Bauboom vs. Nachwuchs-Mangel

Azubis auf Baustellen könnten bald zu einer Rarität werden, warnt die IG BAU – wenn sich die Arbeitsbedingungen in der Branche nicht verbessern.
Symbolfoto: pixabay

Erzgebirge. Das neue Ausbildungsjahr steht unmittelbar bevor. Doch offensichtlich bleibt, jedenfalls in der Baubranche, fast die Hälfte aller Ausbildungsstellen im Erzgebirgskreis unbesetzt. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hin, beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur. „Von 110 ausgeschriebenen Plätzen im Landkreis waren noch 51 zu vergeben“, so die Gewerkschaft. Ein „Alarmsignal“, wie Andreas Herrmann von der IG BAU Südwestsachsen es bezeichnet.

Der Gewerkschafter: „Wenn es den Firmen nicht gelingt, Schulabgänger für die dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerät das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. Aber nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen.“

Zur Zeit laufen Tarif-Verhandlungen, in denen die IG BAU u.a. ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis fordert. „Außerdem soll die lange, meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden, um die Arbeit attraktiv zu halten – auch gegenüber anderen Branchen, in denen weit weniger gependelt wird“, so Herrmann. „Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten.“ All dies spiegele sich auch in der hohen Abbrecherquote wider. Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU) würde jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende bringen.

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