Der EHV Aue und ein isländischer Flitzer

Eine irre Szene: Sveinbjörn Petursson sprintet, nachdem Arnar Birkir Halfdansson schnell zur Bank gespurtet war, in Richtung seines Tores. Dann wirft er sich in den Wurf von Pierre Busch, hält den Ball. Foto: EHV Aue/sportdeutschland.tv

Bubi, der Flitzer

Von Sven Günther
Großwallstadt/Lößnitz. Es ist viel geschrieben worden, über mächtigen Isländer im Tor des EHV. Sveinbjörn Petursson kam im Zuge der Islandisierung des erzgebirgischen Handballs 2012 nach Aue, wurde 2020 erneut verpflichtet.
1,86 Meter groß, nach Gewichtsabnahme um die 100 Kilo schwer, Vollbartträger aus Ísafjörður (2.000 Einwohner). Am Dienstag feierte er seinen 33. Geburtstag. Viele, viele, viele großartige Spiele macht der elfmalige isländische Nationalspieler, den alle nur Bubi nennen, für den EHV.

Aber dass er ob seiner läuferischen Fähigkeiten gelobt werden muss, ist ein Novum. Mit 22:26 verloren die Zweitligahandballer des EHV Aue beim ruhmreichen TV Großwallstadt, aber eine Szene in der neunten Spielminute steht exemplarisch dafür, mit welch geänderten Einstellung die Spieler in die Partie gegangen sind.

Beim Stand von 5:4 schicken die guten Schiedsrichter-Brüder Christian und Fabian vom Dorff den Auer Nico Schneider zwei Minuten vom Parkett.

EHV-Trainer Kirsten Weber nimmt seinen Keeper aus dem Kasten, bringt den sechsten Feldspieler. Sebastian Paraschiv sagt eine Kombination an, Kevin Roch und Elias Bombelka laufen ein, kreuzen nach vier Pässen wieder auf ihre Außenpositionen und versuchen so, die Großwallstädter Abwehr auseinanderzuziehen. Schließlich bekommt Paraschiv den Ball zurück, geht im 1:1 durch die Abwehr, wirft fast unbedrängt – scheitert aber am überragenden TV-Torhüter Jan Steffen Minerva (15 Paraden/40 Prozent).

Mario Stark schnappt sich das Leder, spielt es lang auf den durchgestarteten Rechtsaußen Pierre Busch. Der MÜSSTE das leere Tor vor sich haben. MÜSSTE. Denn wie aus dem Nichts fliegt plötzlich von links der gelbfarbig-bedresste Sveinbjörn „Der Flitzer“ Petursson heran, wirf sich in die Bahn des Balles und kratzt ihn am Kasten vorbei!

EHV-Fäuste ballen sich, Arme werden empor gerissen, Motivationsschreie sind zu hören, Hände klatschen auf Kameradenbrüste und Rücken. Mit dieser Einstellung muss doch was gehen!

Ging auch. Von der ersten Minute hielten die Aue in Großwallstadt mit, spielten vorn konzentriert, hinten bissig. Den brandgefährlichen Savvas Savvas hatte die Defensive, hatte Petursson, einigermaßen im Griff. Sechs Tore bei 13 Würfen notierten die Statistiker hinter der Nummer 77 des Griechen mit Vor- und Nachnamen Gleichheit, der in dieser Saison schon 91 Tore erzielt hat.

Schlechter sah es auf der anderen Seite aus. TV-Rückraumrechter Tom Jansen netzte neunmal ein, war nie zu kontrollieren. EHV-Trainer Kirsten Weber hatte im Gespräch mit dem WochenENDspiegel genau vor diesem Spieler gewarnt.

Trotzdem: Die Auer ließen sich ob der Jansen-Treffer nicht entmutigen. Auch die Tatsache, dass neben Kevin Lux und Adrian Kammlodt auch Maximilian Lux, Erik Töpfer und Aki Egilsnes fehlten, der EHV mit dem letzten Aufgebot spielte, sorgte nicht für klare Verhältnisse.

Die Kollegen des Main-Echo dokumentieren es in ihrem „Spielfilm“

0:2 (4. Spielminute), 3:2 (8.), 5:5 (11.), 7:7 (16.),10:7 (22.), 11:10 (25.), 13:11 (27.), 14:12 (30.) – 16:14 (34.), 16:16 (38.), 18:18 (42.), 20:18 (45.), 22:20 (49.), 23:21 (52.), 25:21 (57.), 26:22 (60.)

Noch in der 52. Minute führten die Gastgeber mit nur zwei Toren. Erst dann ließ die Kraft bei den Erzgebirgern nach, erst dann häuften sich technische Fehler, die auch Pascal Bochmann, der in den letzten zehn Minuten – wie Petursson (zwölf Paraden) vorher – stark hielt, nicht mehr egalisieren konnte.

Manager Rüdiger Jurke lonte: „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Die Jungs haben gut gekämpft, hatte auch ein wenig Pech und in Anbetracht der vielen Verletzten, haben sie wirklich alles gegeben. Es war spielerisch und kämpferisch eine deutliche Steigerung zu den Niederlagen. Jetzt hoffen wir, dass der eine oder andere Spieler zurückkommt. Dann werden wir versuchen, Eintracht Hagen zu knacken.“

Der ambitionierte Aufsteiger kommt am Samstag als Tabellenvierter in die Erzgebirgshalle, hat mit Philipp Vorlicek (85 Tore) den viertbesten Ligawerfer in seinen Reihen. Die Hagener spielten zuletzt 33:33 gegen Hüttenberg, siegten 32:30 in Hamm und verloren am Mittwoch daheim 24:25 gegen die HSG Nordhorn-Lingen, weil sie elf technische Fehler begingen, dreizehnmal an Keeper Bart Ravensberger scheiterten. Ungewöhnlich, denn Hagen hat mit 429 Toren hinter Gummersbach die meisten Tore geworfen. Am Samstag wird es ab 17 Uhr in Lößnitz auch auf Sveinbjörn Petursson, den isländischen Flitzer ankommen…

 

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