Dem Wald auf der Spur

Gerald Klamer am Butterweg/Mittelflügel im Eibenstocker Forstbezirk. (Foto: Natalie Scheffler)

Förster Gerald Klamer wandert 6.000 Kilometer quer durch Deutschland

Eibenstock. Im Februar dieses Jahres packte Gerald Klamer seinen Rucksack, schnürte die Wanderschuhe und stiefelte mit seinen Wanderstöcken vom Ausgangspunkt in Hessen einfach los. Auf 6.000 Kilometern zu Fuß durch Deutschlands Wälder – das war sein Ziel.
In dem einzigartigen Projekt „Waldbegeisterung“ vereint der ehemalige Förster seine beiden Leidenschaften: Wald und Wandern. Auf seinem Weg durch Deutschlands Wälder besucht er forstwirtschaftliche Betriebe, die heute schon naturnah wirtschaften. So war er vergangene Woche auch im Forstbezirk Eibenstock unterwegs. Dabei will er aber nicht nur Faszination für das Thema Wald hervorrufen, sondern vor allem auf den Zustand des Waldes aufmerksam machen:
„Dem deutschen Wald geht es seit drei Jahren so schlecht wie noch nie. Wir haben von 2018 bis letztes Jahr eine richtige Dürre gehabt. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen“, erklärt Gerald Klamer.

So sei beispielsweise die Baumart Fichte vor allem im Erzgebirge aber auch auf großen Flächen in ganz Deutschland bereits abgestorben, genauso sind auch alle anderen Baumarten in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit seiner Wanderung will Gerald Klamer darauf aufmerksam machen, was sich in Bezug auf Waldbewirtschaftung ändern sollte, um den Bestand zu stabilisieren anstatt ihn noch mehr zu schwächen.

25 Jahre lang war er in Hessen als Förster tätig. Nun hat er seinen Job aufgegeben, um 6.000 Kilometer quer durch Deutschland zu wandern. In mehr als fünf Monaten hat er bereits gut die Hälfte geschafft, Mitte November will er aber dann wieder zuhause sein. „Ich laufe am Tag zwischen 30 und 40 Kilometer. Aber ich wandere ja nicht nur, sondern habe Termine an ca. 70 Stationen, wie auch hier mit dem Forstbezirk Eibenstock. Das ist immer sehr interessant, aber an diesen Tagen komme ich natürlich nicht so sehr voran“, erklärt Gerald Klamer.
In einem Zelt zu übernachten, das ist im Wald verboten. Daher schläft der ehemalige Förster einfach nur auf einer Matte zwischen den Bäumen. Gegen Wind und Wetter hat er eine zusätzliche Plane dabei oder er nächtigt in einer der Schutzhütten am Wegesrand. Ganz schön abenteuerlich ist das ja schon und wahrscheinlich auch nicht jedermanns Sache, aber Gerald Klamer hat eine klare Intention: „Die Idee ist entstanden indem ich meine beiden Leidenschaften Wald und Wandern miteinander vereint habe. Ich wollte etwas Außergewöhnliches tun, um die Menschen mit einem wichtigen Thema zu erreichen. Als erstes kommen natürlich Fragen wie das funktioniert, von was ich mich ernähre oder ob ich denn keine Angst vor Wildschweinen hätte, aber darüber hinaus kommt man auch zum Thema Wald ins Gespräch und ich glaube mein Konzept geht bisher ganz gut auf“, erzählt er.

Mischwald statt Monokultur
Ein Thema, das er anspricht, ist Mischwald statt Monokultur: „Wir müssen davon wegkommen, auf Quadratkilometern Wald nur einförmige Fichtenbestände zu haben, hier ist eine massive Veränderung notwendig.Ich schlage vor, junge Buchen und Weißtannen unter die Fichten zu pflanzen. Dieses Jahr ist zwar deutlich nasser als die Jahre zuvor, aber wir werden wieder solche trockenen Perioden haben. Dann ist es gut, wenn der Wald bereits gemischt ist.“

Zudem sollen die Abstände der Fahrspuren vergrößert werden. Standardmäßig ist in deutschen Wäldern aller 20 Meter eine Fahrspur angelegt, um Holz zu transportieren. „Auf diesen Fahrspuren ist der Boden so stark verdichtet, das er teilweise bis zu 80 Prozent weniger Wasser speichert. Der Abstand zwischen den Befahrungen sollte standardmäßig auf 40 Meter erweitert werden, das ist technisch ohne Weiteres möglich und viele Betriebe machen das bereits so“, so Gerald Klamer.

Mehr Naturschutz notwendig
Zudem sollte Naturschutz eine größere Rolle im Wald spielen: „Bereits seit 2007 ist ein Ziel der Bundesregierung, fünf Prozent der Waldfläche aus der Nutzung zu entnehmen und dort der Natur freien Lauf zu lassen. Bisher haben wir erst drei Prozent erreicht. Ich persönlich bin aber auch der Meinung, dass im öffentlichen Wald zehn Prozent angestrebt werden sollten. Und auch im bewirtschafteten Wald brauchen wir Naturschutzelemente, z.B. mehr Totholz auf der Fläche, wo sich Insekten ansiedeln können.“
Außerdem schlägt er vor, sich auf die heimischen Baumarten wie Eiche, Linde, Spitzahorn und Buche zu konzentrieren, da diese sich besser an die Trockenheit anpassen können. „Auf kleinen Flächen kann man unter wissenschaftlicher Begleitung auch etwas ausprobieren und Baumarten aus Nordamerika oder dem Mittelmeerraum ansiedeln. Aber Bäume leben sehr lang, wir wissen nicht ob da nicht doch irgendwelche Krankheiten auftauchen, mit denen man nicht gerechnet hatte“, so Gerald Klamer.
Im Erzgebirge sei ihm positiv aufgefallen, dass der Wald an vielen Stellen bereits umgebaut wurde, das muss seiner Meinung nach aber noch mehr werden. Wenn er zurück kommt, will der ehemalige Förster seine Tätigkeit nicht wieder aufnehmen, sondern zunächst seine Reise auswerten, ein Buch schreiben und Vorträge halten. Er sagt: „Als Forstbeamter wusste ich natürlich schon einiges über den Wald, aber ich lerne jeden Tag Neues dazu, komme in ganz unterschiedliche Regionen – das ist für mich eine unheimliche Bereicherung.“

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