Chemnitzer City im Winterschlaf: Ideen sind gefragt

Idyllisch wirkt die Innenstadt zur sogenannten Blauen Stunde. Leben tobt hier aber nicht. Aber vielleicht hellt sich das städtische Leben im Winter in den nächsten Jahren auf. Erste Ideen gibt es bereits.Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Pünktlich zum Jahresbeginn scheint die Chemnitzer Innenstadt in eine Art Winterschlaf zu verfallen. Die Buden des Weihnachtsmarktes sind längst weg und mit ihnen auch die Menschenmengen. „Ich habe das Gefühl, die Leute trauern dem Weihnachtsmarkt hinterher“, sagt Jörg Knöfel, Center-Manager der Galerie Roter Turm. Ihm schwebt deshalb eine abgespeckte Verlängerung des Weihnachtsmarktes bis in den Januar hinein vor – unter anderem Namen natürlich. Mit diesem Gedanken ist er nicht allein.

Auch André Donath, Chef des Turmbrauhauses begrüßt die Idee und würde sie auch unterstützen: „Gerade um die flaue Jahresanfangszeit etwas aufzuwerten.“ Die beteiligten Akteure wissen allerdings auch um die Schwierigkeit solch eines Unterfangens. Sven Hertwig, Inhaber von exklusiv events „Es ist völlig normal, dass die Frequenz im Januar niedriger ist. Nach einem solch stark frequentierten Monat wie Dezember, welcher voll im Zeichen des Weihnachtsmarktes und des Weihnachtsshopping steht, kann kaum ein besserer Monat kommen.“

Auch bei der Stadtverwaltung ist das Thema kein neues. „Es gab diese Ideen bereits 2014 und 2017. Im Jahr 2014 erfolgte dazu eine Ausschreibung „Öffentlicher Ideenwettbewerb“ im Amtsblatt. Es gab keine Bewerber. Ein angesprochener Gewerbetreibender lehnte das Vorhaben ab“, sagt Bürgermeister Miko Runkel auf WochenENDspiegel-Nachfrage. Ausschließen will man einen derartigen Markt nicht. „Es wäre ein Betreiber mit entsprechendem Personal erforderlich und eine Anteilsfinanzierung. Zur Höhe gibt es hier keine Berechnungen. Aufgrund geführter Gespräche mit Veranstaltern ist von einer sechsstelligen Summe auszugehen, wenn es niveauvolle Angebote geben soll“, verdeutlicht Runkel.

Einer, der einem verlängerten Weihnachtsmarkt eher skeptisch gegenüber steht, ist Siegfried Ade. „Ich bin kein Freund der Idee“, sagt der Chef der Catering AS GmbH, die auch das Weindorf Chemnitz organisiert und beim Weihnachtsmarkt ebenfalls präsent ist. Die erste Januarwoche sei in der Branche ein heißes Eisen, in der keine nennenswerten Umsätze erzielt würden. Eine Art Winterdorf ab Mitte Januar könne er sich vorstellen. „Aber selbst hier ist das Finanzierungsrisiko sehr groß.“ Er sieht zunächst erst einmal die Verwaltung in der Pflicht: „Wenn die Stadt eine bessere touristische Vermarktung hätte, wäre das ein anderes Thema“, ist er sicher. Aber schon zum Weihnachtsmarkt kämen fast ausschließlich „Einheimische“ und die ganzen Busse würden ins Erzgebirge weiter fahren, weil der Chemnitzer Weihnachtsmarkt viel zu wenig beworben werde, kritisiert er.

Sven Hertwig, André Donath, Jörg Knöfel und ihre Mitstreiter wollen sich aber nicht damit abfinden, dass Chemnitz alljährlich in eine Art Winterschlaf verfällt: „Es gibt verschiedene Ideen in der Schublade, welche wir schon angefangen haben mit den Beteiligten zu besprechen. Um damit an die Öffentlichkeit zu gehen, benötigen wir noch etwas Zeit“, macht Hertwig neugierig.ch

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