Der EHV Aue und die Weisheit des Miguel de Unamuno

Gabriel De Santis traf im Hinspiel in Konstanz sieben Mal, war bester EHV-Werfer. Foto: Manja Gehlert

EHV Aue: Ende gut, Anfang gut?

Von Sven Günther
Lößnitz. Miguel de Unamuno. U – N – A – M – U – N – O!! ?? Nein, man muss den Namen nicht gehört haben, den Träger desselben schon gar nicht kennen. Außer man ist Spanier, befasst sich penibel mit dem Land auf der iberischen Halbinsel oder hat einen Hang zum unnützen Wissen.

Eine Weisheit des kleinteilig bekannten Philosophen, Schriftstellers und Universitäts-Professors hat allerdings eine breitere Öffentlichkeit erreicht.
„In jedem Ende liegt ein neuer Anfang“, schrieb der Spanier nieder und meinte, dass sich immer wieder eine Tür öffnet, wenn sich eine andere schließt (Moliére) oder „Weiter, immer weiter!“ (Kahn).

Als die Zweitligahandballer des EHV Aue beim Hinspiel in Konstanz in der 53. Minute zur Anzeigetafel blinzelten, leuchtete ihnen ein furchtbares 30:21 für die heimische HSG entgegen. Sie sahen kratertiefe Sorgenfalten in den Gesichtern der EHV-Verantwortlichen und Fans, hörten die schimpfende Stimme ihres Trainers Stephan Swat und witterten Ungemach, wenn sie sich nicht schnellstens strafften.

Gedacht, getan. Mit einem 6:0-Lauf in den letzten Minuten hübschten sie das Ergebnis auf – waren von Punkten aber weit entfernt. Manager Rüdiger Jurke grummelte nach dem Spiel bedient: „Es reicht nicht, wenn man in den letzten zehn Minuten anfängt, Handball zu spielen. Einfach nur enttäuschend. Es war ein Vier-Punkte-Spiel. Da hätte ich mit mehr Leidenschaft, mehr Selbstvertrauen, mehr Torwart, mehr Abwehr, mehr Angriff, mehr ALLES gewünscht.“

Mehr ALLES! Das erhofft sich auch der EHV-Übungsleiter Swat, sagt dem WochenENDspiegel: „Wir haben das Hinspiel ausgewertet. Die ersten 50 Minuten waren zum Vergessen. So etwas darf sich nicht wiederholen. Ich habe mit der Mannschaft gesprochen, fordere eine komplett andere Leistung.“

Dabei hofft er auf Ladislav Brykner, der wieder im Mannschaftstraining ist, beim starken Auftritt des EHV in Gummersbach schmerzlich vermisst wurde. Swat: „Wir brauchen ihn, können mit ihm die Belastungen besser verteilen.“ Vor allem Gabriel De Santis sollte von Brykners Dasein in der Lößnitzer Erzgebirgshalle profitieren. Der Schwede traf in Konstanz sieben Mal und war bester Auer Werfer, konnte zuletzt aber ohne Wechselpause nicht mehr voll überzeugen.

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HSG-Trainer Daniel Eblen zeigt bei der Frage nach den wichtigsten Auer Spielern auf andere Protagonisten: „Adrian Kammlodt und Bengt Bornhorn fallen auf. Die Leistungssteigerung von Kammlodt, seit er in Aue ist, ist deutlich sichtbar. Doch der EHV Aue ist eine durchgängig stark besetzte Mannschaft mit ausgeglichenem Kader, in dem viele für die entscheidenden Momente sorgen können. Wir dürfen nicht den Fehler machen und uns auf einzelne Spieler konzentrieren.“

Und weiter: „In dieser Liga hat jeder in jedem Spiel Chancen. Allerdings gibt es schon einen Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen. Aue ist als heißes Pflaster in der 2,. Bundesliga bekannt. Im Hinspiel haben wir es richtig gut gemacht. Ich denke, im Rückspiel werden nicht nur die handballerischen Fähigkeiten entscheiden, sondern auch die Konzentration und der Glaube an sich selbst.“

Bengt zum dritten Mal leibhaftig!

Adrian Kammlodt bewies beim Auswärtsspiel in Gummersbach mit seinen neun Toren wieder aufsteigende Form, Bengt Bornhorn netzte acht Mal ein und zeigte sich deutlich besser aufs Spiel konzentriert, als das noch gegen Krefeld der Fall war.
Überhaupt Bornhorn. Er könnte wieder eine Waffe werden, weil ihn der Gegner zwar vom Videostudium, nicht aber leibhaftig kennt! Der Kreisläufer fehlte wie gegen Gummersbach und Krefeld auch in Konstanz verletzungsbedingt.

Dazu müssen sich die Gäste auf die neue 5:1-Deckungsvariante des EHV einstellen, die Stephan Swat in Gummersbach erfolgreich über eine längere Zeit hat spielen lassen. Und die Konstanz-Angreifer kennen EHV-Keeper Anadin Suljakovic kaum, der vom Erstligisten HSG Wetzlar ausgeliehen wurde und erst sein drittes Spiel in der 2. Liga macht.

Denken die Auer Angreifer an den Torhüter der Konstanzer, sehen sie grün! Ein solchfarbiges Trikot trug Schlussmann Michael Haßferter im Hinspiel – und immer und immer wieder trafen die von den Erzgebirgern geworfenen Bälle auf das grelle Leibchen. Der HSG-Keeper entzauberte die EHVer mit 16 Paraden fast im Alleingang. Am Freitag müssen sie an ihm vorbeikommen. Egal wie! Mit Kraft, mit Tücke, mit Abgebrühtheit.
Ein Sieg muss her – und wenn es ein erzwungener ist.

„Vencer no es convencer“ (Siegen ist nicht überzeugen), sagte Miguel de Unamuno. Pfeif auf Überzeugung – wenn es nur die zwei Punkte gibt, denken die Fans.

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