Der EHV Aue und der Fluch des Egon Olsen

Fliegender Rasimas! Hier hätte es noch einmal spannend werden können, doch Hannes Iffert brachte das Leder vom Kreis nicht am Schlussmann des EHV Aue vorbei. Foto: sportfotoseisenach

Die fünf Schlüssel zum Erfolg

Von Sven Günther
Lößnitz. Am Ende konnte auch der gewiefte Sead Hasanefendic nur noch mit den Schultern zucken, den Kopf leicht seitlich neigen und die Handflächen himmelwärts wenden: “Ich gratuliere Aue zum Sieg. Er war verdient.”
Mit 28:26 gewann der EHV Aue das Derby-Duell der Zweitliga-Handballer gegen den ThSV Eisenach und Hasanefendic analysierte nach den 60 Minuten Spektakel nüchtern: “Wir haben sehr schlecht angefangen, sind einem 6:1 Vorsprung der Auer das ganze Spiel hinterhergelaufen. Immer wieder konnten wir verkürzen, aber nie ausgleichen.” Auch, so des ThSV-Übungsleiters Analyse, weil der Torwart des EHV gut gehalten und die Schiedsrichter aus seiner Sicht schlecht gepfiffen hätten.
Stimmt – könnte man schreiben, ein Ausrufezeichen dahinter machen und den Bericht über das Spiel beenden, das knapp 1800 Fans (300 aus Thüringen) und viele auf www.sportdeutschland.tv im Internet gesehen haben, somit Spielverlauf und Ergebnis kennen.
Doch bei einem Derby lohnt eine nähere Betrachtung, bei der man erkennt, dass es fünf Schlüssel zum Erfolg gab.

Schlüssel 1: Die Keeper
Das Lob des Gästetrainers für EHV-Keeper Vilius Rasimas war berechtigt. Der bärtige 1,96-Meter-Hüne entschärfte sieben Würfe der Gäste, darunter von Ante Tokic, Ivan Snajder und Adrian Wöhler, die jeweils frei vor ihm absprangen. Was Rasimas am Ende für das Team war, war Erik Töpfer zu Beginn. Da stand er noch im EHV-Tor und sorgte mit dafür, dass die Auer den 6:1 Vorsprung herauswerfen konnten.

Eisenach-Shooter Ante Tokic und Vilius Rasimas. Foto: Manja Gehlert

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Schlüssel 2: Die Deckungs-Riesen
Ist man 1,98 Meter groß, wiegt 95 Kilo und hat einen Partner, der 1,94 Meter groß ist, 98 Kilo auf die Waage bringt, ist man körperlich meist überlegen. Kevin Roch & Kevin Lux schauen selten nach oben, wenn sie als Mittelblock des EHV Aue die Gegner ins Visier nehmen. Am Samstag beim Derby trat dieser seltene Fall ein. Ein Fall namens Marko Racic, der sich mit 2,09 Metern und 125 Kilo am Kreis Platz machen wollte.
EHV-Trainer Stephan Swat: “Wir wussten, dass die Thüringer viel über den Kreis spielen und haben das Kreisläuferspiel der Eisenacher sehr gut verteidigt.” Kein Tor und ein Fehlwurf standen nach 60 Minuten hinter dem Namen Racic in der Statistik.
Ein anderer Gästespieler macht den Auer Deckungs-Riesen dagegen große Sorgen: Der kleine Yoav Lumbroso. Der Mittelaufbau des ThSV misst nur 1,72 Meter, wiegt 74 Kilochen, ist wendig und schnell. Kein Zweifel: Handball-Liebhaber erinnern sich, sehen sie den Israelie Lumbroso wirbeln, an den Schweden Ljubomir Vranjes, der es mit nur 1,66 Metern schaffte, als Mittelmann die Nordmänner zu zwei Welt- und zwei EM-Titeln zu führen. Lumbroso führte die Auer Verteidigung schnellen Schrittes ein ums andere Mal an der Nase herum, netzte fünfmal ein, setzte seine Mitspieler immer wieder gut in Szene.

