Aue statt Champions League

 

Aljaksei Shpileuski, der neue Cheftrainer des FC Erzgebirge Aue. Foto: Olaf Seifert

Er verlangt Siegermentalität!

 

Stell dir vor, du bist 33 Jahre jung, Fußballtrainer, gewinnst mit deiner Mannschaft die Landesmeisterschaft, darfst Champions League spielen – und sagst „njet”. Wer macht so was? Aljaksei Shpileuski, der neue Cheftrainer des FC Erzgebirge Aue!

Am 15. Juni stellte ihn Veilchen-Präsident Helge Leonhardt bei der ersten Live-, äh: „Präsenzpressekonferenz” im Erzgebirgsstadion seit Monaten vor. „Ich hätte mich gern mit ihm im kasachischen Almaty, in Sotschi oder wo auch immer getroffen, leider ging es nur per Videokonferenzen”, bedauert „Leo”, der gleichwohl von seinem neuen Chefcoach total überzeugt ist.

Sein Name liest sich ungewohnt, Belarusisch in englisch-globaler Transkription eben. Tipp: an den Russischunterricht erinnern – Aleksei Schpilewski geht viel munterer von den Lippen.
Geboren 1988 in der belarusischen Hauptstadt Minsk, prägten den jungen Sportler vor allem sein Opa – Landesmeister im Fechten – und Vater Nikolai, ein auf der europäischen Bühne erfolgreicher Fußballberater.

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Als Sechsjähriger kam Aljaksei mit seinen Eltern nach Deutschland, beim VfB Stuttgart lernte er das Kicker-ABC, wurde in die U-17-Juniorenauswahl von Belarus berufen, musste seine Karriere aber wegen einer schweren Verletzung an den Nagel hängen. Umso entschlossener peilte er nach Abitur und Studium seine Zukunft als Trainer an.
Erste Bewährungsproben bestand Shpileuski als Nachwuchscoach beim VfB und RB Leipzig. Nach der ersten Cheftrainer-Kurzstation beim Belarus-Erstligisten Dinamo Brest ging es nach Kasachstan, wo ihm mit FK Astana aus der Hauptstadt Nur Sultan der Vizemeistertitel gelang. Im Jahr darauf, 2021, erkämpfte der junge Fußballlehrer mit Quairat Almaty dann Platz eins in dem Riesenland.
„Ich habe schon bei meiner Unterschrift in Almaty dem Präsidenten gesagt, wenn ein Verein aus der ersten oder zweiten Bundesliga Interesse hat, muss ich den Schritt machen. Der Präsident hat sein Wort gehalten und dafür bin ich ihm und dem Verein sehr dankbar”, begründet der ambitionierte Sportsmann sein „Da” zum sächsischen Kumpelverein.
Er habe in seiner RB-Zeit häufig gegen Auer Jugendmannschaften gespielt: „Die haben die DNA, waren immer sehr unangenehm, standen für Mentalität, für Emotionen.” Seine künftige Mannschaft habe er zuletzt sehr intensiv analysiert, allerdings nur in Videos. Jetzt brenne er darauf, die Spieler selber kennenzulernen.
Für ihn stehe das Kollektiv obenan: „Die Jungs wollen, aber sie brauchen eine klare Struktur. Ich verlange Siegermentalität.” Prognosen wolle er noch nicht abgeben, die Ziele für die neue Saison umriss dafür Helge Leonhardt: „Die 2. Liga stabil behaupten! Es darf kein Blatt zwischen sportliche Führung und Spieler passen, sonst schaffen wir das nicht. Und ich bin überzeugt, dass wir jetzt auch wieder Zuschauer ins Stadion kriegen.”
Aljaksei plant seine Zukunft in Aue, hat Vertrag bis 2024 und will in Kürze auch seine Frau und das knapp zweijährige Töchterchen bei sich in der neuen Heimat haben.

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