Bundesgesundheitsminister Spahn stellt sich bei SenVital kritischen Fragen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (M.) im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Alexander Dierks (r.) und SenVital-Einrichtungsleiter Jörg Petzold. Fotos: Cindy Haase

Chemnitz. Er wolle nichts versprechen, was er nicht halten könne, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei seinem Besuch heute in Chemnitz. Auf dem Deubners Weg schaute er sich gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Alexander Dierks die Pflegeeinrichtung SenVital an. Dessen Einrichtungsleiter Jörg Petzold fand: „Das war eine große Ehre für uns.“

Man habe Spahn die Besonderheiten des Hauses gezeigt und was man auch anderes mache. Als Beispiele nannte er die Goethe-Bibliothek und einen eigenenen Zahnarztstuhl. Doch Spahn war nicht nur gekommen, zum zu schauen, sondern vor allem um zu diskutieren. Rund 70 Interessenten von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen waren dabei und stellten nicht nur wohlwollende Fragen.

„Das Lohngefälle zwischen Ost und West darf nicht sein“, kritisierte eine Einrichtungsleiterin. Sie sei der Meinung, dass für gleiche Arbeit gleicher Lohn gelten müsse. Spahn sieht vor allem in dem grundsätzlichen Mangel an Pflegepersonal in Deutschland die Ursache des Übels. „Dadurch werden die Fachkräfte natürlich besonders wertvoll und können auch den Preis diktieren.“ Es stünde derzeit zwar Geld für 50.000 bis 80.000 Pflegestellen bereit – schlicht fehlt aber das Personal. Die Ausbildung müsse deshalb attraktiver werden und auch das Anlocken ausländischer Arbeitskräfte dürfe kein Tabu sein.

In vier bis sechs Woche wird auch ein neues Gutachten vorliegen, dass nachweisen soll, wie hoch die Fachkräftequote in Einrichtungen überhaupt sein müsse. „100 Prozent klingt zwar sehr gut, ist aber nicht zielführend“, findet Spahn. Sinnvoller sei es, mehr Pflegehilfskräfte einzubinden, um den Fachkräften den Rücken zu stärken. Das sieht auch SenVital-Einrichtungsleiter Jörg Petzold so.

„Wir brauchen nicht mehr Fachkräfte sondern mehr helfende Hände“, sagte er gegenüber WochenENDspiegel. Auch Spahn betonte, dass es meist mehr bringe, wenn statt zweier Fachkräfte, die gezwungen sind, sich mit einfachen Tätigkeiten zu beschäftigen, drei Hilfskräfte einzustellen und die Fachkräfte Zeit für das haben, was sie in drei Jahren Ausbildung gelernt haben. Die Kosten seien unterm Strich gleich, der Effekt aber größer.

Rund 70 Interessent aus anderen Pflegeeinrichtungen und dem Gesundheitswesen nahmen an der Diskussion teil.

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