Alexander Krauss: „Beerdigung“ im Bundestag!

Schüler des Greifenstein-Gymnasiums Thum bringen ein Stück Heimaterde nach Berlin. Foto: CDU

Bevölkerung? Beerdigung?

Von Sven Günther
Erzgebirge/Berlin. Sie hätten Bastian Sick lesen sollen… Schon vor Jahren. Schon vor dem 5. April 2000, an dem die Bundestagsabgeordneten beschlossen, den nördlichen Lichthof des Reichstages von Hans Haacke gestalten zu lassen. Der stellte einen 21 x 7 Meter großen Holztrog in den Raum, aus dem die Worte „DER BEVÖLKERUNG“ neonhell gen Dach leuchten.

Der Bevölkerung? Falsch!

Sprachfehler-Forscher Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) erklärte schon 2006: „Ursprünglich allerdings hatte es (das Wort „Bevölkerung“, d.Red) eine andere Bedeutung, denn „Bevölkerung“ kommt von „bevölkern“. Im Jahre 1732 wurde das schwach besiedelte Ostpreußen mit 40.000 Kolonisten aus deutschsprachigen Gegenden bevölkert. Die von Friedrich Wilhelm I. angeordnete „Bevölkerung Ostpreußens“ war ein Vorgang, in dessen Folge das Volk Ostpreußens anwuchs.“

Er nennt weitere Beispiele: Staub und Bestäubung, Schranke und Beschränkung, Wasser und Bewässerung.

Bewässerung bezeichnet das Aufbringen von Wasser auf eine Fläche. Müsste man dann die Aktion, die jetzt Schüler des Greifensteingymnasiums Thum im Reichstag auf Einladung des Schwarzenberger Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß (CDU) ausführten, BEERDIGUNG nennen? Die Jungen und Mädchen hatten Erde aus dem Erzgebirge in den von Haacke aufgestellten Trog gekippt.
Ein Brauch, dem seit 2000 viele Politiker folgen und der den Sinn des Kunstwerks darstellt. Aus allen deutschen Wahlkreisen wird Erde in den Behälter gekippt und man lässt sich überraschen, was dann wächst, greift gärtnerisch nicht ein.
„Ich freue mich, dass jetzt erzgebirgischer Boden im Parlament liegt“, sagt Krauß. Die Thumer Schüler hatten vorher den Deutschen Bundestag besucht, an einer Plenumsdebatte teilgenommen und mit dem CDU-Politiker gesprochen.

Übrigens: Die Schriftart „DER BEVÖLKERUNG“ ist mit der identisch, die Peter Behrens für die am Giebel des Westportals des Reichstagsgebäudes 1916 angebrachte (grammatische korrekte) Inschrift „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ entworfen hatte.

Nochmal Sick: „Es ist fraglich, ob die Revolution in Ostdeutschland genauso eindrucksvoll verlaufen wäre, wenn die Demonstranten gerufen hätten: ‚Wir sind die Bevölkerung!'“

Dieses Foto wurde von der Webcam im Bundestag am 14. Februar aufgenommen.

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