Bauern protestieren gegen Dumpingpreise

Bauern protestierten auch in Annaberg-Buchholz gegen Dumpingpreise. Foto: Sven Günther

Bauern protestierten auch in Annaberg-Buchholz gegen Dumpingpreise.
Foto: Sven Günther

Bauern protestieren: Von diesen Preisen kann kein Schwein leben!

Annaberg-Buchholz. Sie sind wütend, sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Sächsische Landwirte tuckerten mit ihren Traktoren am 23. März durch die Innenstädte von Dresden, Bautzen, Chemnitz, Leipzig und Annaberg-Buchholz, protestierten gegen die Preispolitik, die aus ihrer Sicht ruinös ist.
In einem offenen Brief an Ministerpräsident Stansilaw Tillich heißt es: „Seit mehr als 15 Monaten kämpfen insbesondere wir Milchbauern und Schweinehalter mit niedrigsten Preisen. Für ein Kilogramm Milch erhalten wir zwischen 25 bis 26 Cent. Die Kosten betragen aber 35 Cent je Kilogramm.

Auch beim Schweinefleisch liegen die Erzeugerpreise mit 1,25 bis 1,30 Euro weit unter den Produktionskosten von 1,65 Euro je Kilogramm.

Der Lebensmitteleinzelhandel hingegen erlöst bei Trinkmilch mindestens 59 Cent und beim Schweinefleisch 5,96 Euro je Kilogramm. Die bis heute angefallenen Verluste allein für uns sächsische Bauern belaufen sich mittlerweile auf über 200 Millionen Euro.“

Die Forderung der Landwirte: Vier Cent mehr für die Milch und 30 Cent mehr für Schweinefleisch je Kilogramm.

Bauern protestieren auch in Annaberg-Buchholz.

Bauern protestieren auch in Annaberg-Buchholz.
Foto: Sven Günther

Die Traktoren-Demo veranlasste die Politiker zu Statements!

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages, Frank Heidan, sagt: „Sachsens Landwirte leiden unter dem ruinösen Wettbewerb auf dem Lebensmittelmarkt! Der verschärft sich durch die geplante Fusion von EDEKA und Kaisers-Tengelmann. Die hatte Bundeswirtschaftsminister genehmigt und sich über das Bundeskartellamt und die Monopolkommission hinweggesetzt. Die Genehmigung der Fusion ist eine ordnungspolitische Untat. In einem ohnehin von nur fünf großen Unternehmen geprägten Lebensmittelmarkt den Wettbewerb weiter einzuschränken wird sich langfristig rächen.
Durch Auflagen wird zwar ein Strukturwandel in den beteiligten Unternehmen kurzfristig verhindert. Aber der Umbau wird nach Ablauf der Fristen umso heftiger stattfinden. Jeder Volkswirt im zweiten Semester weiß, dass mehr Wettbewerb zu effizienten Strukturen führt, die langfristig stabil und ohne staatliche Eingriffe am Markt bestehen können.“

Arbeitsplätze gehen verloren!

Der CDU-Wirtschaftspolitiker rechnet mit nachteiligen Auswirkungen auf vorgelagerte Wirtschaftsbereiche. Heidan: „Die sächsische Ernährungswirtschaft wird die Auswirkungen spüren. Sie zählt mit 5,8 Mrd. Euro Umsatz und über 19.000 Beschäftigten zu den TOP 5 der Branchen im verarbeitenden Gewerbe Sachsens.“ Der Druck durch den Lebensmitteleinzelhandel wird weiter steigen. Arbeitsplatzverluste in Ernährungs- und Landwirtschaft werden die Folge sein.
Der umweltpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Jörg Urban: „Seit der russische Markt komplett weggebrochen ist und das Überangebot an Agrarprodukten die Preise sinken lässt, stehen die sächsischen Bauern mit dem Rücken an der Wand. Teilweise müssen die Landwirte Umsatzeinbußen bis zu einem Drittel hinnehmen. Milchpreiskrisen gibt es regelmäßig immer wieder. Was die Lage aber aktuell so extrem zuspitzt, ist vor allem die unsinnige Embargo-Politik der EU, die von der Bundesregierung federführend mitgetragen wird. Der Wirtschaftskrieg mit Russland trifft die Falschen, nämlich das einfache russische Volk, deutsche Bauern und Arbeitsplätze in der Wirtschaft.

Russland-Sanktionen sind Schuld!

Außerdem ist eine einseitige Schuldzuweisung im Ukrainekonflikt gegenüber Russland falsch. Auch die neue Regierung in Kiew hat Anteil am Bürgerkrieg. Die Sanktionen haben bis heute keinerlei Verbesserung im Ukrainekonflikt bewirkt, sie richten nur Schaden an.“

 

Wolfram Günther, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
„Die Probleme der Bauern sind ernst. Die sächsische Landespolitik kann einen Beitrag dazu leisten, die Lage der Landwirte, insbesondere der Milchbauern zu verbessern. Allerdings sind die von der Staatsregierung bisher vorgestellten Instrumente dazu ungeeignet. Neue Kredite treiben die Bauern immer tiefer in die Krise. Steuerfreie Rücklagen kann nur bilden, wer Gewinne erwirtschaftet. Davon können insbesondere die Milchbauern nur träumen. Sie sind derzeit nicht einmal in der Lage, die Kosten zu decken, die ihnen bei der Herstellung entstehen.
Was wir brauchen, ist eine Neuausrichtung auf Qualitätsproduktion und Tiergerechtigkeit. Wir müssen weg von einem System, das austauschbare Massenprodukte erzeugt, die im Schlussverkauf nach Übersee verschifft werden.

Kampf ums billigste Schnitzel!

„Bisher hat die Staatsregierung eher das Gegenteil gemacht. Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) predigt immer wieder, die sächsische Landwirtschaft müsse sich für den globalen Wettbewerb fit machen. Statt auf Qualität wird auf Quantität gesetzt und Fördermillionen dazu ausgegeben, die Produktionsmengen immer weiter zu steigern. Den internationalen Konkurrenzkampf um das billigste Schnitzel können wir nicht gewinnen. Es muss auch Schluss damit sein, auf Teufel komm raus Milch zu produzieren. Kühe, mit einer Milchspitzenleistung von mehr als 10.000 Kilogramm pro Jahr brauchen teures Kraftfutter, dessen Mehrkosten durch den Verkauf der Milch nicht amortisiert werden.“

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