Corona-Massnahmen: Herr Wanderwitz, warum nur, warum?

Das Corona-Virus lähmt Deutschland. Aber ist das wirklich notwendig? Die Antwort gibt Marco Wanderwitz, der Ostbeauftragte der Bundesregierung. Foto: pixabay.com

Trotz täglich 1000 Herztoter, werden Zigaretten nicht verboten! Warum?

Von Sven Günther
Region. Das öffentliche Leben in Deutschland wird immer mehr eingefroren. Geschäfte schließen, Restaurants schließen. Ist das wirklich notwendig?
Die Bundesregierung greift durch, wie noch nie. Der WochenENDspiegel fragte Marco Wanderwitz, den Ostbeauftragten der Bundesregierung, CDU-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatsekretär im Wirtschafsministerium aus Stollberg: „Herr Wanderwitz, warum nur, warum…“

WOCHENENDSPIEGEL
Jedes Jahr sterben zwischen 5000 und 20.000 Menschen an Grippe – es gibt nicht ansatzweise ähnliche Maßnahmen wie jetzt beim Corona-Virus. Warum?

MARCO WANDERWITZ:
Bei Influenza (Grippe) gibt es sowohl schützende Impfungen, als auch wirksame antivirale Medikamente. Noch nicht so bei Corona, da neu. Auch der Fakt, dass unser Immunsystem nicht auf den neuartigen Coronavirus vorbereitet ist, erhöht die Gefahr schwerer Krankheitsverläufe bis zum Tod. Corona verläuft häufiger lebensbedrohlicher als die Grippe. Etwa 15 Prozent, alle Zahlen sind vorläufig, der Coronavirus-Infektionen verlaufen so schwer, dass die Patienten zusätzlich mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Bei etwa 5 Prozent der Betroffenen ist gar künstliche Beatmung nötig. Hier sind die Kapazitäten aber auch im guten deutschen Gesundheitsystem nun einmal beschränkt. Auch die Todesrate liegt im Fall von Corona höher als bei der normalen Grippewelle.

WOCHENENSPIEGEL
Die vom Corona-Virus ausgelöste Infektion verläuft in 95 Prozent wie ein grippaler Infekt. Man bekommt aber das Gefühl vermittelt, ähnlich wie bei der Pest würde es halb Europa dahinraffen. Warum?

MARCO WANDERWITZ:
„Es ist nicht die Pest, es sind nicht die Pocken,“ sagte die Amtsärztin des Landkreises Mittelsachsen Annelie Jordan vor einigen Tagen.“ Richtig. Aber es ist hoch ansteckend. Und für Ältere und Vorgeschädigte hochgefährlich. Deshalb müssen wir verlangsamen, um unsere Krankenhauskapazitäten nicht zu überfordern. Und Zeit zu gewinnen für die Forschung. Wir wollen alles tun, so furchtbare! Zustände wie gerade in Bergamo zu vermeiden.

WOCHENENDSPIEGEL:
Weltweit starben 2018 rund 140.000 Menschen an Masern. Als man in Deutschland eine Impfpflicht einführen wollte, gab es endlose Diskussion. Die Bundesregierung diskutierte mit, wollte überzeugen. Jetzt beim Coronavirus bestimmt sie. Warum?

MARCO WANDERWITZ:
Es sind die nackten Zahlen. Ab 60 aufwärts wird es gefährlicher. Das sind 23 Prozent der Bevölkerung. Dazu die Vorgeschädigten. Zahlen von oben zu Grunde gelegt heißt das, wir sprechen von mehr als 1 Million potentiell Schwerstbetroffenen. Das schafft in kurzer Zeit auch unser gutes Gesundheitswesen nicht. Also müssen wir die Ansteckungs-Kurve flach halten.

Marco Wanderwitz, der CDU-Bundestagsabgeordnete Chemnitzer Land/Erzgebirge und Ostbeauftragte der Bundesrepublik. Foto: CDU

WOCHENENDSPIEGEL:
Täglich sterben 1000 Menschen in Deutschland an Herz- Kreislauferkrankungen. Hauptursache: Das Rauchen. 1000 Tote täglich! Die Politik geht aber nicht ansatzweise so rigoros gegen Zigaretten vor, wie jetzt beim im Vergleich beachtlich weniger gefährlichen Corona-Virus. Warum?

MARCO WANDEREWITZ:
Viele Gründe. Das Passivrauchen haben wir mit vielerlei Maßnahmen bekämpft. Raucher wissen, worauf sie sich einlassen, dass es schädlich ist. Etwas völlig anderes. Sicher natürlich auch ein Problem, aber nicht vergleichbar.
Mir ist bewusst, dass die Menschen viele Fragen haben bei derartigen Einschnitten. Es gibt aber gute Gründe und wir lassen uns gut beraten. Jetzt müssen wir solidarisch sein, dann kommen wir da durch. Mit hoffentlich wenigen Toten und hoffentlich nicht zu gravierenden Folgen für die Wirtschaft. Also soziale Kontakte einstellen so weit es irgend geht!

WOCHENENDSPIEGEL:
Apropos Wirtschaft. Läden schließen, Firmen können nicht mehr arbeiten, es gibt Hamsterkäufe. Die Bundesregierung nimmt Schäden in Milliarden-Höhe in Kauf, um einen Virus zu bekämpfen, der ganz nüchtern betrachtet ungefährlicher ist, als viele andere Krankheitserreger, gegen die keine Maßnahmen ergriffen werden. Warum?

MARCO WANDERWITZ:
Erstens gibt es keine gefährlicheren Erreger, die uns akut in dieser Dimension bedrohen ohne dass Maßnahmen dagegen ergriffen würden.
Die Bedrohlichkeit von Corona ist in Bergamo zu sehen, so gerade Hunderte elendig sterben. Es gab in Deutschland seit Menschengedenken, jedenfalls meiner Generation, keine vergleichbare Gefahr.

WOCHENENDSPIEGEL:
Die Wirtschaft wird durch die restriktiven Maßnahmen vor große Problem gestellt. Die Bundesregierung schießt über das Ziel hinaus. Warum?

MARCO WANDERWITZ
Nein. Alles was erfolgt, ist nötig. Wir versuchen zudem den wirtschaftlichen Schaden zu minimieren. Dazu hat die Bundesregierung vielfältige Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft auf die Beine gestellt. Die Wirkungen werden ständig beobachtet und ggf. wird schnell und unbürokratisch nachjustiert.
Wir arbeiten mit Hochdruck! Hier eine Übersicht über unsere bisherigen Hilfsmaßnahmen, die sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange sind:

Hier eine Übersicht über die aktuellen Hilfsprogramme

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/coronavirus.html#unterstuetzung

https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2020/03/2020-03-13-download-de.pdf?__blob=publicationFile&v=2

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Zitate/DE/2020/031620_Insolvenzantragspflicht.html

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/gemeinsame-pressemitteilung-von-der-beauftragten-der-bundesregierung-fuer-kultur-und-medien-der-kultusminister-konferenz-dem-deutschen-staedtetag-dem-deutschen-staedte-und-gemeindebund-und-dem-deutschen-landkreistag-kulturpolitisches-spitzengespraech-laender-bund-und-kommunale-spitzenverbaende-einigen-sich-auf-hilfen-fuer-kultur-und-medien-1730410

Facebook

Jobs in Deiner Region

Ausbildungsstellen in Deiner Region