Aufstand der Wichtel: Eltern kämpfen nach abgesagter Sanierung um Kita in Reichenhain

Wollen sich mit der Entscheidung nicht einfach abfinden: Die Eltern und Kinder in Reichenhain.Fotos: Cindy Haase

Chemnitz/OT Reichenhain. Große Enttäuschung herrscht derzeit im Chemnitzer Ortsteil Reichenhain. Trotz des am Wochenende anstehenden zweitägigen Heimatfestes überwiegen bei vielen negative Gedanken. Der Grund: Die geplante Sanierung der Kita „Reichenhainer Wichtelberg“ wurde von der Stadt kurzfristig abgeblasen. Das erfuhren die überraschten Eltern am 7. Juni durch Baubürgermeister Michael Stötzer.

„Wir waren in dem festen Glauben, dass nächstes Jahr alles gut wird“, ist Almut Bothe, Vorsitzende des Heimatvereines maßlos enttäuscht. 2019 wollte nicht nur ihr Enkel sondern viele weitere Kinder wieder in ihre Einrichtung einziehen. Die Kita sollte von 38 auf 56 Plätze erweitert werden. Im Moment sind die Kleinen in Bernsdorf in einer Ausweicheinrichtung untergebracht. Grund für die nun abgesagte Sanierung sind die Kosten.

Almut Bothe (l. mit Enkelkind) und Susann Kreusel kämpfen für die Kita.

„Es wurde mit einer Summe von 1,745 Millionen Euro gerechnet. Inzwischen wird von 2,75 Millionen Euro ausgegangen“, heißt es auf WochenENDspiegel-Nachfrage von der Stadt. Neben allgemein gestiegenen Kosten in der Branche habe sich ein erhöhter Leistungsumfang im Zuge der Planungen ergeben. „Ich habe das Gefühl, man will gar nicht“, kritisiert ein Papa beim Vorort-Termin. Immerhin seien ja ursprünglich fast 1,75 Millionen Euro geplant gewesen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für dieses Geld keine Lösung gibt“, ergänzt er. „Uns wurde gesagt, dass sich eine Kita mit 100 Plätzen für die Stadt mehr rechnet als so ein kleiner Kindergarten“, erinnert sich eine Mutter.

Ab Anfang 2020 hat die Stadt dem Träger Arbeiterwohlfahrt Chemnitz und Umgebung e.V. und den Eltern das (neue) Objekt Fürstenstraße 263 bis 265 angeboten. Bis dahin steht noch die Interimskita in Bernsdorf zur Verfügung. Für die Eltern aus Reichenhain keine Option. Sie kritisieren die zu weiten Wege gerade für Leute ohne Auto. „Wir wohnen nur fünf Minuten entfernt. Für uns ist das ein absolutes No-Go“, ist auch Mama Claudia Franke außer sich.

„Die Kita gehört zu Reichenhain einfach dazu“, sagt sie und spricht damit allen Eltern aus dem Herzen.  „Ziel unseres Heimatvereines ist es ja auch gerade, das Zusammenleben der Generationen zu stärken“, so Almut Bothe. Dazu gehöre neben der Schule eben auch ein Kindergarten. Ein Ort wie Reichenhain dauerhaft ohne Kindergarten ist für sie undenkbar.

„Die Baumaßnahme soll wieder aktiviert werden, wenn sich die Baupreise wieder normalisiert haben“, heißt es von Seiten der Stadt. Diese schwammige Aussage reicht den Eltern nicht. Man habe Stötzer beim Termin vor zwei Wochen auch Lösungsvorschläge unterbreitet, so die Elternratsvorsitzende, Susann Kreusel. Im August soll es dazu noch mal einen Termin geben. „Wir hoffen immer noch auf ein Entgegenkommen der Stadt“, zeigt sie sich gesprächsbereit und optimistisch.

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