Bäckergeselle mit klaren Vorstellungen von der Zukunft

Armin-, Ulrich – und Gary Lenk sind zusammen 145 Jahre alt. Der Junggeselle wird den Familienbetrieb einmal übernehmen. Nächstes Ziel auf dem Weg dorthin ist die Meisterausbildung. Foto: H.-J. Schwochow

Wenn Bäckergeselle Gary Lenk um drei Uhr – sozusagen noch vor dem Aufstehen – seine Nachtruhe beendet, dann drehen sich die meisten Erzgebirger nochmals auf die andere Seite und träumen dem neuen Tag entgegen. Der Neunzehnjährige hat sich an diesen ungewöhnlichen Schlafrhythmus gewöhnt und steht Tag für Tag gemeinsam mit seinem Vater Ulrich in der Backstube.

Der 16. September war für ihn ein besonderer Tag. Bei der Gesellenfreisprechung in Schneeberg wurde ihm bescheinigt, dass er mit guten Ergebnissen seine Lehrzeit beendet hat und nun in seinem Handwerk kein „grüner Junge“ mehr ist. Warum er Bäcker und nicht Computerfachmann wurde? Garys Antwort: „Ein Hauptgrund war, dass ich einmal den Familienbetrieb weiterführen möchte. Seit 1887 gibt es in Beierfeld die Bäckerei Lenk. Über Emil und Paul ging der Betrieb an meinen Opa Armin weiter. Er ist jetzt 81 Jahre alt und schaut nach wie vor ab und an bei uns vorbei, um nachzuschauen, ob alles seinen Gang geht. Mein Vater ist jetzt 45 Jahre alt. Seine Nachfolge werde ich einmal antreten.“ Das klingt sehr traditionsbewusst. Doch reicht das als Motivation für ein anstrengendes Tagwerk? Der junge Bäckergeselle findet sein Handwerk abwechslungsreich und alles andere als eintönig. Immerhin gehen je nach Bedarf und Nachfrage sieben Brötchen, fünf Brot- und etwa 15 Kuchensorten über die Ladentheke. „Die Groschensemmel ist und bleibt unsere Renner“, so der Junggeselle. Die zahlreiche Stammkundschaft hält ebenfalls an traditionellen Backwaren fest.

Bäckergeselle will Meister werden

Für die Zukunft hat der Hobby-Jogger klare Vorstellung en. Auf ein Kreuzfahrtschiff will er nicht und die Wanderschaft von drei Jahren und einem Tag ist auch kein Thema. Dafür will er im Januar 2019 mit der Meisterausbildung beginnen und sich dabei wichtige betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwerben. Sie sind ungemein wichtig, denn sein Handwerk steht vor immer neuen Herausforderungen; Stillstrand gibt es nicht. Den in Aussicht gestellten 1.000 Euro-Meisterbonus findet er ganz in Ordnung.

Aktuell sind in der Bäckerei Lenk fünf Mitarbeiter beschäftigt. Ihr Anspruch: Offen sein für Neues und das Kundenvertrauen täglich durch Qualität rechtfertigen. So steht Gary für eine bodenständige Handwerkergeneration, die sich dem Wettbewerb mit Großbäckereien und Filialketten stellen will. „Handwerk hat goldenen Boden“, davon ist der junge Erzgebirger überzeugt. Deshalb wird es die Bäckerei Lenk auch noch in fünfter Generation geben. hjs

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