Der EHV Aue und die Macht der Intuition

Das Team feierte den Sieg gegen Hüttenberg mit einem T-Shirt mit einem Foto des Ex-Kapitäns Eric Meinhardt, einem Trikot des verletzten Franz Schauer in Bananen-Telefonen. Foto: privat

Alles Banane beim EHV

Von Sven Günther
Lößnitz. Intuition, die. Substantiv, feminin. Im Duden steht das Wort zwischen „intubieren“ und

In|tu|i|ti|o|nis|mus , der Lehre, die der Intuition den Vorrang vor der Reflexion, vor dem diskursiven Denken gibt.

Wenn man die letzten Minuten des Zweitliga-Handball-Krimis TV 05/07 Hüttenberg gegen den EHV Aue betrachtet, könnte man meinen, Erzgebirgs-Trainer Stephan Swat sein ein eifriger Anhänger selbiger. Dem WochenENDspiegel verriet er: „Es war eine Entscheidung aus dem Bauch, aus der Erfahrung heraus…“ Reine Intuition!

56 Minuten und elf Sekunden hatte Erik Töpfer im Auer Tor passabel gehalten, entschärfte neun Bälle, parierte zwei Siebenmeter.
Blickte man auf die Anzeige, sah man den Spielstand 24:24. Man sah auch, dass beide Teams in Unterzahl spielten und wusste, dass Stephan Swat Erik Töpfer für einen sechsten Feldspieler im Angriff aus dem Spiel nehmen würde. Doch dann schaute der Coach auf den bärtigen Vilius Rasimas und entschied: „Du hältst!“ Swat: „Es war die entscheidende Phase. Erik hatte zum Schluss einige Bälle ins Tor bekommen, die er hätte vielleicht auch abwehren können. Ich wolle einfach etwas probieren.“

So sah das dann aus: Den ersten Wurf von HV-Linksaußen Robin Hübscher kassiert der EHV-Keeper, weil er zu sehr spekuliert. Kammlodt trankt sich im Gegenzug nach einem Ein- und einem Freiwurf durch, trifft mit seinem siebenten Treffer zum 25:25 mittig ins Tor. Wieder Angriff für Hüttenberg. Nach einer Kombination kommt der Ball zu Hendrik Schreiber. Der ist völlig frei zum Kreis durchgebrochen, springt ab und hat alle Optionen. Und Rasimas? Der kann wieder nur spekulieren, was der Schütze machen wird, taucht mit Arm und Bein nach rechts untern – und hält. Intuitiv! Den Siegtreffer besorgt im Gegenzug Gabriel de Sanits.

Vilius Rasimas hielt gegen Hüttenberg (hier im Spiel gegen Coburg) kurz vor Schluss den entscheidenden Ball. Foto: Maja Gehlert.

Eine rationale Analyse hatte Stephan Swat nach dem Spiel: „Es war eine starke Mannschaftsleistung von uns. Wir wussen, dass es ein hektisches Spiel werden würde, sind immer ruhig geblieben. Stark war natürlich Pascal Ebert, der nicht nur acht Tore warf, sondern auch zwei Tempogegenstöße abfangen konnte.“

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Stimmt. Über weite Strecken hatte der EHV Lösungen für die variable 3-2-1-Deckung der Gastgeber, konnte immer wieder Ebert ins Spiel bringen, der sicher vollstreckte. Hinten stand die Abwehr mit Töpfer gut. HV-Coach Frederick Griesbach sichtlich ärgerte. „Wir haben die Chancen, hier das Spiel zu gewinnen, machen aber dann wieder technische Fehler. Wir wissen Woche für Woche, woran wir arbeiten müssen und treffen dann wieder falsche Entscheidungen.“

Eine richtige Entscheidung traf dagegen EHV-Trainer Stephan Swart – ganz intuitiv!

Nach dem starken 30:24 Derbysieg gegen den HC Elbflorenz Dresden und dem Sieg in Hüttenberg hat sich der EHV auf den zehnten Tabellenplatz vorgeschoben haben. Die Stimmung im Team ist prächtig. Auf Instagram postete die Mannschaft, die sie mit einer Banane telefonierend zeigt. Dazu halten die Spieler ein t-Shirt mit Foto von Eric Meinhardt, dem Ex-Kapitän und ein Trikot vom am Auge verletzten Franz Schauer hoch. Adrian Kammlodt erklärt: „Das mit den Bananen ist einfach ein Running Gag unter uns. Und Eric Meinhardt bekommt von uns auch nach seiner Profi Karriere noch Würdigung und den Respekt, den er verdient.“ Dass das Team an Franz Schauer denkt, ihm gute Besserung wünscht, liegt auf der Hand!

Am 2. November kommt 17 Uhr mit dem ThSV Eisenach der Aufsteiger zum Derby in die Erzgebirgshalle. Die Thüringer stehen mit 13:5 Punkten auf Rang vier, haben nur einen Punkt Rückstand auf die Tabellenspitze.

ThSV-Trainer Sead Hasanefendic: „Der EHV Aue ist eine etablierte Zweitliga-Mannschaft, die von ihren arteigenen Tugenden, mit robustem Handball und der Heimstärke, profitiert. Zuletzt gelangen zwei Siege, was aktuell für gute Stimmung sorgen dürfte. Bis dahin wird man wohl nicht so zufrieden gewesen sein. Jetzt scheint der EHV Aue in ruhigem Fahrwasser. Er wird wohl recht zufrieden in die Punktspielpause gegangen sein und freut sich – wie wir natürlich auch – auf das Derby. Ein echtes Traditionsderby! Wir alle wissen, die Meisterschaft ist noch lang, schnell können sich Wechsel auf den Tabellenposition en ergeben.“

Eisenachs Trainer Sead Hasanefendic. Foto: ThSV Eisenach

Was der Gäste-Trainer noch zum Spiel sagt, lesen Sie in den kommenden Tagen auf www.wochenendspiegel.de im Internet.

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