Das erwarten unsere Handwerker von Europa

Das Handwerk muss immer mehr Regelungen der EU umsetzen. Foto: Archiv

Das Handwerk muss immer mehr Regelungen der EU umsetzen.
Foto: Archiv

Handwerker schauen nach Brüssel

Von Sven Günther
Erzgebirge/Chemnitz/Freiberg. Egal ob Bäcker, Fleischer, Elektriker oder Tischler. Die kleinen Handwerker in Sachsen kommen an der EU nicht mehr vorbei. Laut Handwerkskammer kommen 65 Prozent aller Gesetzesvorlagen, die in Deutschland erfüllt werden müssen, aus Brüssel.

Deshalb haben sich die drei Handwerkskammern Sachsens entschlossen, ihre Aktivitäten auf europäischer Ebene auszuweiten und einen ständigen Europaausschuss des sächsischen Handwerks einzurichten.

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden: „Wir müssen einheitliche Positionen in der Europapolitik vertreten und mit den sächsischen EU-Parlamentariern, den mit Europapolitik befassten Landtagsabgeordneten und der sächsischen Staatsregierung zusammenarbeiteten.” Erste Gespräche fanden am 11. März in Freiberg statt. Hier lesen Sie, was unsere Handwerker erwarten.

Thema Asylpolitik

Dittrich: „Die EU ist in der Krise, die Flüchtlingsfrage ist eine Zerreißprobe. Wir könnten in das gleiche Horn stoßen wie die Europaskeptiker. Wir haben uns aber entschieden, den andere Weg zu gehen: Wir wollen Akzeptanz für Europa erhalten und wiedergewinnen.”

Dietmar Mothes, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz: „Auch wenn derzeit niemand weiß, wie viele der ankommenden Flüchtlinge über eine deutschen Abschlüssen entsprechende Qualifikation verfügen oder geeignet für die Aus- und Weiterbildung sind, so können Flüchtlinge dennoch dazu beitragen, das Nachwuchsproblem des Handwerks zu lindern.”

Er stellte klar, das Qualifikationsstandards und Mindestlohn nicht verhandelbar sind. Mothes: „Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft und keine Konkurrenz zu den Deutschen, die aufgrund mangelnder Qualifikation Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben”,

Thema TTIP

Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig: „Die deutschen Standards müssen anerkannt werden. Das gilt vor allem für die Fachregelwerke des Handwerks. Wenn wir die aufgeben, geben wir ein Kulturgut auf.” Die gleiche Anerkennung forderte er für die Berufsabschlüsse des Handwerks sowie für geschützte Herkunftsbezeichnungen und regionale Eigenheiten im Lebensmittelhandwerk.

Thema Digitalisierung

Jörg Dittrich: „Voraussetzung für die Teilhabe des Handwerks an den Chancen der Digitalisierung ist die flächendeckende Versorgung des ländlichen Raums mit schnellem Internet. Dann stellt sich die Frage, ob wirklich alle der teilweise äußerst komplexen Regulierungen in diesem Bereich vom Handwerk zu erfüllen sind.” Er sprach Probleme an, fragte: „Wenn die Daten für das autonome Fahren Google oder VW gehören, welche Chance hat ein Handwerksbetrieb dann noch, ein Auto zu reparieren? Wird er Lohnsklave von Google oder VW?” Für Dittrich steht fest: „Wenn Handwerksbetriebe nicht an der Digitalisierung teilhaben, dann werden sie perspektivisch vom Markt ausgeschlossen.”

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