Deponie in Gablenz? So Vieles spricht dagegen

Mehr als 100 Gäste kamen zur Infoveranstaltung ins Crimmitschauer Theater. Auf die verfüllte Kiesgrube in Gablenz soll bis zu 18 Meter kontaminierter Abfall der DK I gelagert werden. Foto: Alice Jagals

Gablenz. Werden die Gablenzer bald eine Deponie vor die Tür gesetzt bekommen? Wenn es es nach den Antragstellern Strabag & Becker, welchen die derzeitige Kiesgrube gehört, geht, dann ja. Und damit scheinen sie die einzigen zu sein. Auf Einladung von Crimmitschaus Oberbürgermeister André Raphael folgten weit über 100 Interessierte ins Theater. Dort referierten Diplom-Ökologen Klaus Koch, Umweltnetzwerk Hamburg und Rechtsanwalt Torsten Purfürst, KMS Zwickau.

Wie ist der Stand?
Die Kiesgewinnung im Bereich der geplanten Deponie wurde 2019 vom Oberbergam für beendet erklärt. Ein Abschlussbetriebsplan wurde jedoch bis jetzt noch nicht beantragt. Die Antragsteller möchten allerdings dort die ausgekiesten Bereiche mit unbelastendem Bodenmaterial der Deponieklasse 0 (DK 0) verfüllen. Obendrauf kommen in 15 bis 18 Meter Höhe Abfälle der DK I. Beantragt wurden 13 verschiedene Abfallarten zur jährlichen Ablagerung von 200.000 Tonnen Bauschutt wie Asbesth oder Dämmmaterial aus künstlich hergestellten Mineralfaserplatten. Die Einlagerungszeit beträgt 17,5 Jahre.

Ist der Bedarf überhaupt da?
Zunächst erstmal, wird im Landkreis Zwickau derzeit gar keine Deponie der DK I benötigt. Zehn Deponien gab es einmal, welche nicht vollständig genutzt wurden. Zudem müsste die Strabag fünf Areale als Alternativen angeben. Das ist nicht geschehen. Gleiches gilt für die Überprüfung, Alt-Deponien ersteinmal „fertig“ zu nutzen. Auch die Möglichkeit, eine neue Deponie auf einer alten aufzubauen, wurde nicht beachtet.

Wie werden die Abfälle gesichert?
„Durch den Kiesabbau ist eine natürliche geologische Barriere zum Untergrund nicht mehr vorhanden“, sagt Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg. Daher müsse eine künstliche Barriere geschaffen werden. „Der Antragsteller will dafür sogar eine technische Barriere aus unkontaminiertem Abfall für die DK II errichten, „wodurch eine Ablagerung von Abfall dieser Kategorie nicht ausgeschlossen werden kann“. Bisher gebe es auch keine Auflagen zum Untergrundschutz.

Wie wird das Oberflächenwasser abgeleitet?
Fakt ist, dass Oberflächenwasser in das Kanalnetz der Stadt Crimmitschau fließt. Eine Genehmigung aus dem Kiesabbau von 1995 liegt vor, nicht aber eine für eine Deponie. Demnach seien mögliche Umweltschäden gar nicht einbezogen und das Vorhaben widerspreche dem Regionalplan als „Landschaftsschutzbereich mit besonderen Nutzungsanforderungen“.
Das Abwasser wird in den Kiengraben eingeleitet. Dabei fließt das Wasser durch Grundstücke, die der Strabag gar nicht gehören. Die Besitzer haben den Deponieplänen auch nicht zugestimmt, weshalb die Behörde den Plänen nur zustimmt, wenn auch die Grundstückseigentümer grünes Licht geben.
Nicht zuletzt seien sogar die Koordinaten zum Untersuchungsgebiet des Deponie-Standortes falsch angegeben. Dennoch: Bei Starkregen könnte das Kanalnetz kollabieren. Nicht selten gab es in Gablenz schon Hochwasser. Klar ist, dass dadurch kontaminiertes Material auf die Umwelt und ins Grundwasser übergreifen können. Tiere, Pflanzen und Menschen sind gefährdet. Zudem befindet sich dort auch das FFH-Schutzgebiet und das Areal sorgt via Frischluftschneise (noch) für bessere Luft. Nicht ganz unbeachtet sei auch die die Minderung der Grundstückswerte.

Was können Gegner der geplanten Deponie tun?
Derzeit werden die Unterlagen bei der Anhörungsbehörde eingereicht. Wenn es zum Beteiligungsverfahren kommt, liegen die Pläne für vier Wochen im Rathaus aus. Im Amtsblatt wird ebenfalls darüber informiert. „Dann kommen Sie in Spiel“, betont betonte Rechtsanwalt Torsten Purfürst. „Schreiben Sie, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist, denn nur Sie können etwas bewirken. Die Stadt Crimmitschau ist außen vor. Sie darf sich als öffentlicher Träger nicht in dieser Sache für Sie in der Form einsetzen.“ aj

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