Gedanken des autarken Lebens, nicht nur hinsichtlich der Energie, sondern auch in der Lebensmittelversorgung umzusetzen. So baut die Familie selbst Gemüse an, betreut Bienen, Schafe und Hühner.

Gelernt haben sie dabei auch von ihren in Landwirtschaft erfahrenen Nachbarn. „Wir hatten vor, das, was wir damals schon in unserer Firma gelebt haben, nämlich dass wir ohne fossile Brennstoffe heizen und kühlen, auch im privaten Bereich umzusetzen. Aber schon während des Hausbaus sind dann immer wieder Firmen an uns herangetreten, die gefragt haben, ob sie nicht ein Seminar hier durchführen können. Da ist uns klar geworden, dass wir noch ein viertes Gebäude brauchen“, erklärt Ines Herold. Aber nicht für eigene Zwecke, sondern um es der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen: „Wir sind im Dorf sehr gut aufgenommen worden und unterstützen uns gegenseitig. Wir wollen die Naturidylle hier nicht schmälern, sondern das Landleben so wie es ist, weitergeben.“

Gewinner des simul+ Wettbewerbs

So beteiligte sich die Familie gemeinsam mit der Stadt Lugau beim simul+ Ideenwettbewerb und schuf das Konzept „Land.Leben.4.0“, mit dem sie im vergangenen Jahr einen Preis von 200.000 Euro gewannen. Der Wettbewerb ist so gestaltet, dass Privatpersonen sowie Gemeinden oder Städte Konzepte einreichen können, also wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Somit entsteht mit dem Zukunfts.Haus eine Begegnungsstätte für die Ursprunger und Ursprungerinnen und gleichzeitig wird Unternehmen die Möglichkeit gegeben, in den Räumlichkeiten Workshops und Seminare durchzuführen. Im Vordergrund steht das ländliche Leben. So entsteht auf 3.000 Quadratmetern ein Natur-, Heil- und Therapiegarten, es gibt u.a. ein Kräuterbeet zum Wahrnehmen mit allen Sinnen, einen Steinkreis mit Feuerstelle und eine Hecke zum Naschen von Wildobst. Das Zukunfts.Haus mit kleinem Bistro soll multifunktional genutzt werden. „Das beste Szenario, das ich mir wünschen würde, wäre, dass morgens eine Firma ein Seminar zur Strategieentwicklung abhält, am Nachmittag treffen sich die Frauen zum Kaffeekränzchen, die Männer zum Skatabend oder die Kinder zum Lesen und abends führt die Yoga-Gruppe einen Kurs durch. Es soll eine Mischung aus gemeinnützigen und wirtschaftlichen Aktionen geben. Und das Allerbeste wäre, wenn sich irgendwann alle gemeinsam treffen, um voneinander zu lernen“, beschreibt Ines Herold.

Schräg geDACHtes Zukunftshaus

Als Materialien wurden hauptsächlich Holz, Stahl und Polycarbonat verwendet.

Das Zukunfts.Haus selbst wurde schräg geDACHt (im doppelten Sinne) und ist mit besonderen technischen Raffinessen ausgestattet. Der Dachfirst verläuft nicht diagonal zur Grundrissebene, sondern ist etwas verdreht. „Wir wollen alles ein bisschen anders machen. Die Besucher sollen schon beim Ankommen ihre Routinegedanken abstreifen, zu einem Perspektivwechsel gelangen, ihren Alltagsrucksack einmal absetzen und wirklich hier ankommen“, so Roger Herold.

Als Materialien wurden hauptsächlich Holz, Stahl und Polycarbonat verwendet. Tageslicht wird optimal genutzt, ohne den direkten Blick nach draußen zu haben. Die Polycarbonat-Elemente wirken dabei besser wärmedämmend, als eine Dreifachverglasung. Zur E-Energie und Wärmegewinnung wird innovative Wasserstofftechnik verwendet, bei der eine Photovoltaikanlage, Elektrolyseanlage und Brennstoffzelle zum Einsatz kommen. Die Bodenplatte des Hauses ist kernaktiviert und erlaubt so geringste Heizwassertemperaturführung bei größtmöglicher Speicherfähigkeit. Zudem wird die entstehende Wärme eines Biomeilers genutzt.

Digitalisierung ist ein weiteres Thema, das unter „4.0“ in Zukunft angegangen werden soll. „Wenn alles planmäßig verläuft, rechnen wir damit, dass Haus und Garten im Juni fertig sind. Durch Corona mussten die Grundsteinlegung und das Richtfest ausfallen. Das ist sehr schade, denn das sind ja auch Traditionen. Wir planen dafür eine Rohbau-Einweihungsparty“, so Ines Herold. Ideen für das Projekt gibt es viele, und auch die Unterstützung von Nachbarn und der Gemeindeverwaltung ist gegeben – nun braucht es nur noch Interessierte, Mitstreiter und Menschen, die im Zukunfts.Haus etwas bewegen wollen.

Diese Baumaßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Sie wurde beim simul+ Wettbewerb – Ideen für den ländlichen Raum prämiert.

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