Alle zusammenbringen

Gemeinsam ein Konzert aufführen? Das ist kein Problem, wie die Darbietungen des Robert Schumann Konservatoriums beim Behindertentag des Landkreises zeigten. Auch Sandra Vollrath (links mit weißem Cappy) liebt es, zu singen. Foto: Alice Jagals

Landkreis. Da steht sie auf der Bühne und strahlt: Für Sandra Vollrath sind Auftritte in der Öffentlichkeit kein Grund für Lampenfieber. Somit machte es ihr auch nichts aus, beim achten Behindertentag des Landkreises, der am Sonntag in Kirchberg stattfand, zu singen. Die 43-Jährige hat von Geburt an eine Spastik und leichte Lernschwierigkeiten. Trotzdem nimmt sie ganz normal am Leben teil. Sie singt im Chor des Robert Schumann Konservatoriums und ist Mitglied im Tanzverein. Beruflich ist sie in der Reinsdorfer Behindertenwerkstatt tätig. „Aber im Alltag brauche ich schon Hilfe, da ich meine Arme nicht durchstrecken kann“, sagt sie. Die taffe kleine Frau wohnt deshalb bei ihrer Mutter, die ihr zur Hand geht. Einen Partner hat sie nicht. Das habe sich nicht ergeben. „Und wer weiß, ob das überhaupt passen würde“, meint sie.

Über das viel gesprochene Thema Inklusion denkt sie zwiespältig. Heute sei für sie Vieles einfacher als früher. „Aber in der Schulzeit fiel es mir sehr schwer. Erst im letzten Schuljahr bin ich endlich in der Schule mitgekommen und konnte meinen Weg gehen.“

Uwe Adamczyk. Foto: Alice Jagals

Inklusion ist für Uwe Adamczyk unabkömmlich. Seit zwei Jahren ist er Kampagnenbotschafter der Aktion „Behindern Verhindern – Zeit für barrierefreies Handeln“.

Uwe Adamczyk sitzt im Rollstuhl und ist Contergan-Betroffen. Er fordert Inklusion in allen Bereichen. „Wenn wir immer nur darüber nachdenken, was nicht geht, was soll dann werden?“, mahnt er. „In den skandinavischen Ländern z.B. stellt sich nicht die Frage. Da ist Inklusion und Teilhabe etwas ganz normales. „Da hängt Deutschland sehr hinterher. Immerhin wird mittlerweile an barrierefreie Zugänge gedacht, z.B..“ Selbst die Pflege zu Hause sei in anderen Ländern aufgrund staatlicher Förderung etwas Selbstverständliches.

Einen Tag wie den Behindertentag, sieht er als Informationskanal. Und selbst er, der viel in der Öffentlichkeit unterwegs ist, geht keinen geregelten Job nach. Der Mann mit Fachwissen aus eigener Erfahrung ist ehrenamtlich beim Sozialverband VdK tätig. Er habe keine Arbeit gefunden, sagt er.

Damit der Landkreis zumindest infrastrukturell der Barrierefreiheit näher kommt, gibt es sogenannte Behindertenbeauftragte. Angela Werner hat diese Tätigkeit seit zehn Jahren im Landkreis Zwickau inne. Ihre Aufgabe ist es vordergründig, bei Bauprojekten, die der Landkreis plant, Stellung zu nehmen. Sie muss also schauen, ob die Barrierefreiheit bei Gehwegen oder Gebäuden gegeben ist. „Zugegeben, oft sitze ich zwischen den Stühlen. Generell bedeutet das auch, dass das Projekt im Endeffekt teurer wird“, sagt Werner. aj

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