Bio-Lebensmittel: Top oder Flop?

Mit „Bio“ gekennzeichnete Lebensmittel sind bereits seit einigen Jahren ein fester Bestandteil des Sortiments vieler Supermärkte. Doch wofür steht „Bio“ überhaupt, warum sind Bioprodukte oftmals weitaus teurer als herkömmliche Lebensmittel und ist „Bio“ wirklich besser? Foto: pixabay.com

Bio-Lebensmittel: Top oder Flop?

Mit „Bio“ gekennzeichnete Lebensmittel sind bereits seit einigen Jahren ein fester Bestandteil des Sortiments vieler Supermärkte. Doch wofür steht „Bio“ überhaupt, warum sind Bioprodukte oftmals weitaus teurer als herkömmliche Lebensmittel und ist „Bio“ wirklich besser?

Die EU definiert seit 2007 in der EG-Öko-Verordnung, welche Regeln und Anforderungen Öko-Produkte, die als solche gekennzeichnet sind, einhalten müssen. In Deutschland werden die entsprechenden Produkte mit dem Bio-Siegel gekennzeichnet, um sie einfach von konventionellen Lebensmitteln zu unterscheiden. Aber wie schwer ist es für landwirtschaftliche Betriebe tatsächlich ein solches Siegel zu bekommen?

Olivenbäume auf Sizilien. Foto: pixabay.com

Artgerecht und ökologisch

Bioprodukte dürfen allem voran nicht gentechnisch verändert sein. Auch müssen sie ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut werden. Wie Olivo Dorato berichtet, wird beim Anbau von Olivenbäumen, welche beispielsweise zur Herstellung von Olivenöl verwendet werden, auf eine Wärmebehandlung der Pflanzen gesetzt, statt sie Pestiziden auszusetzen. Unter Umständen werden Schädlinge auch eingefangen. Bei besonders schwerem Befall können auch Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz kommen, solange diese einen natürlichen Ursprung haben. Dieselben ökologischen Vorgaben gelten bei Dünger und Unkrautvernichter.

Für tierische Bioprodukte sind ähnlich strenge Vorschriften einzuhalten. Tiere müssen artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten und nicht mit Antibiotika oder Wachstumshormonen behandelt werden. Zu den Kriterien für artgerechte Haltung gehören unter anderem ein ausreichendes Platzangebot, voneinander getrennte Bereiche für Fressen und Liegen, ein ausreichendes Futterangebot und eine den Tieren angepasste Beleuchtung. Auch beim Schlachten muss das Tier würdevoll behandelt werden. Bioprodukte werden zudem nicht ionisierend bestrahlt und enthalten weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel.

Bio-Siegel sind vertrauenswürdig

Doch halten Unternehmen tatsächlich ihre ökologischen Versprechen? Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württembergs (CVUAs) haben 2020 rund 580 Öko-Produkte untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass biozertifizierte Produkte tatsächlich den strengen Regelungen der EU und Deutschlands entsprechen. Seit 2002 wurden am Rahmen des sogenannten Ökomonitoring mehr als 17.000 Proben untersucht. Dadurch sollen Verbrauchertäuschungen erkannt werden, was zu einer größeren Transparenz der gesamten Lebensmittelbranche führt.

Aus dem Bericht des Ökomonitoring 2020 geht auch hervor, dass durch die Corona-Pandemie viele Menschen mehr Wert auf ihre eigene Gesundheit legten und deshalb verstärkt Bioprodukte kauften. Im Vergleich zum Vorjahr wurden etwa 22 % mehr ökologische Lebensmittel verkauft als im Vorjahr. Bio-Lebensmittel haben einen Anteil von etwa 6,4 % am gesamten Lebensmittelmarkt. In den nächsten Jahren soll dieser noch weiter steigen. Zum einen verbannen einige Supermärkte bereits sogenanntes „Billig-Fleisch“ aus ihren Sortimenten. Zum anderen soll in Zukunft eine immer größere Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. Baden-Württemberg will bis 2030 etwa 30-40 % der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaften. Durch das Ökomonitoring sollen zudem mehr Verbraucher Vertrauen zu Bio-Lebensmitteln aufbauen und diesen konventionellen Produkten bevorzugen.

Situation der Bio-Landwirtschaft in Deutschland ist bescheiden

Bis 2030 sollen EU-weit 25 % aller Agrarflächen für die Bio-Landwirtschaft genutzt werden. Deutschland ist von diesem Ziel momentan weit entfernt. Nur etwa 9,7 % der landwirtschaftlichen Fläche Deutschland wird ökologisch bewirtschaftet. Bis 2030 sollen es laut Bundesregierung 20 % werden, die EU-Bestimmungen würden also verfehlt werden. Zudem sind in Deutschland nur etwa 13 % aller landwirtschaftlichen Betriebe vollständig ökologisch. Voraussichtlich wird diese Zahl in den nächsten Jahren aber noch sehr ansteigen. Denn die Biobranche boomt. 2020 lag der Umsatz bei 15 Milliarden Euro. Viele Betriebe werden in Zukunft wahrscheinlich umrüsten, um den Ansprüchen von Kunden besser zu entsprechen.

Nachhaltigkeit im Fokus der gesamten Industrie

Viele Menschen schauen heutzutage stärker darauf, wo Produkte hergestellt wurden und unter welchen Arbeitsbedingungen die Angestellten dort arbeiten. Auch die Landwirtschaft ist davon stark betroffen. Massentierhaltungsbetriebe müssen stark umgestaltet werden, um neuen Bestimmungen zu entsprechen, da sich die Richtlinien für artgerechte Tierhaltung und ökologische Feldwirtschaft in den letzten Jahren stark geändert haben. Denn umweltbewusstes Handeln spielt eine immer größere Rolle für viele Menschen und Politik und Wirtschaft müssen entsprechend reagieren.

Der Trend hin zur nachhaltigeren Landwirtschaft wird in Zukunft nicht nachlassen, sondern wahrscheinlich sogar noch zunehmen. Und landwirtschaftliche Betriebe, die nicht früh genug umstellen oder darauf hoffen, dass genügend Leute weiterhin ihre konventionellen Produkte ohne Bio-Siegel kaufen riskieren, dass sie aus Supermärkten und Restaurants verschwinden.

Bio ist teuer

In nächster Zeit werden also hohe Kosten auf viele Betriebe zukommen. Denn nicht nur kostet die Umstellung auf artgerechte Haltung und nachhaltige Felder viel Geld, sondern bringt den Betrieben auch weniger Geld ein. Ein ökologisch bebautes Feld bring einem Landwirt 30 Prozent weniger Absatz als ein konventionelles Feld. Wenn in einem Stall jedes Huhn mehr Platz haben soll, muss entweder der Stall vergrößert werden, oder es werden weniger Hühner gehalten. Letztendlich werden durch höhere Preise für Bio-Lebensmittel diese Verluste der Landwirte ausgeglichen. Und der Bio-Trend hat auch einen großen Vorteil: Immer mehr Menschen sind dazu bereit mehr Geld für umweltfreundlichere Produkte auszugeben und öfter auf Fleisch zu verzichten. In Zukunft kann dadurch die Umwelt besser geschützt werden.

 

 

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