Crystal: GRÜNE wollen mehr Polizei!

Die weit über 100 Fragen der Großen Anfrage der GRÜNEN-Landtagsfraktion zum Thema Crystal sind durch die Staatsregierung auf 143 Seiten beantwortet worden. Foto: Polizei

GRÜNE fordern wegen Crystal mehr Polizei

Von Sven Günther
Region. Wenn die pazifistische Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nach mehr Polizei ruft, muss es einen schwerwiegenden Grund geben: Crystal. Der Konsum der Todesdroge lässt sich kaum eindämmen. Nach Ansicht von Volkmar Zschocke, Vorsitzender der GÜNEN-Landtagsfraktion, gibt es dringenden Handlungsbedarf.

„Wir brauchen zur Bekämpfung des grenzüberschreitenden Handels und Schmuggels von Crystal ausreichend Personal bei der Polizei“, fordert der GRÜNE. „Auch die technische Ausstattung der sächsischen Polizei im Kampf gegen Crystal ist mangelhaft. In ganz Sachsen gibt es nur drei mobile Analysegeräte zur Chemikalienidentifizierung und zum schnellen Drogen-Screening. Die geringen Zahlen aufgedeckter Drogenlabore, Quellen und Verbringungswege und die rückläufige Anzahl der Ermittlungsverfahren stehen im Widerspruch zu dem hohen Bedarf in der Suchthilfe. Im Jahr 2013 wurde die Einrichtung einer Sonderkommission (SOKO) Crystal öffentlich angekündigt, doch bis heute ist sie nicht eingerichtet.“

Die Forderungen und Feststellung sind ein Ergebnis einer Großen Anfrage der GRÜNEN mit über 100 Punkten an die Staatsregierung zur Thematik, die auf 143 Seiten beantwortet wurden.

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=11188&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1&dok_id=undefined

Ein Schwerpunkt: Der 10-Punkte-Plan gegen Crystal, den die Staatsregierung 2014 ausgerufen hatte. Für Zschocke keine Erfolgsgeschichte. Der Politiker: „Die Verstetigung der in den Landkreisen entwickelten Crystal-Suchthilfeprojekte steht in Frage. Es fehlen stationäre Therapieplätze, insbesondere für Eltern mit Kind.“
Er deckt einen Widerspruch auf. Die Zahl der Crystal-Abhängigen, die sich beraten lassen, liegt seit 2014 jährlich bei rund 4800. Spitzenreiter bei der Suchtberatung zu Crystal war 2016 Leipzig (750 Personen), Dresden (631 Personen), gefolgt vom Landkreis Erzgebirge (581 Personen) und dem Vogtlandkreis (442 Personen).

Dagegen wird immer weniger Crystal entdeckt.  Waren es 2014 noch 1623 Fälle mit 33 Kilo der Drogen, sank die Zahl 2015 au 1326 Fälle (27 Kilo) auf 969 Fälle mit 28 Kilo im Jahr 2016.

Die GRÜNEN schlussfolgern: „Es muss davon ausgegangen werden, dass der Kontrolldruck der sächsischen Polizei in Bezug auf Crystal stetig abnimmt.“

Auf ein weiteres Problem weisen die Experten der Partei hin: Es gibt immer mehr Neugeborene, die durch die Sucht der Mütter geschädigt sind. Im Jahr 2016 sind 185 Fälle diagnostiziert wurden, dazu zeigt 86 Neugeborene Entzugserscheinungen.

Volkmar Zschocke, Vorsitzender der GÜNEN-Landtagsfraktion. Foto: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Zschocke fordert vom Freistaat, die Prävention weiter dauerhaft und ausreichend zu finanzieren. Der Freistaat hat die Mittel für die Suchtberatungsstellen von jährlich vier Millionen Euro 2013 auf 5,5 Millionen Euro im letzten Jahr erhöht. Um Süchtigen spezielle Wohnangebote machen zu können, standen 2017 rund 4,3 Millionen Euro bereit. Dazu kommt die Finanzierung kleiner Hilfsangebote.

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