„Der Aufstieg ist der geilste Moment meiner Basketballkarriere“

Malte Ziegenhagen beim Uffta nach einem Sieg. Damals noch in der Hartmannhalle. Foto: Cindy Haase/Archiv

Malte Ziegenhagen ist seit 2016 bei den NINERS Chemnitz. Im Interview spricht der Flügelspieler und Kapitän über seine bisherige Zeit in Chemnitz, Erfolge, Niederlagen und was er sich für die kommende Saison wünscht.


WochenENDspiegel: Vorab eine Frage: Du wärst sicher sehr gern bei der Live-Verkündung „Chemnitz Kulturhauptstadt 2025“ dabei gewesen, oder?

Malte Ziegenhagen: Natürlich. Ich bin sehr traurig darüber das ich nicht dabei sein konnte, denn als Botschafter für Chemnitz2025 liegt mir das gesamte Thema Kulturhauptstadt Bewerbung sehr am Herzen. Aber ich war sehr froh darüber, dass wir gewonnen haben. Das gibt unserer Stadt ein Gesicht und etwas auf das sie stolz sein kann. Ganz besonders freue ich mich aber für unsere Kinder in Chemnitz, denn sie wachsen auf in einer Stadt in der zukünftig viel Positives passieren wird.

In deiner ersten Profisaison 2015/16 in Bayreuth konntest du bereits erste Eindrücke ganz oben bekommen. Wie blickst du auf diese Zeit zurück und was bedeutete dir der Wechsel nach Chemnitz?

Ich hatte es nicht einfach in Bayreuth. Der Trainer hatte mir zu der Zeit wenige Einsatzchancen gegeben und ich musste mit viel Frustration und wenig Spielzeit umzugehen lernen. Das war schon ein gewisser Schock für mich, nachdem ich zuvor in den USA viel Verantwortung und Spielanteile hatte. Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr wohl und willkommen in der Stadt und bei den Fans gefühlt. Aber wenn du Profisportler bist, zählt halt einfach nur, was auf dem Spielfeld passiert. Der Wechsel nach Chemnitz war da wie eine neue Chance.

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Du bist in Berlin geboren/aufgewachsen, hast in den USA gelebt, und jetzt schon 5 Jahre Chemnitz – sicher eine große Umstellung, was macht für dich aber das Leben in Chemnitz lebenswert?

Definitiv ist Chemnitz eine große Umstellung gewesen, denn ich bin ein Mensch der Welt. Immer auf Achse gewesen, ich wollte mich nie festlegen und hatte mir die Türen immer offengehalten. Dann kam Chemnitz, wo das gesamte Umfeld des Basketballs gestimmt hat. Ich wollte nicht mehr weg, denn ich hatte mir den Aufstieg in die 1. Bundesliga auf die Fahne geschrieben! Das war mein Ziel – 1. Bundesliga mit den NINERS Chemnitz.

Was war deine schwerste Niederlage, was hingegen dein (entschuldige den Ausdruck) „geilster“ Moment?

Der schwerste Moment war ganz klar die Playoff-Niederlage gegen Hamburg in der Saison 2018/2019. Der Aufstieg war so nahe und wir waren uns sicher, dass wir mit unserer 2:1 Führung aufsteigen würden. Doch dann kam alles anders und wir mussten erneut den Mund abwischen und uns irgendwie aufraffen. Mental ist das sehr kräftezehrend, wenn man sich wieder aufs Neue aufrichten muss. Aber es gelang uns. Wir spielten 2019/2020 die geilste Saison in der Vereinsgeschichte, verloren nur zweimal und auf einmal kommt CORONA! Aber hey, auch hier möchte ich sagen, dass ich noch immer den Aufstieg in die 1. Bundesliga als geilsten Moment in meiner Basketballkarriere sehe!

Was hast du während deiner bisherigen Zeit bei den NINERS am meisten gelernt bzw. lernen müssen?

Rodrigo Pastore hat sehr hohe Erwartungen an die Spieler und umso an seinen Kapitän! Ich habe sehr viel und auch sehr hart lernen müssen, was es bedeutet, ein Team zu führen und als gutes Beispiel voran zu gehen! Dafür bin ich ihm aber auch sehr dankbar, denn solche Fähigkeiten lernt man nicht einfach auf der Straße oder wenn man ein Buch liest. Führungsqualitäten sind etwas, die man erleben muss und auf dem Weg auch mal scheitern muss, um dann wieder alle Kraft zu sammeln und wieder aufzustehen! Und das Gemeinsam!

Niners Kapitän Malte Ziegenhagen ging mit 5 Punkten in den ersten beiden Vierteln auf Rekordjagd. Mit 1.787 ist er Chemnitz bester Scorer. Foto: jh/Archiv

In deinem ersten Jahr in Chemnitz seid ihr fast aufgestiegen, im zweiten lief es eher durchwachsen für das Team und nun in der BBL, ein langer Weg, was geht dir so kurz vor dem Saisonstart zu allererst durch den Kopf?

