Darm-Umzug bereitet Kunstszene Bauchschmerzen

Der „Darm“ sorgte auch beim Rundgang mit der Kulturhauptstadt-Jury 2020 für das ein oder andere Fotomotiv. Foto: Judith Hauße

Installation auf dem Schillerplatz geht nach Bratislava

Die skulpturale Installation „Darm“ auf dem Schillerplatz in Chemnitz ist Geschichte. Das Werk der Künstlerinnen Anetta Mona Chiça und Lucia Tkácová wurde in dieser Woche wieder in seine Einzelteile zerlegt und versiegelt, ehe es Ende der Woche in den frühen Morgenstunden durch ein slowakisches Transportunternehmen abgeholt wird. Sein neuer Standort: die Stadt Bratislava.

Der Umzug des „Darms“ sorgt derweil allerdings für Kritik in der Kunstszene. Mehrere Chemnitzer Kunstvereine, darunter Begehungen, Chemnitzer Künstlerbund, Klub Solitär, Pochen Biennale/Spinnerei und Oscar seien enttäuscht über die Entscheidung. „Wir hätten uns eine Debatte darüber gewünscht, ob diese eigens für die Ausstellung „Gegenwarten“ geschaffene Arbeit nicht dauerhaft im Schillerpark hätte verbleiben können“, schreiben sie in einer Erklärung.

Die Installation war Teil des Public Art-Projekts Gegenwarten – Presences, das im Sommer 2020 in Chemnitz stattfand. Dabei wurden Werke von 20 internationalen Künstlern und Kollektiven gezeigt, die sich in ihren ortsspezifischen Arbeiten – Interventionen und Skulpturen, Installationen und Performances – mit Chemnitz, seiner Geschichte und Gesellschaft auseinandergesetzt haben.

Der „Darm“ sollte jedoch von vornherein nicht dauerhaft in Chemnitz bleiben. Für die Gegenwarten – Presences, bei denen öffentliche Plätze temporär zu Orten künstlerischer Auseinandersetzung werden, soll es eine Fortsetzung geben. „So können die Orte von Gegenwarten – Presences bei der nächsten Projektausgabe neu künstlerisch interpretiert werden“, heißt es.

Für die Kunstvereine nicht nachvollziehbar: „Unserer Ansicht nach ist es gerade diesem Werk exemplarisch gelungen, mögliche Hemmschwellen zu Kunst im öffentlichen Raum abzubauen, zu Diskussionen anzuregen und einen wenig besetzten Stadtraum neu zu beleben. Das Werk „Der Darm“ hat sich mit seinem klaren thematischen Bezug zur Stadt hervorragend in das Raum- und Sozialgefüge am Schillerplatz eingefügt. Es war Kunst, die nicht nur bestaunt werden wollte. Konkret wurden Passanten aufgefordert, es zu nutzen, sich darauf zu setzen oder darauf zu klettern. Vor allem Kinder machten davon rege Gebrauch. Dieses Werk war ein Glücksfall für sie, aber auch für die Stadt und die Kunst.“

Gleichzeitig fanden sie auch in Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit deutliche Worte: „Viele, nicht nur wir, fragen sich, was bleiben wird, wenn 2026 das große Ereignis vorüber ist. Wie gehen wir dann mit Kunstwerken um, die im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres entstehen werden? “ Zudem bestärke sie in ihrer Ansicht, dass Kunstvereine „noch viel deutlicher auf eine klare (politische) Haltung der Stadtverwaltung zur Europäischen Kulturhauptstadt und tragfähige Konzepte zum Umgang mit Kunstwerken im öffentlichen Raum in Chemnitz drängen müssen.“

Im Rahmen der besagten Sonderschau wurde unter anderem bereits auch schon ein Skoda im Chemnitzer Schloßteich versenkt, was für ordentlich Gesprächsstoff sorgte.

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