Adlon-Atmosphäre im Mormonen-Tempel

Ein Blick in den Siegelungsraum des Freiberger Tempel. Die Mormonen haben weltweit 15 Millionen Mitglieder. Knapp 40.000 in Deutschland. Jeder zahlt zehn Prozent seines Einkommens an die Kirche.

Ein Blick in den Siegelungsraum des Freiberger Tempel. Die Mormonen haben weltweit 15 Millionen Mitglieder. Knapp 40.000 in Deutschland. Jeder zahlt zehn Prozent seines Einkommens an die Kirche.

Mormonen-Tempel: Für Gott nur das Beste…

Von Sven Günther
Freiberg. Als Salomon für Gott einen Tempel bauen ließ, war sein Motto: Für Gott nur das Beste. Zedernholz aus dem Libanon, vieles mit Gold überzogen, wertvolles Schnitzwerk. So steht es in der Bibel, die im Glauben der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (Mormonen) allerdings nur die zweite Geige spielt. Deren Mitglieder folgen den Weisungen des Engels Moroni, der als goldene Statue Posaune blasend auf dem Freiberger Tempel prangt.

Salomons Motto aber, nach dem nur bestes Material für einen Tempel genutzt werden soll, sind sie gefolgt. Vom 12. bis 27. August (außer sonntags) können sich Besucher montags von 9 bis 17 Uhr und dienstags bis samstags von 9 bis 20 Uhr davon überzeugen, einen der geheimsten Orte Sachsen in Augenschein nehmen.

Denn die sonst fest verschlossenen Türen des Freiberger Mormonen-Tempels öffnen sich in dieser Zeit auch für Anders- respektive Ungläubige. Selbst Mormonen, die keine entsprechende Eignung vorweisen können, haben nur jetzt für kurze Zeit Zutritt zum Heiligtum.

Die Gäste werden beeindruckt sein! Beeindruckt von den edlen Stoff-Tapeten, den exklusiven Teppichen, den ausgewählten Möbeln. Beeindruckt vom Taufbecken, das auf den Rücken von zwölf Stieren ruht, die zwölf Stämme Israels symbolisiert und in dem man sich für verstorbene ungetaufte Verwandte taufen lassen kann. Sie werden Schulungsräume zu sehen bekommen, die Atmosphäre im Celistial-Raum (celistial = himmlisch) zu spüren versuchen und die Spiegel im Siegelungsraum bestaunen, die eine endlose Perspektive schaffen, die die Unendlichkeit der mormonischen Ehen symbolisieren sollen.

Der Siegelungsraum. Genaugenommen liegt hier der Grund dafür, dass es überhaupt einen Tempel in Freiberg gibt. In ihm werden Mann und Frau aneinander „gesiegelt“. Eine Prozedur, die nur im Tempel möglich ist. Und einen solchen gab es in der DDR nicht. Wohl aber eine große Gemeinde der Mormonen. Der nächste Siegelungsraum war in Bern, was für systembedingte Probleme sorgte. Fast unüberbrückbare Probleme…

Die wurden nach langen Verhandlungen zwischen Mormonen-Führung und DDR-Spitze überwunden und in Freiberg ein Tempel gebaut. Die Geschichte, Mormonen hätten tausendfach mit Ausreise gedroht, ist ein Gerücht.

Richtig ist, dass der ursprüngliche Plan, das Gebäude in Karl-Marx-Stadt zu errichten, weil es dort die größte Gemeinde gab, aus Gründen der Symbolik (KARL-MARX-STADT!) abgelehnt und Freiberg als Ausweichstandort festgelegt worden ist. 1985 konnte dort dann der erste Tempel auf deutschem Boden geweiht werden. Während der elftägigen Tage der offenen Tür 1985 sahen sich 90.000 Besucher das Gebäude an.

Ob es wieder so viele werden? Wohl nicht, obwohl sich ein Besuch sich in jedem Fall lohnt. Die Arbeiten wurden von vielen Handwerkern der Region ausgeführt, die von Spezialisten u.a. aus den USA unterstützt wurden.
Die Räume sind in Pastelltönen gehalten, überall glänzt Gold. Kristall-Lüster hängen von Stuckdecken. Gemälde, edles Porzellan, atemraubende Blumenbuketts schmeicheln den Augen. Adlon-Atmosphäre in jeder Ecke.
Man kann sich vorstellen, wie die ausgewählten Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, komplett in Weiß gewandet um Gleichheit zu symbolisieren, durch die Räume des Freiberger Tempels gehen.

Der Freiberger Mormonen-Tempel. Eines der geheimsten, eines der sehenswertesten Gebäude Sachsen. An den biblischen Salomon-Bau reicht er allerdings nicht heran. Der König ließ 183.300 Handwerker das Gebäude in sieben Jahren errichten…

 

Hier finden Sie Fakten zum Tempel:

2. Daten und Fakten zum Freiberg Tempel

Weitere Fotos aus dem Tempel

4. Eingangsbereich 5. Taufbecken 8. Celestialer Saal Aussenansicht 6 Brautraum 2 Detailansicht Wandornamente Hauptwarteraum Warteraum

 

 

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