Chemnitzer Frank Müller-Rosentritt für den sächsischen Mittelstand in Taiwan unterwegs

Der FDP-Politiker mit Taiwans Außenminister Dr. Joseph Wu. Foto: Frank Müller-Rosentritt

Chemnitz. Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete und FDP-Außenpolitiker Frank Müller-Rosentritt, ist von seiner einwöchigen Delegationsreise aus Taiwan zurückgekehrt. Was er erlebt und was er von seiner Auslandreise an Einrücken gewonnen und mitgebracht hat, erzählte er uns im Interview:

Herr Müller-Rosentritt, als Außenpolitiker hat es Sie vom 9. bis 16. Juni 2019 diesmal nach Taiwan geführt. Wie kam es dazu?

Frank Müller-Rosentritt: Wie Sie wissen und berichteten [Anmerkung der Redaktion: https://www.wochenendspiegel.de/im-land-der-leberwurst-freiheit-taiwanischer-botschafter-mit-delegation-zu-besuch-in-chemnitz/], hatte mich der Repräsentant von Taiwan, Prof. Dr. Jhy-Wey Shieh im September vergangenen Jahres auf meine Einladung hin mit einer hochrangigen Delegation aus Vertretern der Wirtschaft, Bildung und Forschung in Chemnitz besucht. Erstmalig veranstalteten wir damals u.a. den Taiwanisch-Sächsischen Mittelstandsdialog gemeinsam mit der IHK und dem BVMW Chemnitz. Nach dem gelungenen 3-tägigen Aufenthalt im vergangenen Jahr hatte nun der Taiwanische Gesandte seinerseits mich und eine Delegation in die taiwanische Hauptstadt Taipeh eingeladen.

Ich erinnere mich, dass Sie damals sagten, dass damit die Weichen für einen tiefergehenden Dialog gestellt werden sollen…

Das stimmt, denn während im westlichen Teil der Bundesrepublik schon seit Jahrzehnten gute wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Taiwan gepflegt werden, stecken diese in Ostdeutschland noch in den Kinderschuhen. Bis 1989 verstehe ich das ja noch. Aber, dass sich danach offensichtlich kaum darum bemüht wurde, ist mir unverständlich. Auch gegenwärtig scheint es bei anderen Parteien Mode zu sein, sich mit Autokraten zu verbrüdern. Dabei ist Taiwan mit seiner weltoffenen und liberalen Demokratie eines der modernsten Länder der Welt. Mit seiner exportorientierten High-Tech-Industrie ist es Deutschlands Handelspartner Nummer fünf auf dem asiatischen Markt, was den Umsatz betrifft. Taiwan verfolgt ebenso wie viele westlichen Industrienationen eine Umwelt- und Energiepolitik, die auf innovative Märkte und nachhaltige Produkte setzt. Hier und auch in den Bereichen Gesundheit, Wissenschaft und Forschung liegen interessante Ansatzpunkte der Zusammenarbeit mit der deutschen bzw. heimischen Wirtschaft, die es zu unterstützen gilt.

Was haben Sie bei Ihrem Aufenthalt in Taiwan noch erlebt und welchen Mehrwert aus Ihrem Besuch sehen Sie konkret für Sachsen und Chemnitz?

Auf dem Programm standen u.a. der Besuch der Außenhandelskammer, verschiedener Ministerien, Universitäten, von Start Up Centern, Smart-City-Projekte. Insbesondere das Treffen der unwahrscheinlich rührigen Digitalministerin, Audrey Tang fand ich spannend. Als Musiker hat mich natürlich auch der Besuch des Sinfonieorchesters beeindruckt. In den vielen Gesprächen erlebte ich ein Land, welches großes Interesse an noch engeren Beziehungen zu Deutschland hat. Insbesondere unsere Ingenieurskunst ist beim Ausbau der dortigen Infrastruktur sehr gefragt und bietet enorme Möglichkeiten für unsere mittelständischen Unternehmen. Selbstverständlich habe ich bei all meinen Besuchen Werbung für den Maschinenbau- und Forschungsstandort Chemnitz gemacht und Delegationen wiederum nach Sachsen eingeladen. In der vergangenen Woche besuchte ich unmittelbar nach meiner Reise mehrere Unternehmen u.a. das Q-Hub und die Baselabs GmbH, aber auch die TU Chemnitz, um die Kontakte und Anregungen direkt weiterzugeben und so zur Vernetzung beizutragen.

Abschließend betrachtet: Welches war Ihr stärkster Eindruck, den Sie von dieser Reise mitgebracht haben?

Tatsächlich hat jede meiner Auslandsdienstreisen entweder im Vorfeld oder in der Nachbetrachtung irgendwo ein zentrales Thema. In diesem Fall, bei Taiwan, ist es ganz klar das Thema Freiheit. Das elektrisiert mich als Liberalen natürlich ganz besonders. Taiwan hält unter schwersten Bedingungen die gesellschaftliche und persönliche und auch die wirtschaftliche Freiheit hoch. Die Menschen dort wissen das und sehen, dass sie ihre Freiheit jeden Tag ein Stück weit neu verteidigen. Klar ist: Wir wollen selbstverständlich gute und fruchtbare Beziehungen zu China, bei allem, was auch immer wieder für Diskussionen sorgt – das ist unumstößlich. Taiwan ist aber in dieser Region als gefestigte Demokratie ein Leuchtturm der Freiheit. Deswegen stehen wir an der Seite Taiwans und sollten die sehr gute Entwicklung dort auf allen Ebenen nach Kräften unterstützen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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