Ab Sonntag gilt wieder Sommerzeit

Rätsel um die Kirchenuhr – unheimliche Erinnerungen an Pastor Vogel

Am 29. März wird man wohl wieder einmal mehr auf öffentlichen Uhren gucken: Sommerzeitumstellung. Immer am letzten Wochenende im März endet in Europa die Winterzeit. Dieses Jahr fällt die Zeitumstellung auf den 29. März 2020 und zwar in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Wenn die Uhren auf die Sommerzeit umgestellt werden, werden sie nachts um 2 auf 3 Uhr vorgedreht. Die Tage im Frühjahr und Sommer länger hell, was auf Kosten einer Stunde (Schlaf) geht. Das stößt aus unterschiedlichen Gründen auf Kritik. Ein Punkt: das ständige Wechseln sei schlecht für den Biorhythmus. Das Europaparlament jedenfalls hat beschlossen, die Zeitumstellung abzuschaffen. Ein ehrgeiziges Projekt, das sich bei den vielen Meinungen und Standpunkten nicht von heute auf morgen umsetzen lässt. Nur Finnland und die baltischen Staaten haben sich bislang klar für die Abschaffung der Zeitumstellung positioniert. In Deutschland gibt es eine deutliche Mehrheitdie sich für den Erhalt der Sommerzeit ausgesprochen haben.
Früher gab es öffentliche Uhren noch an Bahnhöfen und Haltepunkten – bis zu deren Niedergang nach 1990. Heutzutage sind die großen Zeitmesser aber eben meistens nur noch an Kirchtürmen zu entdecken.
So auch eine in Neuhausen, wo eine besonders schöne Kirchenturmuhr hängt, und diese – beleuchtet – auch nachts dem Bürger anzeigt(e), was die Stunde geschlagen hatte.
In der dritten Februardekade 2020 blieb diese jedoch stehen – um 3 Minuten nach Zwölf. Passierte der Stopp nun 12.03 Uhr oder zur Geisterstunde um 0.03 Uhr? Es war also „Drei nach Zwölf“ – ein böses Omen in Sachen Corona! Ältere Neuhausener konnten sich jedenfalls nicht erinnern, dass die Kirchenturmuhr je stehen geblieben wäre. Ein Insider meinte: „So etwas kann heute kaum jemand noch reparieren.“
Ich machte jedenfalls ein Foto davon – am 1. März. Soweit, so gut. Als ich am 21. März wieder mal genauer hochschaute, staunte ich nicht schlecht, der Minutenzeiger hatte sich verändert: und zeigte nun auf Sieben nach Zwölf.
Für die Neuhausener Kirche ist es nicht einzige ungewöhnliche Vorgang. Mythen ranken sich gerade um ihren Pastor Vogel. Christian August Vogel (1775 – 1831) wirkte bis zu seinem Tod 20 Jahre lang als Pfarrer der hiesigen Kirchgemeinde zu Füßen von Schloß Purschenstein. Vogel soll sich mit schwarzer Magie beschäftigt, gar mit dem Teufel im Bunde gewesen sein. Er ward nach seinem Tod noch mehrmals gesehen.
Der damalige Schlossherr Utz von Schönberg (1804-1864) wurde nebst Nachfolge Pfarrer Christian Ernst Terne gar Zeuge, wie Pastor Vogel nachts in der Kirche Orgel spielte. 1832 hatten die Kirchenoberen das Geschehen satt; Vogel (und/oder sein Geist) wurde ergriffen und nach abenteuerlicher Kutschenfahrt in eine hohlen Buche auf den Hinteren Stangenberg „verbracht“. Das Drama hat der berühmte Heimatforscher und damalige Freiberger Kreisjägermeister Alfons Diener von Schönberg (1875-1936) im Roman „Krumme Schatten“ verewigt.
Und – ward der Kirchenbau danach etwa verflucht? Die Renaissancekirche brannte jedenfalls bei einer Feuersbrunst anno 1863 völlig ab, der heutige Neubau weicht stark von der ursprünglichen Form ab.



Fotovergleich 1. und 21. März 2020: Die Zeiger der stehen gebliebenen Neuhausener Kirchturmuhr haben sich um 4 Minuten bewegt … Das Gotteshaus wurde im 19. Jahrhundert, von 1865 bis 1868, erbaut. Fotos: Steffen Ulbricht

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