Das ist die Krönung

Museumsleiter Jürgen Zabel vom Heimatmuseum Knochenstampfe. (Foto: Natalie Scheffler)

Von Natalie Scheffler

Zwönitz. Es glitzert und funkelt und das mitten im Erzgebirge. Während die Region eigentlich für die Handwerkskunst des Schnitzen und Klöppelns bekannt ist, können Besucher aktuell im Heimatmuseum Knochenstampfe in Zwönitz Pracht und Prunk bewundern. Die Klunker sind zwar nicht die echten, die auf den Köpfen der Queen, Kaiserin Viktoria oder den russischen Zaren getragen wurden, sehen diesen aber zum Verwechseln ähnlich. In mühevoller Kleinarbeit und mit sehr viel Liebe zum Detail wurden sie von dem Kunsthandwerker Dieter Baumgartl handgemacht.

Museumsleiter der Knochenstampfe, Jürgen Zabel, holte sie vor einigen Jahren nach Sachsen, genau genommen nach Dorfchemnitz, wo sie zum ersten Mal überhaupt ausgestellt wurden. Mittlerweile ist es die fünfte Ausstellung mit den „Klunkern“, wie er liebevoll sagt. Zugleich ist es seine sechszigste und letzte Ausstellung, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet. „Das sollte quasi die Krönung sein, nochmal zum Abschluss. Zumal wir in diesem Jahr auch 50. Jubiläum des Museums feiern“, erzählt Jürgen Zabel.

Meister der Prunk und Pracht, Dieter Baumgartl, verstarb bereits. Zu Lebzeiten gab es kaum Ausstellungen von ihm. Der gebürtige Schweizer lebte in Berlin-Kreuzberg in einfachen Verhältnissen. Tagsüber ging er seiner Tätigkeit als Hausmeister nach und abends bastelte er am heimischen Küchentisch Kronen, Diademe, Broschen und Co.
„Er war ein außergewöhnlicher Mensch. Er entdeckte durch Zufall auf einem Trödelmarkt Bücher über die Kronjuwelen der Queen und kam auf die Idee, diese nachzubasteln. Er hat sich alles selbst beigebracht, in seiner Küche hat er in einem selbst gebauten Backofen die Glassteine geformt und geschliffen. Dort hat es gezischt, gekracht, gepufft und gequalmt und heraus gekommen sind täuschend echte Kronen“, erklärt Jürgen Zabel. Er lernte Dieter Baumgartl zufällig bei einem Fußballspiel im Olympiastadion in Berlin kennen. Immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Menschen für besondere Ausstellungen in der Knochenstampfe, machte er sich selbst ein Bild von den Kronen in Baumgartls Wohnung und war gleich begeistert. Als erstes Museum in Deutschland bekamen sie den Zuschlag für die preußischen Kronjuwelen und konnten die Schmuckstücke in der Knochenstampfe ausstellen. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir die ersten waren. Eben nicht in Berlin, Leipzig oder Nürnberg – nein hier im erzgebirgischen Dorfchemnitz waren sie zuerst zu sehen. Das kam auch bei den Besuchern gut an, die Schlange ging bis zur Kreuzung vor“, erinnert sich Jürgen Zabel.

Preußische Kronen im Heimatmuseum. (Foto: Natalie Scheffler)

Die aktuelle, fünfte Ausstellung mit den Kronjuwelen ist seit Ende September und noch bis Ende der Winterferien 2022 geöffnet. Zu sehen sind nicht nur die Kronen der englischen Queen und ein Krönchen der Lady Diana, sondern auch Prachtstücke der russischen Zaren, aus dem Römischen Reich, der Franzosen, Schweden, Spanier uvm. In zehn Jahren hat Dieter Baumgartl mehr als 500 Objekte geschaffen. Als Vorlagen dienten im nur Bilder aus Büchern und Zeitungen. Von Experten hat er sich ausrechnen lassen, wie groß die jeweilige Krone ist und wie viele Diamanten darauf sind. Originalgetreu hat er diese dann mit Swarowski-Steinen nachgebaut. „Die Schwierigkeit war jedoch, dass es keine Beschreibung zu den Kronen gab. Ich habe also wochenlang recherchiert, welche Krone zu welcher Persönlichkeit gehörte und was die Geschichte dazu ist – die ist oftmals sehr spannend. Für einige Stücke wurden mir bereits mehrere tausend Euro geboten, Dieter Baumgartls Wunsch war es jedoch, dass die Objekte zusammen bleiben und von Ausstellung zu Ausstellung ziehen. Mein Traum wäre es, mal alle Kronen in einem großen Raum auszustellen“, so Jürgen Zabel.

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