Empor Lauter auswärts

Das letzte Punktspiel der BSG Empor Lauter in ihrer ersten Oberligasaison 1952/53 fand im Auer Otto-Grotewohl-Stadion statt. Foto: Druckerei Schmidt/Archiv Burg

Im Oktober 1954 wurde die BSG Empor Lauter in einer Nacht- und Nebelaktion nach Rostock umgesiedelt. Von heute auf morgen wurde so aus dem damaligen Tabellenführer der DDR-Oberliga der SC Empor Rostock, Vorgänger des im Dezember 1965 gegründeten FC Hansa Rostock.

Ein Fußball-Oberligist, der keine oberligataugliche Sportanlage hat, das war von 1952 bis 1954 Tatsache in Lauter. Die Empor-Elf musste fast alle Heimspiele in Schwarzenberg austragen, einige Partien auch in Aue. Die heimische Anlage an der Lumbachhöhe genügte nicht den ­Anforderungen für die höchste DDR-Spielklasse.

In ihren insgesamt 34 „auswärtigen Heimspielen” von September 1952 bis Oktober 1954 erreichten die blau-gelben Empor-Fußballer eine Bilanz von achtzehn Siegen, elf Unentschieden und nur fünf Niederlagen. Eigentlich waren es sogar 35 Spiele. Weil die Begegnung gegen Motor Dessau am 7. Oktober 1953 wegen eines Formfehlers vom Schiedsrichter nicht gewertet wurde, Lauter gewann 3:0, musste es vier Tage vor Heiligabend 1953 wiederholt werden. Auch hier siegte Lauter, und zwar mit 4:2.

Das erste Oberliga-Punktspiel bestritt Lauter am 21. September 1952 in Annaberg-Buchholz in der dortigen Kampfbahn vor 10.000 Zuschauern gegen Rotation Dresden (Endstand 2:2 nach einem 0:2-Rückstand). In dieser Begegnung erzielte Walter Espig um 16.45 Uhr das erste Lauterer Oberligator. Lokalrivale Wismut Aue, der ein Jahr vor Lauter in die DDR-Oberliga aufgestiegen war, kam zweimal zum „Gastspiel” bei Empor Lauter.

Im Januar 1953 siegte Aue durch Tore von Armin Günther und Willy Tröger knapp mit 2:1. Die Fuwo (Ausgabe 3/1953) ging auf die winter­lichen Platzverhältnisse ein: „Wenn dieses Duell der alten Rivalen des Erzgebirges auf der Kampfbahn des Friedens in Schwarzenberg durchgeführt werden konnte, war das nur möglich dank des freiwilligen Arbeitseinsatzes der Mitglieder des Platzbesitzers Motor Schwarzenberg sowie der platzbauenden BSG Empor Lauter, die den Schnee so weit fortgeräumt hatten, dass sich die Spielfläche in einem für die Verhältnisse ausgezeichneten Zustand befand. Trotz des Schneebodens, der an die Spieler große physische Anforderungen stellte, wurde neunzig Minuten lang ein sehr flottes Tempo vorgelegt, das von der hervorragenden Kondition beider Mannschaften Zeugnis ablegte.”

Beim zweiten Duell Lauter gegen Aue im Oktober 1953 kamen dann so viele Zuschauer nach Schwarzenberg, dass gar nicht alle in das Stadion passten. 14.000 werden vielleicht innerhalb der Umzäunung gestanden haben, aber gut 3.000 saßen auf dem anliegenden Berghang, auf Autodächern und Bäumen. Die Fuwo gab 15.000 Zuschauer an und Lauter gewann das Derby durch Tore von Johannes Friedrich und Herbert Zwahr mit 2:0.

Wismut Aues Trainer Karl Dittes beschwerte sich danach in einem Schreiben an die „Neue Fußball-Woche” (Fuwo-Ausgabe 43/1953) über den schlechten Zustand des Platzes in der „Kampfbahn des Friedens” in Schwarzenberg, wo Empor Lauter seine Punktspiele austragen musste. Dabei stellt er fest, dass beim letzten Spiel seiner Elf gegen Lauter sieben Mann der ersten Mannschaft empfindliche Hautverletzungen erlitten, die durch Stürze auf dem Kiesplatz entstanden seien. Dittes meinte, dass dieser Platz einer Elf in der Fußball-Oberliga „in der Demokratischen Sportbewegung” unwürdig sei und man erwarten dürfe, dass das neue Stadions in Lauter so schnell wie möglich fertig werde.

Er machte zum Schluss einen Vorschlag: Empor Lauter solle bis zur Fertigstellung der neuen Anlage im Otto-Grotewohl-Stadion in Aue spielen. Doch das passierte nach zuvor bereits zwei in Aue absolvierten „Heimspielen” – gegen Babelsberg im Februar 1953 und Zwickau im Mai 1953 – nur noch einmal: im Februar 1954 gegen Turbine Erfurt. So fanden letztlich 30 Spiele im Stadion des Friedens in Schwarzenberg statt.

Ansetzungsplakat vom Oktober 1953 zum Derby Lauter gegen Aue. In Schwarzenberg fanden fast alle „Heimspiele” der BSG Empor Lauter in ihrer Oberligazeit statt. Rechts der Sportplatz Lumbachhöhe im Juni 2008. Der Kreisligist Lauterer SV Viktoria spielte hier im März 2020 zum letzten Mal gegen den FC Schönheide um Punkte. Aktuell spielen die Fußballer auf dem im Sommer 2020 fertiggestellten Kunstrasenplatz an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. Plakat: Druckerei Schmidt/Archiv Burg, Foto: Burg

Dabei beschloss beim Ortstermin am 3. Juni 1952 der Gemeinderat den Umbau des Ende der 1920er-Jahre errichteten Sportplatzes an der Lumbachhöhe. Der erste Spatenstich dafür erfolgte am 28. Juni. Ziel war, die Baumaßnahmen bis zum Beginn der Oberligapunktspiele am 21. September 1952 abzuschließen. In einem Schreiben vom 28. Juli 1952 wurde dem Rat des Kreises Aue mitgeteilt, dass kein Erweiterungsbau, sondern ein Fußballstadion mit Leichtathletikanlage, das internationalen Ansprüchen genügen würde, entstehen solle. Bis in den Oktober 1952 gab es aber nicht viel mehr als eine große Halde. Der Termin für den Antrag auf Investitionsmittel für 1953 wurde versäumt. Dann wurden 35.000 Mark bewilligt, um den Platz bespielbar zu machen. Doch auch dies verlief schlichtweg im Sande.

Nachdem am 8. Oktober 1954 der Platzbau schon einmal eingestellt wurde, weil die Schwierigkeiten nicht mehr zu bewältigen waren, kam es mit einem Übergabeprotokoll vom 21. Juni 1955 endlich zur Fertigstellung. Doch bereits am 12. Juli 1955 lehnte die Bau-Union eine Gewährleistung ab, da an dem neuen Platz „nichts gemacht wird und das Unkraut den Rasen verdämmt”. Nach zähem Ringen wurde 1956 ein „normaler” Fußballplatz eingeweiht, so wie er in fast jedem Ort im Umkreis vorhanden war. Er erhielt den Namen „Sportplatz an der Lumbachhöhe”. Aus einem Stadion mit internationalem Anspruch, das am 21. September 1952 die Oberliga beherbergen sollte, war einer geworden, auf dem die Kreisklasse spielte. Eine Lauterer Oberligamannschaft hat das Gelände nie gesehen. Burg

 

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