Chemnitzer Dialogfelder Runde 2

Das Berliner Künstlerduo Niklas Roy und Kati Hyyppä mit ihrem „Vektorkollektor“. Fotos (2): Judith Hauße

Dass Chemnitz bei Künstlern national wie international kein unbekanntes Fleckchen Erde ist, beweisen einmal wieder mehr die diesjährigen „Dialogfelder“. Beim 2017 durch den Klub Solitaer ins Leben gerufenen jährlichen Residenzprogramm kommen in drei Durchgängen jedes Jahr zwei Künstler nach Chemnitz, um sechs Wochen zu arbeiten. Dieses Jahr steht das Thema „Drag and Drop“ im Fokus.

Mit Philipp Röding und Daniela Weiss als sind die Dialogfelder in diesem Jahr gestartet. Seit dem 10. Juli arbeiten aktuell die nächsten Residenzkünstler – die Gruppe „BridA“ aus der slowenischen Partnerstadt Nova Gorica sowie das Berliner Künstlerduo Kati Hyyppä und Niklas Roy an ihren virtuellen Interaktionen. Bereits am Samstag (7. August) präsentieren sie ihre Werke am Zietenpark sowie am Lokomov.

WochenENDspiegel überzeugte sich einmal selbst über die Projekte der Künstlergruppen und schwang dabei selbst den Pinsel – oder besser gesagt den Joystick am Vektorkollektor.

Worum drehen sich die Gedanken der Chemnitzer? Das Berliner Künstlerduo Kati Hyyppä und Niklas Roy wollen genau diese anhand von Vektoren künstlerisch einfangen. Hierfür zogen die beiden Residenzkünstler in den vergangenen Tagen durch die Chemnitzer Stadt, mit Halt an öffentlichen Plätzen, wie am Stadthallenpark oder Bauspielplatz. „Überall da, wo die verschiedensten Menschen aufeinandertreffen“, sagt Kati Hyyppä.

Mit dabei den „Vektorkolletor“, ihre in Form eines selbstgebauten Handwagens benannte Installation. „Unsere Arbeiten zeichnen sich oft darin aus, dass wir oft auch früheren Technikgeräten wieder neues Leben geben“, erklärt Niklas Roy. „Der Mechanismus der Maschine stammt aus einem alten Plotter aus den 80er Jahren, der modifiziert und mit Musik sowie Lichteffekten versehen wurde.“ Die beiden Künstler sind bekannt für das Zusammenbringen von Kunst, Technik und Wissenschaft.

In Chemnitz wollten sie ursprünglich eine andere Idee verfolgen. Der Vektorkollektor sei dann aber während ihres Aufenthaltes in der Stadt entstanden. In Chemnitz entwickelt, sollte das Gerät schließlich auch von den Chemnitzern selbst ausprobiert werden. Per Joystick wurden bereits über 130 Kreativ-Vektoren von Passanten gezeichnet, die an dem auffallend bunten Handwagen mit Sound, der an alte Spielkonsolen erinnert, nicht vorbeigehen konnten. „Die Optik und die Musik haben die Menschen neugierig gemacht, vor allem das spielerische Malen mit dem Joystick hat allen am meisten Spaß gemacht“, freut sich Kati Hyyppä über die tolle Resonanz der Chemnitzer. Dabei sind alle eingeladen, durch das spielerische Interface Bilder zu zeichnen und ihre Kreationen mit nach Hause zu nehmen.

Gleichzeitig werden die Koordinaten aller Linien auch in Form eines analog/digitalen Datensatzes archiviert. Die gesammelten Kreativ-Vektoren werden zum Abschluss der sechswöchigen Residenz in der Galerie Druckstock/Glaskasten sowie online unter www.vektorkollektor.com präsentiert. In Zusammenarbeit mit dem Tortuga e.V. soll außerdem ein aus den Vektoren gestaltetes, großformatiges Wandbild entstehen. Zu viel wollen die Künstler noch nicht über ihre weiteren Pläne mit den gesammelten Werken verraten. „Am Ende können die Chemnitzer aber sagen, dass sie auch Teil des neues Wandbildes sind, das macht das Ganze zu einer spannenden Interaktion“, sagt Niklas Roy. Einen ersten Vorgeschmack gibt es am Samstag (7. August) um 19 Uhr am Zietenpark, Ecke Zietenstraße/Jakobstraße zur Eröffnung. Danach dann vom 8. bis 14. August als Fensterausstellung im Glaskasten an der Jakobstr. 42.

Das Kollektiv „BridA“ (Tom Kerševan, Sendi Mango, Jurj Pavlica) gemeinsam mit den beiden Künstlern aus Berlin Kati Hyyppä (2.v.r.) und Niklas Roy (2.v.l.).

Ebenso am Samstag zu sehen sind die in den letzten Wochen entstandenen Werke des Künstlerkollektivs „BridA“ (Tom Kerševan, Sendi Mango, Jurj Pavlica) aus der slowenischen Partnerstadt Nova Gorica. Vorstellen wollen sie ihre zwei Projekte um 21 Uhr am Lokomov in der Augustusburger Straße 102. Auch sie waren in den letzten sechs Wochen in der Stadt unterwegs, untersuchten Bewegungsdynamiken und topografische Strukturen der Passanten mit Perspektive vom Hotel Dorint aus auf das Zentrum samt Karl-Marx-Monument und den Abschnitt Brückenstraße. „Ein historischer Ort, der heute immer noch eine zentrale Rolle in der Stadt spielt“, ist die Künstlerin Sendi Mango überzeugt. An dynamischen Orten wie diesen wollen sie schließlich die nicht-linearen Funktionen verbildlichen. „Diese veranschaulichen wiederum die chaotischen Bewegungen sich selbstorganisierender Strukturen. Die Stadt wird damit selbst zum Protagonisten.“

Trackeds untersucht Bewegungsdynamiken in der Chemnitzer City. Screenshot: BridA

Ihr zweites Projekt läuft unter der Überschrift „Do it yourself“ und lässt auch hier die Chemnitzer Teil der Kunst werden. Ihre Werke werden nach der Eröffnung am Samstag ab den 8. bis 14. August als Fensterausstellung am KOMPLEX in der Zietenstr. 32 zu sehen sein.

Hintergrund

Unter dem Titel „Drag & Drop“ stellen die Dialogfelder die Frage in den (Stadt)raum, welche Art von Digitalität den urbanen Raum bereichert und welche es zu hinterfragen gilt. “Drag and Drop” ist die intuitivste Form der virtuellen Interaktion. Es verändert, verschiebt, arrangiert, bearbeitet, kopiert und öffnet damit neue Welten und Möglichkeiten.

 

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