Der EHV Aue und das Geheimnis der 60 Sekunden

Nach einer Minute war alles vorbei…

Von Sven Günther
Lößnitz. So oft hat es funktioniert, haben die kurzen klaren Anweisungen Erfolg gebracht. In den meisten Fällen schaffte es EHV-Trainer Stephan Swat in den 60 Sekunden einer Auszeit, die Spieler auf den Pfad des Erfolges zu bringen, mit der Ansage der Angriffsvariante “Moppel” ein schön herausgespieltes Tor zur initiieren oder, wie zuletzt nach einem schläfrigen Beginn im Heimspiel gegen Krefeld, die Seinen mit lauten Worten munter zu machen.

Nur beim Hinspiel gegen den VfL Gummersbach sprach er zu tauben Ohren. Bis zum 9:9 hatte der EHV gegen den Aufstiegsaspiranten aus Westdeutschland mitgehalten. Nach einer swatschen Auszeit gingen Spiel und Ergebnis den Bach runter. 21:32. Was für eine Pleite.

Schon in der Pressekonferenz nach den missratenen 60 Minuten grübelte der Übungsleiter und brummte konsterniert: „Was da passiert ist, muss ich erstmal analysieren.“

Mit dem Anstand von heute nimmt er es leichter und sagt: „So ist es eben. Manchmal zieht man mit einer Auszeit den Joker, manchmal erwischt man eine schlechtere Karte. Im Hinspiel haben die Wechsel nicht richtig funktioniert.“

Neues Spiel, neue Chance! Swat: „Es muss uns gelingen, vorn sicher zu spielen und unsere Tormöglichkeiten zu nutzen. Die kompakte Abwehr ist die Stärke des VfL, aus der die Mannschaft über die schnellen Außenspieler immer wieder zu leichten Toren kommt. Das müssen wir möglichst verhindern.“

Kein einfaches Unterfangen. Der VfL Gummersbach hat noch kein Heimspiel verloren, strebt den direkten Wiederaufstieg an und ist mit Platz vier und einem Punkt Rückstand auf den Tabellenzweiten Essen in Schlagdistanz.

1. Bundesliga und der VfL Gummersbach. Das gehört im Prinzip zusammen wie Coca und Cola, wie Mercedes und Benz. Schaut man sich allein die Liste berühmter Spieler des Vereins an, werden Handball-Romantiker nostalgisch-euphorisch. Da ist natürlich der schnauzbärtige Heiner Brand zu nennen, auch der in Ungarn tragisch verunfallte Jo Deckarm. Man erinnert sich an den fliegenden Stefan Hecker im Tor, den stoischen “Hexer” Andreas Thiel auf der gleichen Position. Nicht zu vergessen die exzellenten Rückraum-Recken Erhardt Wunderlich, Yoon Kyung-Shin und Andreas Dörhöfer. Man könnte die Liste großer Namen weiter und weiter führen: Mark Dragungski, Stefan Kretzschmar, Daniel Narcisse, Christian Ramota, Frank von Behrend

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Und das Personal beim EHV? Neben den Langzeitverletzten Nico Schneider, Kevin Lux und Franz Schauer fehlt heute auch Ladislav Brykner, den ein Virus plagt. Der Tscheche wird den EHV nach Ende der Saison verlassen. Er spielte insgesamt sechs Jahre für Aue. 2012 kam er das erste Mal ins Erzgebirge und wechselte vier Jahre später nach Bad Blankenburg. Seit 2018 stand er wieder im Aufgebot von Chefcoach Stephan Swat. Für die Nationalmannschaft Tschechiens bestritt Brykner 14 Länderspiele.
Wie Manager Rüdiger Jurke sagte, will Brykner unterklassig weiter Handball spielen, wo die Belastung nicht mehr so hoch ist. Der 30-Jährige wolle aber alles dafür tun, dass das Ziel Klassenerhalt erreicht werde, so Jurke.

Swat hofft, dass Gabriel De Santis gegen den VfL auf der Rechtshalb-Position gut ins Spiel kommt, von Sebastian Paraschiv entlastet wird. Der Coach: „Sebastian findet immer besser ins Spiel, hat immer mehr Zutrauen in sein Knie (nach Kreuzbandriss, d.R.) und ist ein wendiger Spieler, der schwer zu verteidigen ist.” Außerdem kommt Julius Schröder in den Kader zurück, der beim VfL seine ersten Schritte in Sachen Profi-Handball gemacht hat. Er kam von den Füchsen aus Berlin nach Aue.

Gegen die Füchse will der VfL Gummersbach im nächsten Jahr unbedingt in der 1. Bundesliga spielen, darf sich keine Niederlage erlauben. Auf der Homepage des Vereines kommt Kreisläufer Jonas Stüber zu Wort. “Unsere Aufgabe muss es sein von Anfang an den Takt anzugeben sowie die Emotionen und den Kampfgeist der letzten Spiele weiterzuführen, denn wenn wir alle für einander kämpfen und die Fans das spüren, können wir sie noch besser mitreißen, sodass unsere Halle zu einer noch stabileren Festung wird. Sie haben gezeigt, dass sie jedem in dieser Liga Punkte abnehmen können. Das macht sie gefährlich, denn sie sind unberechenbar und kämpfen bis zum Umfallen.”

Auch er erinnert sich an der Hinspiel in der Erzgebirgshalle, vor allem weil der VfL da seinen ersten Auswärtssieg feiern konnte. Stüber auf der Homepage des Vereins: „Das Gefühl war natürlich überragend, aber es war auch sehr wichtig für unser Selbstvertrauen, weil wir bis dahin auswärts nicht das auf die Platte bringen konnten, was wir zu Hause schaffen.” Nach dem Sieg in Aue sei das Auftreten auswärts selbstbewusster geworden.

Stephan Swat sieht es ähnlich, meint: “Ich denke, dass wir seit dem Hinspiel einen Schritt nach vorn gemacht haben, kompakter auftreten. Wir müssen in Gummersbach versuchen, dass Spiel so lang wie möglich offen zu gestalten, dann steigen unsere Chancen.” Und wenn es gar nicht läuft….bestimmt klappt es diesmal wieder mit der Auszeit…

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