Corona: “Massagepraxen sind keine Physiotherapien”

Viele Patienten, die unter Krebs leiden, frisch Operierte, sowie die Klienten aus den Pflegeheimen sind auf eine dauerhafte Behandlung der Physiotherapeuten angewiesen. Symbolbild: pixabay

Die derzeitige Coronakrise verlangt inzwischen von jeden einzelnen von uns viel ab. Noch schwieriger wird es, wenn Fake News und Falschmeldungen im Internet die Runde machen. Die Folge: Immer mehr Menschen sind verunsichert, Fragen, wie “Wo darf ich außerhalb meiner vier Wände überhaupt noch hin?” oder “Welche Geschäfte und Einrichtungen sind uneingeschränkt geöffnet? werden in den letzten Tagen und Stunden immer häufiger. Seit Montag null Uhr gilt aufgrund der dynamischen Entwicklung der Corona-Epidemie ein Kontaktverbot, das mit Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung am Sonntag durch die Staatsregierung in Kraft gesetzt wurde. In einem Schreiben der Sächsischen Staatsregierung heißt es daher nun:

“Das Verlassen der eigenen Wohnung oder des Hauses ist nur noch mit triftigen Gründen möglich. Dazu zählen unter anderem der Arbeitsweg sowie der Weg zur Kindernotbetreuung. Wege zum Einkaufen bleiben weiterhin erlaubt, zudem Abhol- und Lieferdienste, auch im Rahmen von ehrenamtlicher Tätigkeit. Weiter dürfen Bürgerinnen und Bürger das Haus für Arztbesuche und medizinische Behandlungen verlassen. Sport und Bewegung an der frischen Luft ist nur allein oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts in Gruppen von nicht mehr als fünf Personen erlaubt. Auch zur unabdingbaren Versorgung von Haustieren darf die Wohnung verlassen werden.”

Vor allem aber in den Physiotherapien des Landes steht mit den neuen Regelungen das Telefon nicht still. “Termine werden abgesagt, Therapeuten stehen ohne Patienten da bzw. Patienten trauen sich aufgrund der aktuellen Situation nicht mehr in die Praxen”, erklärt Christian Thieme, Vorsitzender/stellv. Bezirksvorsitzender Chemnitz der Landesgruppe Sachsen des Verbands für Physikalische Therapie.

Grund für das Missverständnis liefere für ihn die Begrifflichkeit “Massagepraxen”, die in der Pressekonferenz der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend  in Umlauf gebracht wurde. “Massagepraxen sind keine Physiotherapien”, appelliert Thieme. “Physiotherapie zielt nicht auf Wellness oder ähnliches ab, bei Praxen von Physiotherapeuten und Masseuren, die auf ärztliche Anordnung arbeiten, handelt es sich um Einrichtungen des Gesundheitswesens, die unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen weiterhin geöffnet bleiben”, so Thieme weiter. Nicht zuletzt gebe es keine Rechtsgrundlage für die Schließung von Physiotherapien. “Wir gehören im Moment mehr denn je zur Kette der kritischen Infrastruktur dazu”, betont er.

Doch wie Thieme fühlen sich inzwischen fast alle Physiotherapien in Sachsen von der Bundesregierung im Stich gelassen. “Es fehlt vielerorts an entsprechender Schutzbekleidung sowie hygienischen Mitteln, wie Desinfektionsmittel und ähnliches. Seit Tagen sind wir darum bemüht, die benötigten Materialien über verschiedene Wege zu organisieren”, so Thieme, der sich allerdings in diesem Zusammenhang über eine ganz besondere Idee freut:

Gesucht werden Freiwillige, die beim Nähen von Mundschutzmasken für den VPT bzw. alle ortsansässigen Physiotherapien mit helfen wollen. “Zu verdanken haben wir diesen Aufruf einer Initiative von Ina Richter, einer Physiotherapeutin aus Flöha, die alle Menschen, die derzeit nicht arbeiten können, dazu aufgerufen hat, Masken in 2-lagiger Baumwollausführung (bei 60 bzw. 90 Grad waschbar) ehrenamtlich anzufertigen.”

Der VPT Sachsen ordert die Masken und versendet sie nach Anfertigung zentral an die jeweiligen Praxisinhaber. Allein über 200 Physiotherapien haben bereits vermeldet, dass es in ihren Praxen an Schutzbekleidung fehle. “Tendenz steigend”, wie Christian Thieme sagt.

 

 

 

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