Der kleine Yoav Lumbroso fliegt an Kevin Lux vorbei. Er erinnert an Ljubomir Vranjes. Foto: Manja Gehlert

 

Schlüssel 3: Der Shooter
“Wo ist eigentlich dieser Kammlodt?” Eine Frage, die mancher stellte, der am Samstag beim Zweitligaspiel gewesen war. Der EHV-Rückraumlinke warf in dieser Saison schon 60 Feldtore, ist damit Top-Shooter der Liga. Gegen den ThSV Eisenach kamen nur drei Treffer dazu, was im Spielbericht auf der Homepage des ThSV Eisenach zum Satz:”Rückraum-Shooter Adrian Kammlodt, der beste Werfer der Liga, stand dieses Mal nicht im Rampenlicht.” führte.
Das mit dem Rampenlicht stimmt. Allerdings hätte man bemerken müssen, dass Kammlodt im Schatten glänzte. Weil auch die Thüringer wussten, das da im linken Auer Rückraum einer spielt, der aus der Distanz für sichere Tore sorgen kann, waren die Verteidiger immer wieder gezwungen, aggressiv gegen Kammloth herauszutreten, sobald sich das Spielgerät in des Shooters Händen befand. Das gelang zwar fast immer, öffnete aber auch neue Möglichkeiten. Noch ehe die Eisenacher den EHVler festmachen konnten, spielte er den Ball hintenrum oder mittenmang zur Kevin Roch, der nach drei Fehlwürfen von Pascal Ebert die Linksaußen-Postion einnahm. Fünfmal bekam er, Roch, den Ball, fünfmal landete er im Tor.
Adrian Kammlodts 2. Abnehmer war Bengt Bornhorm am Kreis, der fünf Treffer markierte, wieder sicher vom Siebenmeter-Punkt war, auch wenn ihm von dieser Position sein erster Fehlwurf passierte, als ihm der Ball in der 47. Minute aus der Hand und übers Tor flutschte.

Angriff auf Shooter Adrian Kammlodt und dahinter lauert Bengt Bornholm

Schlüssel 4. Das Swat-Gespür!
Wie schon gegen Hüttenberg, traf EHV-Trainer Stephan Swat an der Seitenlinie richtige Entscheidungen. Er brachte Rasimas zur rechten Zeit, wechselte Roch auf die Linksaußenposition, ließ in Unterzahl den Torwart gegen einen weiteren Feldspieler tauschen und schickte in eigener Überzahl Kevin Lux als zweiten Kreisläufer aufs Feld. Und er zückte immer wieder zur richtigen Zeit die Grüne Karte: Time-Out! So in der 48. Minuten beim Stand von 23:21. Swat: „Ich wollte Eisenach den psychologisch wichtigen Anschlusstreffer nicht erlauben und wusste, dass meine Mannschaft immer gut aus den Auszeiten herauskommt.” Klappte. Statt Anschluss traf der gute Brykner (fünf Tore) zum 24:21.
Auch die Entscheidung, Felix Roth in Hälfte zwei als Rechtsaußen zu bringen, erwies sich als richtig. Er warf zwei Tore und fing – fast noch wichtiger – einen Konter der Thüringer in einer Phase ab, in der sie wieder auf zwei Tore herangekommen waren.

Ladislav Brykner machte fünf Tore gegen Eisenach. Foto: Manja Gehlert

Schlüssel 5: Der Fluch des Egon Olsen
ThSV-Maskottchen Andreas Zettl zeigte via Facebook ein herrlich lustiges Filmchen mit dem Titel: “Die Olsenbande fährt ins Erzgebirge!” Eine antithematische Parodie nach §24 des Urheberrechtes, in der Egon, Benny und Kjeld im Original zu sehen sind. Wie in den richtigen Filmen hat Egon auch im Facebook-Clip einen Plan. Und zwar den, wie man den EHV Aue schlagen kann. Echt sehenswert und von Fans beider Lager gelobt. EHV-Manager Rüdiger Jurke gönnte sich nach dem siegreichen Spiel ein Schmunzeln, sagte augenzwinkernd: “Als ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, wusste ich, dass wir gewinnen. Egons Pläne gehen ja am Ende nie gut aus.”

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