„Das ist für Zwickau ganz schön peinlich“

Hilft nur noch beten? In einer Pressekonferenz am Montag machte sich Oberbürgermeisterin Pia Findeiß noch einmal Luft und betonte, dass es ihr eine Herzensangelegenheit sei, die Straßenbahnanbindung zum Bahnhof zu erhalten. Foto: Alice Jagals

Hilft nur noch beten? In einer Pressekonferenz am Montag machte sich Oberbürgermeisterin Pia Findeiß noch einmal Luft und betonte, dass es ihr eine Herzensangelegenheit sei, die Straßenbahnanbindung zum Bahnhof zu erhalten. Foto: Alice Jagals

Zwickau. Das Hick Hack um den Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Bahnhofsvorplatzes mit damit verbleibender Anbindung an das Straßenbahnnetz ist für Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß einfach nur peinlich. Peinlich deshalb, weil das Verkehrskonzept der Stadt jahrelang bekannt sei und beschlossen wurde und nun werde wieder herum diskutiert – eben weil wieder eine Wahlperiode des Stadtrates verstrichen ist und sich dieser neu aufgestellt hat.

In einer Pressekonferenz am Montag machte sie sich noch einmal Luft und betonte, dass es ihr eine Herzensangelegenheit sei, die Straßenbahnanbindung zum Bahnhof zu erhalten. Mit einem solchen Gegenwind wie in den letzten Tagen hatte sie nicht gerechnet.

Die 20-Millionen-Euro-Maßnahme beinhaltet die Innenstadttangente zwischen Reichenbacher und Werdauer Straße (10 Mio. Euro), die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes (6 Mio. Euro) und die Umverlegung der Wendeschleife am Hauptbahnhof (3,5 Mio. Euro). Eine Förderung von 70 bis 90 Prozent sei dabei nicht unrealistisch.

Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn zeigt vor Pressevertretern die Vorteile der neuen Straßenbahn-Streckenführung. Foto: Alice Jagals

Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn zeigt vor Pressevertretern die Vorteile der neuen Straßenbahn-Streckenführung. Foto: Alice Jagals

Dass vor allem mögliche Kosteneinsparungen laut Gegner wie AfD, Die Linke und Teile der CDU gegen die Straßenbahn und für den Einsatz von Bussen spreche, sei nach Aussage von Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn eine Milchmädchenrechnung: „Straßenbahnen sind wesentlich länger im Einsatz als Busse. Was diese wiederum unseren Straßen antun, ist in solchen Aussagen nicht bedacht“, sagte er bezüglich eines „angeblichen“ Gutachtens, welches die Stadtverwaltung aus mehreren Gründen anzweifelt.

Auch der Blick in die Glaskugel, dass früher oder später das autonome Fahren die Verkehrswelt beherrschen könnte, sei zwar möglich, „aber selbst hier müsste Geld in die Hand genommen werden“, so Findeiß. „Alle Großstädte setzen auf Straßen- und U-Bahnen. Das entkrampft den Verkehr und auch die Fahrbahnbeschaffenheit entscheidend. Und dass eine Straßenbahn vor allem an einem Bahnhof hält, ist doch selbstverständlich“, betonte sie eifrig. Hinzu komme, dass Zwickau Mitglied im Verkehrsverbund Mittelsachsen ist. Stelle sich der Stadtrat nun gegen den Ausbau des Straßenbahnnetzes, würde sich Zwickau von der Finanzierung des Verbundes automatisch auskoppeln. “Und das möchte ich als Oberbürgermeisterin nicht.“

bahnhofsvorplatzBaubürgermeisterin Kathrin Köhler musste dennoch zähneknirschend zugeben, dass gerade einmal neun Prozent der Zwickauer die Straßenbahn nutzen. Durchschnitt für eine Stadt in der Größenordnung von Zwickau sei 20 Prozent. „Aber bereits jetzt ist der Bahnhofsvorplatz nicht nur unansehnlich, sondern auch unattraktiv an den ÖPNV angebunden. Gerade an Sonntagen oder zu späterer Stunde bleibe oft nur das Taxi“, argumentierte Findeiß. „Wenn das Angebot nicht da ist, kann es auch nicht genutzt werden.“

Zur Stadtratssitzung am Donnerstag wird es also spannend. Bleibt der Sachstand wie er eigentlich geplant war, würde der Bahnhofsvorplatz entsprechend so saniert werden, dass obendrein die Streckenführung der Straßenbahn über die Kopernikusstraße realisiert wird, dann nur noch Zwei-Linien (HBK-Hauptbahnhof-Georgenplatz-Neumarkt-Eckersbach sowie Neuplanitz-Pölbitz) in Zwickau vorhanden ist und zudem der Verkehrsknotenpunkt Crimmitschauer und Werdauer Straße beim Georgenplatz deutlich entspannt werden würde. Sollten die Gegner der Straßenbahn in der Mehrzahl sein, müssten die Straßenbahnschienen in der Bahnhofstraße ausgebaut werden und der Bahnhof wäre nur noch durch Busse erreichbar.

Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im Bürgersaal.

 

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