Auf Teufel komm raus – Ausstellung “Wir sind Faust” in Chemnitzer Fabrikantenvilla

Dr. Dieter Strauss präsentiert die Ausstellung in der Villa Esche. Foto: Siegfried Arlt

Chemnitz. „Wir alle unterliegen der Gefahr, verführt zu werden“ – nach dem Motto „Sind wir nicht alle ein bisschen wie Faust?“ blickt der Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Chemnitz Siegfried Arlt (81) auf die Bilder und Illustrationen der Ausstellung „Faust“, die erst im Mai im Maierhof des Klosters Benediktbeuern zu bestaunen war und nun auch in der Villa Esche in Chemnitz zu einer Reise durch Goethes Faust I und II, Thomas Manns Dr. Faustus und Klaus Manns Mephisto einlädt. Grundlage des Projektes ist das in 2018 erschienene Buch „Faust ist einer von uns“ – geschrieben vom promovierten deutschen Germanisten Dr. Dieter Strauss. “Die Ausstellung ist das jüngste Beispiel der engen Zusammenarbeit zwischen der Goethe-Gesellschaft Chemnitz e.V. und der Villa Esche”, so Arlt.

Zur Vernissage am vergangenen Donnerstag, den 6. Juni sprach Strauss zum Thema “Wir sind Faust – Teufelspakt und Erlösung” und er eröffnete die von ihm kuratierte Ausstellung. Nahezu 70 Besucher folgten dem spannenden Vortrag, in dem er vor allem auch anhand aktueller Bezüge zur Gesellschaft gemäß der Thematik Goethe Faust Iund II, Thomas Manns “Dr. Faustus” und Klaus Mann “Mephisto” lebendig interpretierte.

Ob die Menschen aber am Ende auch, wie Faust, einen Pakt mit dem Teufel eingehen, dass sei laut Arlt bloß aus Sicht eines Dramatikers, wie es beispielsweise einst Goethe war, denkbar.  “Im Buch und in der Ausstellung von Strauss paktieren sie hingegen alle mit dem Satan: Der klassische Faust, der neue Faust von Thomas Mann und Klaus Manns Generalintendant.”

Im Rundgang durch die Ausstellung mit WochenENDspiegel-Redakteurin Judith Hauße beschreibt der begeisterte Theaterwissenschaftler Siegfried Arlt den Weg Faust vom Teufelspakt bis zur Erlösung. Dieser ist in einem im Jugendstil gestalteten Raum der Villa Esche auf insgesamt 15 Wandvitrinen mit alten und neuen Illustrationen sowie Blättern von Max Beckmann sowie Bildern berühmt gewordenener Inszenierungen, wie die von Peter Stein und Szenebilder aus Istvan Szabos großem Leinwandspektakel dargestellt.

Noch bis zum 25. Juni 2019 ist die Ausstellung in der Villa Esche zu den Öffnungszeiten des Henriy van de Velde Museums (Mi., Fr. bis So. jeweils von 10 – 18 Uhr) geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Höhepunkt des Projektes ist der Besuch des gefeierten Buchautors Frido Mann. In seinem Vortrag unter dem Titel “Das weiße Haus des Exils” –  erinnert der Lieblingsenkel von Thomas Mann an das politische Engagement der Manns im Exil und sieht sich der Frage konfrontiert, welche Wirkung der offene Dialog heute – in Trumps Amerika – noch entfalten kann.

Gewinnspiele
Facebook
Facebook By Weblizar Powered By Weblizar