Genau das! Woher sind wir gekommen? Es war ein langer und steiniger Weg, aber auch ein schöner Weg, denn wir haben uns mit dem Aufstieg in die höchste Liga Deutschlands belohnt. Wer hätte das jemals in Chemnitz gedacht? Das wir hier in dieser robusten Industriestadt mal 1. Basketball Bundesliga spielen würden. Das bedeutet dieser Stadt und diesen Fans so viel, deswegen hat es sich mehr als gelohnt, so hart und ausdauernd zu kämpfen!

Was hat dich dazu bewogen, bei den NINERS zu bleiben? Gab es Gespräche zu anderen Vereinen?

Ja, es gab jedes Jahr Gespräche mit Erst- und Zweitligaclubs. Aber ich bin ein sehr treuer Typ und wollte nicht für ein bisschen mehr Geld in eine andere Stadt ziehen. Ich fühle mich hier einfach zu wohl und bin sehr stolz darauf wie sehr der Club in den letzten Jahren gewachsen ist. Ein Teil davon zu sein, hat mich immer sehr stolz gemacht!

Deine Einschätzung zu den Neuen und zu den Vorbereitungen für die kommende Saison?

Die neuen Spieler sind denke ich angekommen. Es hat einige Wochen gedauert, aber wir sind auf einem guten Weg. Jetzt ist uns natürlich diese häusliche Quarantäne dazwischengekommen und auch unsere Bilanz in den Testspielen war nicht die Beste. Aber das sollte man noch nicht überbewerten, denn erst nächsten Samstag starten wir in die erste Bundesligasaison unserer Vereinsgeschichte. Ab dann zählt jedes Spiel und genau dort werden wir alles geben, um in der Bundesliga zu bleiben!

Hättest du vor fünf Jahren jemals gedacht, dass du einmal einen Ausflug vom Profi-Basketballer zum Talkshow-Moderator machst oder als Kulturhauptstadt-Botschafter unterwegs bist?

Niemals!! Das ist genau das was ich meine. Diese Erfahrungen habe ich machen dürfen, weil wir großes Vertrauen in dieser Stadt genießen. Die Menschen stehen hinter unserem Verein und wissen, dass das, was wir bewegen und machen sehr wichtig für die Stadt ist. Wir möchten einfach dort helfen wo es geht und da bin ich einfach gern dabei. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht zu moderieren und als Botschafter für die KuHa-Bewerbung zu helfen. Und wer hätte gedacht, dass wir wirklich Kulturhauptstadt 2025 werden? Anfangs bestimmt nur wenige Menschen, aber jetzt ist der Traum wahr geworden, genau wie unser Traum von der ersten Bundesliga!

Wäre eine Karriere im Showbiz eine Alternative nach der Profi-Karriere als Sportler?

Ich könnte mir sehr gut vorstellen bei Magenta Sport oder DAZN ein paar Auftritte zu haben, aber eigentlich ist das nicht mein Ansporn. Ich bleibe offen für alles was kommt, so hat sich bis jetzt im Leben alles irgendwie gefunden. Ich kann noch gar nicht sagen, wohin es mich nach dem Basketball verschlägt, aber wichtig ist, dass mir das Neue dann ebenso viel Spaß macht.

Wie schaffst du es, den Spagat zwischen Profisportler, Karriere und Freizeit zu bewältigen, hast du ein „Malte Ziegenhagen-Geheimrezept“?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, das hat viel mit Zeitmanagement, Organisation und Einstellung zu tun. Das ist manchmal sehr herausfordernd, aber ich denke, ich bin einfach nicht der Typ dafür, in meinem Leben „nur“ Basketball zu spielen. Ich fordere mich gern heraus und zum Glück habe ich eine besondere Freundin, die mich in allem, was ich mache, unterstützt und mit Staffbase einen Arbeitgeber, der es mir erlaubt, in Teilzeit zu arbeiten. Ich habe sehr viel Besonderes erleben dürfen in den letzten Jahren und das meiste ist durch harte Arbeit entstanden!

Wie läuft es in der Raise Up Academy – Dein Instagram-Post mit allen Teilnehmern zeigte strahlende Gesichter.

Die RAISE UP ACADEMY, da ist echt ein Traum wahr geworden, gerade mit dem letzten Sommercamp. Das war besonders, denn wir haben mit Hilfe unserer Rollstuhlbasketballer den Kindern einen Tag im Rollstuhl ermöglichen können. Das war einfach unglaublich, denn die Kids wie auch ich selbst saßen in ihrem Leben noch nie in einem und plötzlich sehen sie das Leben aus einer ganz anderen Perspektive! Das war vielleicht einer der außergewöhnlichsten Momente die ich je hatte.

Ja die Kinder strahlen, denn das Camp konnte unter Auflagen stattfinden und das mit großem Erfolg! Niemand wurde krank und jeder hat sich strikt an das Hygienekonzept gehalten. Ob es im Winter ein weiteres Camp geben wird, ist noch nicht vorherzusehen, denn die Situation um Corona wird nicht leichter im Moment! Für nächsten Sommer ist dann auf jeden Fall eine kleine Tour geplant. Hoffentlich wird es trotz Corona möglich sein. Die Kinder geben uns den Zuspruch, noch mehr zu tun, also hat sich unser Motto #gemeinsamwachsen mehr als bewährt!

 

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