Der EHV Aue und die drei ???

Wichtige Parade! Pascal Bochmann hält kurz vor Schluss gegen den freien Josip Cutuso. Fotos: Manja Gehlert

Wieso? Weshalb? Warum?

Von Sven Günther
Lößnitz. „Es war keine Handballfeinkost, die wir heute gesehen haben.“ EHV-Manager Rüdiger Jurke brachte es nach dem 31:26 Kampfsieg seiner Mannschaft gegen den Tabellenletzten aus Krefeld auf den Punkt. Auch wenn man auf der Tribünen nie das Gefühl hatte, die Auer könnten diese wichtige Partie gegen die Eagles verlieren, dauerte bis zur 45. Minute, ehe der EHV durch vier Treffer von Benas Petreikis die Weichen auf Sieg stellte. Die Zeit der drei ??? Wieso? Weshalb? Warum?

Wieso
gelang es nicht, den Tabellenletzten klarer in die Schranken zu verweisen?

Trainer Stephan Swat hatte die ganze Woche vor dem Gegner gewarnt, sagte: “Da kann man predigen wie der Papst. Wenn bei uns die Leistungsträger keine 100 Prozent bringen, wird es auch gegen den Tabellenletzten schwer zu gewinnen.“
Gegen Krefeld ließ der Coach zunächst Bengt Bornhorn statt Petr Slachta im Mittelblock agieren. Dazu konnte man einen neuen Spielzug zu sehen, bei dem Kevin Roch von der Linksaußenposition nach innen zieht und von Halblinks wirft. Roch traf die Latte, Bornhorn blieb schon bald in der Defensive wieder auf der Bank.
Dazu kam, dass die extrem aggressive Abwehr der Gäste Gabriel De Santis und Adrian Kammlodt fast völlig aus dem Spiel nahm, der starke Norman Toth im Tor der Krefelder einige Bälle halten konnte, wie schon nach wenigen Minuten den von Sebastian Naumann, der seinen ersten Wurf wie immer hoch platzierte, was der erfahrene Keeper ahnte.

Schon in der achten Minute nahm Swat eine Auszeit, um den Seinen lautstark den Marsch zu blasen. Es wurde besser, aber längst nicht gut. Immer wieder konnten sich die Eagles-Angreifer freispielen, fanden Josip Cutura am Kreis.
Auch die taktische Maßnahme, Adrian Kammlodt dann mannzudecken, wenn der EHV in Unterzahl den Keeper aus dem Kasten nahm, verunsicherte die Mannschaft. Wenigstens konnte man das Spiel bis zu Pause offen gestalten und die Fans sahen ein 12:12 von der Anzeigetafel leuchten.

Sonst super-sicher, gegen Krefeld entnervt: Bengt Bornhorn verwarf drei Siebenmeter.

Weshalb…
war Bengt Bornhorn so angefressen?

Von wegen nordisch nobel! Fuchsteufeswild war der EHV-Kreishüne Bengt Bornhorn aus Osterholz-Scharmbeck. Eigentlich war ihm gegen Krefeld eine wichtige Rolle zugedacht, hatte er doch im Hinspiel gefehlt. Aber am Sonntag zogen ihm die HSG-Verteidiger den Nerv. Immer wieder zerrten sie an ihm, zupften hier am Trikot, dort an der Hose, knufften und piesackten ihn, dass es eine Art hatte.

Zuviel für den stillen Kämpfer. Die Sticheleien brachten Bornhorn dazu, sich lautstark bei den Schiedsrichtern zu beklagen, statt sich auf das Spiel zu konzentrieren. Nach elf Minuten sah er wegen Meckerns eine Zweiminutenstrafe, die zweite gab es in Hälfte zwei nach einer Rangelei mit Paul Skorupa, der ebenfalls vom Feld musste.
Abgelenkt von diesen Scharmützeln verballerte der sonst so sichere Vollstrecker drei Siebenmeter und scheiterte mehrfach frei am Kreis an Keeper Norman Toth. Zwölf Versuche notierten die Statistiker auf der Liqui-Moly-HBL Internetseite, bei denen Bornhorn sieben Tore warf, was zeigt, dass es ein ganz großer Tag für ihn hätte werden können.

Trainer Stephan Swat: “Irgendwie haben alle gedacht: Das wird schon werden. Aber dann funktioniert einiges nicht, die Angst vor der Niederlage kam dazu. Adrenalin hemmte die Handlungen und alles wurde schwerer als normal. Zum Glück hat Benas am Ende Führungsqualität beweisen und wichtige Tore gemacht. Jedenfalls haben wir uns nach diesem Kampfspiel ein Bier verdient.“

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Benas Petreikis. Die Treffer 19, 20, 21 und 22 für den EHV besorgte er mit schönen 1:1-Aktion ganz allein, traf insgesamt achtmal. Rüdiger Jurke: „Man hat wieder gesehen, dass jede Mannschaft in der 2. Liga Handball spielen kann. Krefeld hat das wirklich gut gemacht. Zum Glück gelangen uns am Ende wichtige Tore und Pascal Bochmann im Tor konnte einige Bälle halten.”

Benas Petreikis traf achtmal, viermal in der entscheidenden Phase. Diesen Konter in der ersten Halbzeit vergibt er allerdings.

Warum
brachte Swat alle drei Torhüter?

Zuerst: Vilius Rasimas, der für den EHV Aue begann, ist zu bedauern. Zu oft stand er freien Spielern gegenüber, konnte nur spekulieren, wurde von der Abwehr allein gelassen und konnte wieder nicht zeigen, welches Potenzial in ihm steckt.

ABER: Hin und wieder muss man eben auch mal einen FREIEN halten! Trotzdem blieb Rasimas positiv, unterstützt mit Hinweisen und Gesten von der Bank seine Torhüter Kollegen

In der 14. Minute kam der Neuzugang. Anadin Suljakovic stellte sich bei Aue zwischen die Pfosten, kassierte sein erstes Gegentor in der 2. Liga von Kevin Christoph Brüren und hielt seinen ersten Ball, geworfen von Simon Ciupinski.
Der vom Erstligisten Wetzlar ausgeliehene Keeper konnte gute Ansätze zeigen, warf den umjubelten 15:15 Zwischenstand, als die Gäste in Unterzahl ihren Keeper aus dem Tor genommen hatten.
Am Ende war es aber Pascal Bochmann, der dank mehrerer Paraden dafür sorgte, dass der EHV das wichtige Siel im Abstiegskampf gewinnen konnte. Überragend seine Doppeltat in der 58. Minute, als er erst den Wurf von Simon Ciupinski und dann den freien Nachwurf von Josip Cutura entschärfte.

Fazit: Gegen die nächsten beiden Gegner, auswärts in Gummersbach (Tabellenvierter) und daheim gegen Konstanz (16. der Tabelle) muss es mehr !!! statt ??? geben.

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