Dank Zivilcourage: Polizei schnappt Taschendieb

Dank der Zivilcourage eines 39-Jährigen konnte einem Taschendieb das Handwerk gelegt werden. Symbolfoto: Pixabay

Chemnitz. Ein mutmaßlicher Taschendieb (47) sitzt seit kurzem hinter Schloss und Riegel. Dass dem so ist, das ist nicht nur der guten Ermittlungsarbeit  der Kriminalisten des Polizeireviers Chemnitz-Nordost zu verdanken. Den  entscheidenden Anteil daran hat ein couragierter Chemnitzer (39). Er hat  den vermeintlichen Langfinger Ende Juni dieses Jahres auf frischer Tat  ertappt und so lange festgehalten, bis die Polizei da war.

An jenem Tag, dem 21. Juni 2017, war der 39-Jährige mit seiner kleinen Tochter an der Zentralhaltestelle in einen Bus gestiegen. Dabei kam es zu einem kurzen Drängeln und Schieben, in dem ein Mann in die Umhängetasche eines Seniors (79) griff und eine Geldbörse herauszog.  Sofort griff wiederum der Zeuge zu, nämlich nach dem Täter, der sich  zunächst losreißen, jedoch vom Zeugen wieder gefasst werden konnte.

Businsassen forderten dann den Busfahrer auf die Türen zu schließen, um die Flucht des mutmaßlichen Täters zu verhindern. Der konnte wenig später  mit Hilfe eines Security-Mitarbeiters Polizisten übergeben werden. Das Opfer hingegen hatte das Fehlen des Portmonees zunächst nicht gemerkt und war erst vom Zeugen auf den Diebstahl aufmerksam gemacht worden.

Bei der Überprüfung des Festgenommenen stellte sich heraus, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorlag. Bei der Sichtung der Sachen des Mannes  bemerkten Ermittler, dass Person und Sachen zu vorangegangenen gleichartigen Diebstählen passten. Auch dort waren an der Zentralhaltestelle in Bus oder Straßenbahn Einsteigende in ein Gedrängel geraten und dabei bestohlen worden.

Anhand von Videoaufnahmen aus den Verkehrsmitteln konnten die Ermittler dem 47-Jährigen weitere sieben Taten anlasten. Diese hat er, vermutlich mit Komplizen „arbeitsteilig“, zwischen Ende November 2016 und Juni 2017 in Chemnitz begangen. Zum Opfer gefallen sind ihm in erster Linie Frauen im  Alter zwischen 57 und 80 Jahren. Der finanzielle Schaden, den der  verdächtige Dieb den Opfern zufügte, beläuft sich auf rund 700 Euro.

Die Kriminalisten sind sich sicher, dass weitere zehn Diebstähle auf sein Konto gehen. Grund für diese Annahme sehen sie in der Begehungsweise – nämlich „Stau“ und Gedrängel beim Einsteigen zu provozieren, dem Tatort Zentralhaltestelle sowie der Tatzeit. An manchen Tagen griff der  mutmaßliche Dieb bis zu fünfmal in die Taschen fremder Leute und  erleichterte sie um die Geldbörse.

Weil der Festgenommene die Geldstrafe aus dem bestehenden Haftbefehl (wegen Einbruchsdiebstahls) nicht bezahlen konnte, wurde er am nächsten Tag beim Amtsgericht vorgeführt. Von dort aus ging es in eine Justizvollzugsanstalt. Der Aufmerksamkeit und Zivilcourage des 39-Jährigen ist es zu danken, dass die Ermittler dem mutmaßlichen Langfinger gehörig auf die Finger klopfen konnten.

Der Leiter des Polizeireviers Chemnitz-Nordost, Polizeidirektor Werner Reuter, lud den Zeugen zu einem persönlichen Treffen ins Revier ein und überreichte ihm ein  Dankschreiben des Polizeipräsidenten sowie ein kleines Geschenk. Beim Dankeschön- Termin war auch die kleine Tochter dabei. Das Mädchen konnte einen Plüschpoldi in
die Arme und mit nach Hause nehmen. Für sie sei es beängstigend gewesen zu sehen, berichtete der Familienvater (der namentlich nicht in der Öffentlichkeit genannt werden will), wie er mit dem Tatverdächtigen handfest aneinander  geriet. Polizeipräsident Uwe Reißmann: „Der Mann ist nicht nur seiner kleinen Tochter  ein gutes Vorbild für Mut, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit.“

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