Corona-Krise schweißt Europa zusammen

Eva Gräfer und Simone Becht sind Mitarbeiterinnen im Kulturhauptstadtbüro in Chemnitz. Foto: J. Hauße

Zuhause – kein anderer Ort wurde in den letzten Wochen und Monaten so Wert geschätzt oder verflucht. Doch auch außerhalb der vier Wände zeichneten sich ungewohnte Bilder ab: Leere Straßen und Spielplätze, mit Mundschutz auf dem Wochenmarkt und Schlange stehen vor dem nächsten Baumarkt. Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag auf den Kopf gestellt. Abstand halten lautet die Divise. Dennoch führt die Krise Menschen zusammen. Menschen, die auf Abstand gehen, aber trotzdem auf eine besondere Art und Weise vereint sind. Das ist auch das Ziel von „Europe At Home“ – ein erst jüngst ins Leben gerufenes europäisches Kulturprojekt. Mit dabei: Städte, die mit dem Projekt Kulturhauptstadt Europas in Verbindung stehen, standen oder noch stehen wollen. So auch die Stadt Chemnitz. Sie alle wollen gemeinsam durch Fotos und Worte eine künstlerische Perspektive als Erinnerung zu diesem unerwarteten Moment bieten.

„Sofort waren wir dabei“, erinnert sich Eva Gräfer, Mitarbeiterin im Chemnitzer Kulturhauptstadtbüro. Gemeinsam mit ihrem Team betreut sie die Beteiligung am internationalen Kulturprojekt „Europe At Home“. Über diese freue sie sich besonders. Denn Bruno Ignacio, der Initiator und Leiter des Kulturamtes und der Bewerbung „Faro2027“ wählte Chemnitz aus allen fünf gebliebenen deutschen Kulturhauptstadt-Bewerbern in die erste Gruppe mit insgesamt 14 Städten, die den einmaligen Moment durch die Linse eines Fotografen und die Worte eines Literaturkünstlers festhalten dürfen. „Die Verbindung zu Bruno Ignacio aus Faro besteht seit einigen Jahren. Daher waren wir sehr glücklich, als wir die Einladung zum Projekt vor wenigen Wochen bekamen“, sagt Gräfer. Zudem könne die Stadt Chemnitz damit im Bewerbungsprozess um den Titel Kulturhauptstadt 2025 einen wichtigen Beitrag leisten, sagt sie außerdem. „Das Projekt schweißt noch einmal mehr zusammen und gewährt uns in dieser besonderen Zeit einen Blick in das Zuhause vieler Menschen, das unterschiedlicher nicht sein kann. Das ist das Spannende daran.“

Jede Stadt darf sich mit zehn Bildern und einem Text bewerben. Präsentiert wird alles auf der Internetseite www.europeathome.eu und kann dort von anderen Städten ergänzt werden. Ziel sei es, den aktuellen Alltag, gezeichnet durch sozialen Abstand, künstlerisch in Szene zu setzen. „Alle Länder sitzen derzeit im selben Boot“, wie Ignacio erklärt. „Das Projekt ist eine gute Gelegenheit, das darzustellen und trotz Entfernung ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln“, ergänzt Eva Gräfer.

Eingefangen wird der Moment in Chemnitz durch den Fotografen Philipp Gladsome, der in Chemnitz aufgewachsen ist, aber zwischen Berlin und seiner Heimatstadt pendelt sowie der im vogtländischen Reichenbach geborenen Autorin Johanna Eisner, die wiederum durch ihr Studium nach Chemnitz gezogen ist. „Zwei spannende Perspektiven, die sehr unterschiedlich sind. Das war uns wichtig“, so Eva Gräfer.

 

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