CFC-Fans machen für ihren Verein mobil

Mit geballter Fan-Kraft wollen es die himmelblauen Anhänger aus der Krise schaffen. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Die Nachricht von der Finanzmisere des CFC mit millionenschwerem Defizit schlug bei den Fans ein wie eine Bombe. Doch nach kurzer Schockstarre zeigte sich die Chemnitzer Anhängerschaft vor allem pragmatisch und erfindungsreich. Nur auf die Entscheidung des Stadtrates, der am 16. Dezember darüber entscheiden soll, ob einem Rettungsplan zugestimmt wird, wollte man sich nicht verlassen. Ebensowenig auf die Vereinsführung, die heute ein Erklärung abgab: https://www.wochenendspiegel.de/cfc-aufsichtsrat-und-vorstand-existenz-steht-auf-dem-spiel/

Vor allem der Fanszene Chemnitz e.V., der am 3. März 2016 von 13 engagierten Clubfans gegründet wurde, macht von sich Reden. Mit einer kurzfristig einberaumten Spendenaktion gelang es, schon mehr als 30.000 Euro zu mobilisieren.  Außerdem hat die Fansszene das „projekt10000x“ ins Leben gerufen. Am Heimspiel am Samstag gegen Regensburg (14 Uhr) will man mindestens 10.000 Fans ins Stadion locken. Und bisher sieht es nicht schlecht aus: Wie der CFC am Dienstagabend meldete, waren zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 5000 Ticktes verkauft. Wir sprachen mit  dem zweiten Vorsitzenden des Fanszene Chemnitz e.V., Lutz Uhlmann.

Wie haben Sie die Nachricht von den finanziellen Schwierigkeiten des CFC aufgenommen?
Wir waren natürlich entsetzt. Sicherlich gab es immer mal wieder Gerüchte um finanzielle Schieflagen. Konkret war da aber nichts bekannt. Aber dass es am Ende so schlimm ist, damit hat niemand gerechnet. Nach dem ersten Schock haben wir uns aber gemeinsam mit der Fanbeauftragten des CFC und dem AWO-Fanprojekt zusammengesetzt und überlegt, wie wir von Fanseite aus zur Rettung beitragen können.

Wie sind Sie auf die Idee mit dem Spendenkonto gekommen?
Das haben wir im Vorstand des „Fanszene Chemnitz e.V.“ beschlossen. Es ist ein einfacher, aber wirksamer Weg zu zeigen, wie das Umfeld, wie die Fans hinter dem Verein stehen und helfen wollen.

Wie war die Resonanz in den ersten Tag und wie ist der aktuelle Spendenstand?
Überragend. Nach 24 Stunden waren wir schon bei rund 7.000 Euro. Aktuell (Stand Mittwoch, Anmerk.der Red) sind es 30.000 Euro. Damit haben wir niemals gerechnet. Teilweise haben Kinder ihr Taschengeld gespendet. Gegen Regensburg können wir rund 200 Kinder kostenlos ins Stadion einladen, weil viele Fans spontan ein zweites Ticket für diese Aktion gekauft haben. Unternehmer sind unter den Spendern genauso wie der normale Fan von der Stehplatztribüne. Selbst aus Fanszenen wie Darmstadt oder Jena kamen Spenden aufs Konto.

Was soll mit dem gesammelten Geld genau geschehen?
Wir wollen mit dem Geld in direkter Absprache mit dem Verein einen konkreten offenen Posten begleichen. Der soll uns benannt und dann auch nach außen kommuniziert werden. Jeder Cent soll nachvollziehbar sein, wir stecken das Geld nicht einfach in ein schwarzes Loch. Das wissen die Fans auch. Daher vertrauen sie uns auch und spenden auf das Konto des „Fanszene Chemnitz e.V.“

Wie sehen Sie unabhängig von den finanziellen Schwierigkeiten die Fanszene in Chemnitz?
Es ist eine sehr treue, sehr bunt gemischte Fanszene. Gerade in schwierigen Zeiten wie jetzt ist es immer wieder schön zu sehen, wie stark der Zusammenhalt tatsächlich ist. Das übersieht man im Alltag immer mal wieder. Wenn solche Zeiten etwas Gutes haben, dann diese Erkenntnis. Wir sind stolz darauf, ein Teil davon sein zu dürfen.

Warum schafft es der CFC in der laufenden Spielzeit nicht, mehr als im Schnitt rund 6.000 Zuschauer zum Besuch im Stadion zu begeistern?
Es sind aktuell rund 6.800 Zuschauer. Die Gründe sind vielfältig. Einerseits sind im neuen Stadion natürlich die Eintrittspreise angestiegen. Vor allem die Sitzplätze sind unserer Meinung nach doch recht happig mit mehr als 20 Euro. Außerdem gab es in der Vergangenheit viele Beschwerden über das mangelhafte Catering. Und sportlich lief es auch nicht immer rund. Wir würden uns natürlich auch wünschen, dass mehr Fans den Weg ins Stadion finden.

Was wünschen Sie sich für den Club und wie wird das Thema Ihrer Meinung nach ausgehen?
Wir hoffen natürlich, dass die Stadträte am 16. Dezember dem Rettungsplan zustimmen. Für den Verein wünschen wir uns, dass endlich auch in den internen Strukturen endlich Profis am Ball sind. Und nicht nur auf dem Rasen. So eine bedrohliche Situation darf es nie wieder geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

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