Der EHV Aue und der unbekannte Große

Der leibhaftige Bengt! 90 Tore warf er bisher, 52 vom Siebenmeter-Strich. Foto: Manja Gehlert

Der EHV hofft auf den leibhaftigen Bengt

Von Sven Günther
Lößnitz.Verfolgen Interessierte dieser Tage die Sportberichterstattung, strahlt ihnen omnipräsent ein blonder Herr entgegen: Jürgen Klinsmann. Der Sonnyboy des deutschen Fußballs. Ein Lächler mit Machtgelüsten, der bei Hertha BSC Berlin gerade versucht hatte, Sportchef Michael Preetz zu meucheln. Klinsmann scheiterte, der Weltmeister von 1990, der Nationaltrainer des WM-Sommermärchens 2006.

In Sönke Wortmanns Film über das Volksereignis von eins konnte man sehen, wie aus Jürgen, dem Sonnyboy, Klinsmann der Motivator vor dem Argentinien-Spiel wurde. Legendär seine Sätze: “Wir haben unseren Capitano! Die kennen unseren Capitano nicht! Zweimal haben wir sie am Rande gehabt. Zweimal! Ohne Micha! Aber heute sind sie fällig. Ich schwöre es euch, Jungs. Heute sind sie absolut fällt!” Capitano Michael Ballack hatte die Spiele vorher gefehlt, war für die Argentinier der große Unbekannte.
Einen unbekannten Großen haben die Zweitliga-Handballer des EHV am Freitag beim Auswärtsspiel bei der SG Bietigheim-Bissingen-Metterzimmern auch: 1,93 Meter lang, über 100 Kilo schwer! Bengt Bornhorn. Der Auer Kreisläufer warf in dieser Saison schon 90 Tore, 52 davon vom Siebenmeter-Strich.

Auf Videos konnten die BBM-Verantwortlichen ihn schon den ihren zeigen, leibhaftig spüren konnten sie Bengt nicht. Er fehlte im Hinspiel! BBM-Coach Hannes Jón Jónsson warnt: “Am Kreis haben sie mit Bengt Bornhorn einen ‘Staubsauger’, der alle Bälle haben möchte und alle Bälle fängt.”
Er, Bornhorn, könnte ein Faktor sein, auch wenn die Favoritenrolle für EHV-Trainer Stephan Swat vergeben ist: “Bietigheim ist Absteiger aus der 1. Bundesliga, hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Liga stabilisiert.”

Anfängliche Schwierigkeiten hatte das Top-Team auch im Hinspiel in Aue, lag mit 8:2 zurück. Eine Auszeit von Trainer Jónsson, in der er seine Truppe wachrüttelte, sorgte für den Umschwung, ein später folgender 4:0-Lauf brachte Gäste auf die Siegerstraße und schließlich musste sich der EHV mit 26:31 geschlagen geben.

Swat: “Natürlich haben wir dieses Spiel noch einmal analysiert, müssen aber damit rechnen, dass die Partie in Bietigheim eine andere wird, weil diesmal Spielmacher Michael Kraus auf dem Parkett stehen wird. Er ist die prägende Figur, hat auf den Halbpositionen überragende Mitspieler.”
Da wird auf die EHV-Abwehr einiges zukommen. Eine Abwehr, die auch vom BBM-Trainer gelobt wird. Jónsson: “Die Abwehr ist mit Kevin Roch und Petr Slachta im Mittelblock sehr körperbetont und variabel.” Muss sie auch sein, wenn man eine Chance haben will. Stephan Swat: “Wir müssen hinten kompakt und aggressiv stehen und gut verschieben, um unseren Torhütern auch die Möglichkeiten zu geben, Bälle zu halten.”

Die sahen zuletzt nicht gut aus, sind laut Swat mit ihren Leistungen auch nicht zufrieden. Der Übungsleiter: “Es müssen endlich Impluse kommen. Sowohl von den Torhütern, als auch von der Abwehr. Wenn uns das gelingt, wir dazu vorn variabel und schnell spielen, unsere Chancen nutzen, haben wir in Bietigheim eine Chance.”

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In jedem Fall ist BBM-Trainer Jónsson gewart. Dem WochenENDspiegel sagte er: “Aue ist eine Mannschaft mit einem riesengroßen Charakter. Sie geben nie auf und können wirklich jede Mannschaft schlagen. Mit Benas Petreikis haben sie einen auf Rückraum Mitte, der wirklich alles kann, er steuert das Spiel gut, ist individuell sehr stark und hat immer eine gute Idee. Adrian Kammlodt ist mit knapp 100 Feldtoren ein richtiger Shooter, der auch sehr gute eins gegen eins Bewegungen hat.”

Trotzdem sieht der den BBM mit Vorteilen. “Wir haben neun der letzten zehn Spiele gewonnen. Damit bin natürlich sehr zufrieden. Nach ein sehr schwierigen Anfangsphase sind wir jetzt wieder dabei und machen Druck auf die Top-Teams”, so Jónsson. “Wir müssen die Achse aus Petreikis, Kammlodt und Bornhorn in unserer Abwehr in Griff kriegen. Vorne muss der Ball laufen, damit wir kollektiv die Abwehr von Aue lösen können. Aber letztendlich müssen wir mindestens ein Tor mehr machen.”

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