Der EHV Aue und eine Frage des Anstands

Ganz allein auf Halblinks. Adrian Kammlodt ist gegen Ferndorf gefordert. Foto: Manja Gehlert

Der EHV Aue steht zu seinem Wort

Von Sven Günther

“Unglück ist der Prüfstand für Anstand.” Samuel Richardson (1689 – 1761), englischer Schriftsteller.

Lößnitz. Fachleute wundern sich und Laien verstehen die Welt nicht mehr. Warum um Himmels Willen hat der EHV Aue gerade jetzt den Letten gehen lassen..?

Schaut man auf den Kader des Handball-Zweitligisten, entdeckt man vier Spieler, bei denen das Kürzel RL unter dem Namen steht. RL. Rückraum Links. Die Königsposition. Hier findet man die Shooter, die Kraftwerfer, die Vollstrecker. Beim EHV sind dort Adrian Kammlodt, Nico Schneider, Franz Schauer und Austris Tuminskis angestammt.
Vier Spieler – auf den ersten Blick zu viel! Trainer Stephan Swat: “Wir haben immer mit offenen Karten gespielt, Austris Tuminskis vor der Saison gesagt, dass er wenig Spielzeit haben wird, weil wir auf seiner Position drei andere Spieler haben, auf die wir mehr setzen.”
So saß der Lette Spiel für Spiel auf der Bank, weit entfernt davon, auch nur den Reißverschluss seiner Trainingsjacke zu öffnen.

Das Versprechen des EHV: Wenn Tuminskis, immerhin lettischer Nationalspieler, einen anderen Verein findet, dann darf er gehen. Es kam, wie es schlimmer nicht kommen konnte. Franz Schauer fällt mit einer schweren Gesichtsverletzung die komplette Saison aus, Nico Schneider bracht sich den Mittelfuß. Da waren es nur noch zwei!

Als Kammlodt beim Rückrundenauftakt gegen Bayer Dormagen schwächelte, zeigte Tuminskis was er kann, warf fünf wichtige Tore. Doch nach der EM-Pause legte er das Angebot des türkischen Erstligisten Besiktas JK Istanbul auf den Tisch.

Stephan Swat: “Wir hatten unser Wort gegeben und sind Männer genug, uns jetzt daran zu halten. Auch wenn wir aktuell Verletzungssorgen haben, stimmten wird seinem Wechsel in die Türkei zu.” Anstand, auch wenn es wegen der Verletzungen unglücklich gelaufen ist.

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Wenn am Samstag 17 Uhr der TuS Ferndorf Gast in der Erzgebirgshalle sein wird, muss Adrian Kammlodt die RL-Position ausfüllen, es besser machen, als bei der 22:26-Niederlage in Ferndorf. Sechs Tore warfen die Auer dort in der ersten Halbzeit! Nicht viel, wenn man 30 Minuten lang Handball spielt. Sechs Tore! Zu wenig, wenn man ein Spiel gewinnen will.
Der EHV-Coach: “Das Spiel in Ferndorf war ganz sicher keines von unseren guten. Wir haben oft die falsche Wurfauswahl getroffen. Dazu bekam Gabriel de Santis die rote Karte. Weil auch Ladislav Brykner an diesem Tag verletzt fehlte, mussten wir ohne gelernten Halbrechten spielen, hatten keine Optionen.”

Anders in Coburg. Beim Tabellenführer verlor man zwar knapp 22:24. Aber Stephan Swat sagt: “Wenn ich die Zeit zwischen den 10. und der 23. Minute herausnehme, haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht.”

Ein sehr gutes Spiel, aus dem man keine Punkte mitnehmen konnte, weil im HSC-Tor Jan Kulhanek 17 Würfe der EHV-Spieler parierte. Da konnten die EHV-Keeper nicht mithalten, auch wenn gegen Ende Pascal Bochmann einige Bälle abwehren konnte.
Swat ordnet seine, Bochmanns, Leistung realistisch ein, sagt: “Es stimmt, dass er gut gehalten hat. Pascal hatte aber auch den Vorteil, hinter einer gut agierenden Abwehr zu spielen.”
Richtig. Als die EHV-Abwehr zu Beginn des Spiels aggressiv zur Sache ging, konnte sich auch Vilius Rasimas auszeichnen und die Zuschauer mussten 6.47 Minuten warten, bis sie sich setzen konnten. Die Coburger Fans stehen traditionell bis zum ersten Tor ihres HSC.
Swat: “Gegen Ferndorf hoffe ich, dass die Abwehr sich wieder so kompakt vor Willy aufbaut und er zeigen kann, welches Potenzial in ihm steckt.”

Eine gute Abwehr und eine gute Torhüterleistung wird es neben konzentrierten Abschlüssen brauchen, will man gegen Ferndorf gewinnen. EHV-Manager Rüdiger Jurke: “Das Spiel müssen wir ziehen. Wenn wir so spielen, wie in der zweiten Hälfte gegen Coburg, können wir das auch schaffen. Aber natürlich brauchen wir auch die Unterstützung unserer Fans.”

Vor den Fans in Aue hat auch der TuS-Trainer Respekt. Michael Lerscht, der nach der Saison zum ASV Hamm-Westfalen wechselt,sagt dem WochenENDspiegel:

“Ich denke, dass Aue – speziell – in eigener Halle ein sehr starker Gegner ist. Sie haben erst fünf Punkte abgegeben, sind sehr physisch und emotional. Wenn dann noch das Publikum dazu kommt, kann das einen enormen Druck für die Auswärtsteams geben. Sie haben einige verschiedene Optionen im Kader, wie zum Beispiel wurfgewaltige Spieler im Vergleich zu kleinen wendigen 1:1-Spielern, was die Vorbereitung und die Aufgabe an sich schwierig macht.”

Schaut er auf die Saison seines Teams, sagt er: “Unser Verlauf ist bisher davon geprägt, dass wir etwas mehr Zeit gebraucht haben um uns zu finden, was letztlich auch zur Folge hatte, dass wir viele Spiele knapp verloren haben. Letztlich haben wir in den vergangenen vier Ligaspielen gezeigt, dass viel Potenzial in der Mannschaft steckt und das wollen wir immer weiter verfeinern. Wir freuen uns aufs Match, es wird hoffentlich eine spannende Partie in einer emotionalen Halle. Wir müssen auf uns schauen, unsere Stärken bestmöglich in die Partie bringen und dann versuchen, cool zu bleiben.”

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