CWE-Geschäftsführer Sören Uhle im Interview zur Absage des Chemnitzer Stadtfestes 2019

CWE-Geschäftsführer Sören Uhle. Foto: Cindy Haase

Wie kam es zu dieser Entscheidung, Herr Uhle?
Das war tatsächlich ein Prozess. Es ist keine punktuelle Entscheidung gewesen – das würde der Gesamtsituation auch nicht gerecht werden. Zum Schluss sind wir ja auch Dienstleister. In die Entscheidung haben wir also Unterstützer, Schausteller und weitere Partner eingebunden, um als Veranstalter mit einem differenzierten Meinungsbild der Akteure in der Öffentlichkeit unsere Absage zu argumentieren. Letztlich ist das dann auch ein relativ einheitliches Meinungsbild gewesen. Mein erster Ansprechpartner ist in einem solchen Fall natürlich mein Aufsichtsrat, in welchem die Oberbürgermeisterin die Vorsitzende ist.
Die Entscheidung hat natürlich auch deshalb so lange gedauert, weil man ein etabliertes Fest nicht einfach über Nacht absagt.

Sind denn Sponsoren abgesprungen?
Es sind uns keine Sponsoren direkt abgesprungen, aber die Mittel der Vorjahressponsoren reichen natürlich nicht aus. Denn: auch in den letzten acht Jahren, in denen wir das Stadtfest verantworteten, bestand immer die Herausforderung, dass es ausreichend Unterstützer des Festes gibt. Ein Stadtfest dieser Größe muss sich auch wetterunabhängig finanziell tragen. Das wäre in diesem Jahr noch kritischer geworden, da jährlich Sicherheitsauflagen und Kosten steigen. Das ist bei jedem Festival so.

In Chemnitz kommt aber noch hinzu, dass jede Genehmigung auf das Vorjahr abstellt. Wie wollen Sie mit einer beschädigten Marke, die völlig falsche Bilder der Stadt hervorruft, die in irgendeiner Weise was mit Gewalt und Unfrieden, zum Schluss mit einer Tötung zu tun haben, dann noch mit Aufmärschen, die Sie auch nicht mehr im Griff haben, verbunden mit dem Risiko, dass der Veranstalter das Fest eher beendet, wie soll ich denn dort auf einen Sponsor zugehen und sagen: Das ist eine super Sache?

Man muss sich in dem Moment als Veranstalter klar machen, dass das Chemnitzer Stadtfest aktuell falsche Bilder in den Köpfen produziert und wir auf der anderen Seite eben auch Stadtmarketing machen, was auch Lebenslust, Lebensfreude und einen attraktiven Standort platzieren soll. Und das ist in dem Moment nicht miteinander vereinbar.

Kann man sagen, dass da schon seit ein paar Jahren der Wurm drin ist beim Stadtfest?
Nein, das würde ich nicht so sagen. Es ist grundsätzlich in der Ausrichtung von Festivals schwieriger geworden, das kann man schon sagen. 2016 war ein Jahr, in welchem wir gesagt haben, dass wir das so nicht mehr machen können. Es gibt im Veranstaltungsmanagement immer gute Jahre und schlechte Jahre, aber in der Querschnittsbetrachtung gibt es eine leichte Tendenz nach oben.

Das Risiko für dieses Jahr fühlt sich immens an, so, dass Sie gar nicht mehr wissen: Mit was wollen Sie denn dagegen halten? Jeder hat diese Bilder vom letzten Jahr im Kopf. Darum setzen wir erstmal dieses Jahr aus, um Luft zu holen und mit unseren Partnern zu schauen: Wie kann man denn zu neuen Formaten kommen? Aber das soll nicht gehetzt und übertrieben passieren. Wir wollen die Dinge anreichern, die wir ohnehin in der Stadt haben.

Es ist unglaublich bunt und schön geworden in Chemnitz, mit einem Hutfestival, dem Parksommer, dem Fuego a la isla und der Fête de la Musique. Das ist richtig cool und richtig viel. Auch mit kleineren und größeren Veranstaltungen. Und da müssen wir mal schauen: Ist noch irgendwo eine Lücke, die wir füllen können? Irgendeine Zielgruppe, die noch nicht richtig bedient ist? Darüber denken wir aktuell nach. Wir möchten in der Krise die Chance suchen und das gelingt nur, wenn wir uns dafür Zeit nehmen.

Das heißt, Sie wollen sich nicht bei bestehenden Veranstaltungen verstärkt einbringen sondern schauen, wo es noch Nischen gibt?
Wir wollen das eine tun ohne das andere zu lassen. Klar geht es auch darum, bestehende Formate zu stärken. Wichtig ist aber auch, Konkurrenzen zu vermeiden und mit Akteuren gemeinsam Projekte umzusetzen. Wir sollten durchaus aber auch den Mut haben, über neue Dinge nachzudenken.

Eine Rückkehr des Stadtfestes in den kommenden Jahren schließen Sie sozusagen nicht aus?
Ich habe das Gefühl, dass es auf ein anderes Format hinaus laufen wird und muss. Ich glaube auch, dass man mit dem Stadtfest-Titel nicht mehr viel anfangen kann, aber zum Schluss muss es eigentlich egal sein, wie es heißt. Es muss einfach die Menschen in Chemnitz aber auch im Umland mitnehmen und im Erlebnis inspirieren. Das sollte im Mittelpunkt stehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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