„Das System muss durchbrochen werden“

Katja Meier, Grüne-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl in Sachsen, und Grünen-Chef Robert Habeck, stellten sich im Gasometer zwei Stunden den Fragen und Anmerkungen der Gäste. Fotos: Alice Jagals

Zwickau. Der Alte Gasometer war voll am Mittwochabend vergangener Woche. Geladen haben die Grünen. Auf dem Podium standen Katja Meier, Grüne-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl in Sachsen, und Grünen-Chef Robert Habeck. Zwei Stunden lang standen die zwei Politiker dem Publikum Rede und Antwort. Die Themen waren – klar – größtenteils umweltpolitisch. So ging es um Glyphosat, den Solibeitrag, Russlandsanktionen, Bildung, Elektromobilität sowie erneuerbare Energien und darum, ob die Grünen eigentlich das Wirtschaftswachstum abschaffen wöllten.

Hier eine kurze Ausführung:

Glyphosat: Ein Gast aus Thüringen sagte, er würde viel pendeln und dabei kaum noch Insekten auf seiner Autoscheibe kleben haben. Er wollte wissen, ob das am Einsatz von Glyphosat liege und wollte wissen, wie Habeck dazu stehe. Der Grünen-Chef stellte klar, dass viele Landwirte dazu gezwungen wären, ihren Anbau zu intensivieren, um mit der Masse mithalten zu können. Man solle darüber nachdenken, welche Formen der Anwendung sinnvoll seien. Genauso sieht er den Einsatz von genmanipulierten Pflanzenmitteln. Die einen auf der Welt hungern, während beispielsweise der Deutsche 80 Kilogramm Fleisch jährlich wegschmeiße. Insofern gebe es generell ein Verteilproblem. „Ich würde gelernte Erfahrungen in Neues umsetzen. Wenn dabei ein Saatgut ohne Pestizide herauskommt, warum nicht?

Robert Habeck

Elektromobilität: Ein Mann im Publikum schimpfte beinahe schon auf die E-Mobilität. „Das ist der größte Mist aller Zeiten“, sagte er aufgrund dessen, dass die Haltbarkeit und die Herstellung der Akkus alles andere als umweltfreundlich wären. Hinzu komme, dass die ganzen „schlechten“ Dieselfahrzeuge ja irgendwie verschrottet werden müssen, was alles andere als umweltfreundlich sei. Habeck korrigierte den Mann, der sagte, ein E-Auto lohne sich erst ab 100.000 Kilometer. 30.000 Kilometer seien es laut Habeck. „E-Mobilität ist derzeit die umweltfreundlichste Lösung. Und gerade hier in der Region, in der ein VW-Werk komplett auf E-Mobilität umstellt, sollten die Menschen dazu stehen“, mahnte der Grünen-Spitzenpolitiker. Wünschenswert wäre für ihn, wenn man auf den Individualverkehr generell verzichten würde.  Seine Parteikollegin Katja Meier warf allerdings ein, dass dazu ein ausreichend vorhandenes ÖPNV-Angebot vorhanden sein müsse. Dennoch fiel der in Zwickau geborenen Politikerin auf: „Als ich 1998 von hier weggezogen bin, gab es, glaube ich, gar keine Radwege. Das sieht hier mittlerweile schon anders aus. Es geht in die richtige Richtung.“

Atomkraftwerke: Kritik gab es aufgrund der zu schnellen Entscheidung, der Atomenergie den Kampf anzusagen. Andere Nachbarländer würden genau darauf setzen. Am Ende müsse sich Deutschland von ihnen bedienen. Dabei sei Deutschland schon jetzt das Land mit dem zweithöchsten Strompreis in der EU. Dass der Ausstieg richtig ist, dabei bleibt Habeck. „Doch drehen wir  die Sache um: Irgendwohin muss der Atommüll. Aber keiner will ihn vor der Haustür haben.“

Bildung und Fachkräfte: Eine Mitarbeiterin des Mütterzentrums kritisierte die lange Dauer bis ein Abschluss – in dem Beispiel ein Abitur einer

Katja Meier

Türkin – in Sachsen anerkannt werden würde. Dabei passe die Frau prima als Erzieherin in ihr Team. Generell würden es ausländische Fachkräfte nicht lang in Sachsen bleiben, sagte Katja Meier. Und das vor allem, weil sie hier Angst hätten.

Generell müssten aber auch Berufszweige, in denen dringend für Nachwuchs gesorgt werden müsse, aufgewertet werden. Mit Geld und das schon während der Ausbildung sowie mit den Arbeitsbedingungen. Den Krippen- bzw- Kitaschlüssel sehen die Grünen bei 1:4 bzw. 1:6.

Viehtransporte, Plastikwahn: Ein bekennender Fleischesser mahnte, dass er auf den Autobahnen häufig Viehtransporte sehe. Die Tiere dürften bis zu 800 Kilometer „herumgefahren“ werden. Das sei völlig unverständlich. Und auch hier mahnte Habeck, dass es beim einzelnen Landwirt oft ums finanzielle Überleben gehe. „Hier muss das System durchbrochen werden“, stellte der Grünen-Politiker klar. Eine Frau im Publikum meinte zum generellen Verbrauch der Menschen: „Hier muss jeder bei sich anfangen. Aber auch die Politik muss darauf achten, dass es beispielsweise im Supermarkt keine Plastikverpackungen mehr gibt. Oder ein T-Shirt eben nicht nur 2 Euro kostet.“

Insgesamt war der Abend natürlich sehr „grün“ behaftet, aber auch konstruktiv. Eine Frau im Publikum hatte eine Bitte: „Es ist möglich, dass die Grünen in Sachsen an die Spitze kommen. Warum nicht? Es ist aber genauso möglich, dass es die AfD sehr weit nach vorn schafft. Sollte das der Fall sein: Dann bitte, bitte, reden Sie alle miteinander. Das macht Demokratie aus.“ aj

Ein voll gefüllter Alter Gasometer.

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