Der EHV Aue und Meinhardts Geheim-Tipps

Bengt Bornhorn trifft gegen den HSV vom Siebenmeter-Stich. Foto: Robert Hesse

EHV Aue: Wie aus dem Kreisläufer Bornhorn ein Siebenmeter-Werfer wurde

Von Sven Günther
Lößnitz. Seinen Spezialauftrag bekommt der massige Kreisläufer von Trainer Stephan Swat in einer Notlage. Genau 34 Minuten und 41 Sekunden sind im Derby des EHV Aue gegen den HC Elbflorenz in der 2. Handballbundesliga gespielt, als die Schiedsrichter Marcus Helbig/Lars Geipel pfeifen. Siebenmeter für Aue beim Stand von 14:13. Die Melodie des Tatort dröhnt aus den Lautsprechern. Spannung pur. Dazu Not, weil Petreikis, Ebert und Kammloth ihre Strafwürfe vorher verworfen hatten. Schon in der Pause hatte der Coach Swat bestimmt: Bengt Bornhorn wirf den nächsten! Der Auserkorenen geht zum Strich, wirft und triff.
So fing sie an, die Serie des Bengt Bornhorn, der seither 21 Siebenmeter sicher verwandelt hat. Nur gegen Eisenach rutschte ihm einmal der Ball aus der Hand und flutschte übers Tor. Der Vollstrecker lächelt und sagt: „Wenn es läuft, dann läuft es eben. Die nötige Sicherheit bekomme ich durch Extra-Strafwürfe im Training.“ Dazu holte er sich Rat von 7-Meter-Spezialisten, verrät: „Ich habe mit Eric Meinhardt gesprochen, der in der letzten Saison die Siebemeter geworfen hat, holte mir auch Tipps von Alex Koke.“

Selbstvertrauen und gute Ratschläge. Zwei Mittel, die auch im Spiel gegen den HSV Hamburg Erfolg brachten. Achtmal trat Bornhorn an den Strich – achtmal verwandelte er. Dazu kamen drei Treffer aus dem Spiel heraus: Der Kreisläufer hatte einen wichtigen Anteil am 24:23-Sieg des EHV Aue gegen die Norddeutschen, die noch zur Halbzeit mit 11:13 führten.
Der Auer Kreismittelspieler: „Wir haben auch in der ersten Halbzeit technisch und taktisch nicht schlecht gespielt. Aber es haben irgendwie ein paar Prozent gefehlt. Vielleicht haben wir uns zu sicher gefühlt, weil wir zuletzt die Heimspiele souverän gewonnen hatten. Vielleicht waren wir auch mehr unter Druck, als wir knapp vor den Abstiegsrängen standen. Jedenfalls wurde in der Halbzeit klar angesprochen, dass wir noch eine Schippe drauflegen müssen.“

Angesprochen. Aufgenommen. Ausgeführt!

Aus dem 11:13 wurde durch drei Tore von Bengt Bornhorn und einen Treffer von Kevin Roch ein 15:15 Unentschieden. Das Spiel war ausgeglichen, die Führung wechselte ständig.

HSV-Trainer Torsten „Toto“ Jansen: „Wir hatten es selbst in der Hand, haben zu viele klare Chancen nicht genutzt. 14 zu acht Paraden zugunsten des EHV Aue sprechen für sich. So kann man ein Spiel gar nicht so lange offen halten. Jetzt müssen wir eben die sieben Stunden ohne Punkte zurückfahren. Das ist schon übel, nach diesem großen Kampf mit einem dezimierten Kader.“

Stephan Swat: „Wir haben es geschafft, dass der starke HSV-Kreisspieler Niklas Weller kein Tor geworfen hat. In der zweiten Hälfte haben wir das richtig gut gemacht, die 5:1-Deckung hat funktioniert.“ Dann ergänzt er augenzwinkernd: „Ich habe nachgezählt, genau drei graue Haare mehr bekommen. Das werde ich mit der Mannschaft auswerten.“

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Eine Auswertung, die Freude machen müsste. Bornhorn: „Was wir in der Abwehr inklusive Torhüter geleistet haben, war echt stark. Der HSV hat in Hälfte zwei nur zehn Tore gemacht, das sagt schon einiges aus.“
Stimmt. Am Ende war es eine kollektiv starke Leistung, die den Sieg in einem Hochspannungs-spiel brachte. „Meine Schwester war in der Halle. Sie war am Ende fix und fertig,“ verrät der Kreisläufer, der vom VfL Potsdam ins Erzgebirge kam. Dort spielte er zusammen mit Torhüter Sebastian Schulz, den er als sein Vorbild nennt. Ein Angreifer hat einen Torhüter zum Vorbild? „Er ist in dieser Zeit mein Freund geworden“, sagt Bornhorn. „Er studiert jetzt in Bochum und es ist gelingt uns trotzdem, die Freundschaft zu pflegen. Obwohl wir gleich alt sind, ist er menschlich ein Vorbild für mich.“

Ob der Freund ein Hobby des 1,93 m großen und deutlich über 100 Kilo schweren EHV-Recken teilt, ist nicht bekannt. Bornhorn tanzt gern. Wieder lächelt er und sagt: „Man kann ja auch Hobbys haben, die man nicht perfekt beherrscht. Aber wenn es etwas zu feiern gibt, dann schwinge ich schon gern einmal das Tanzbein.“

Ginge es nach den EHV-Fans, wäre es schön, wenn es schon am Donnerstag wieder etwas zu feiern gäbe. Dann muss der EHV Aue beim VfL Lübeck-Schwartau antreten, ehe am 29. November mit dem TUSEM Essen der aktuelle Tabellenführer der 2. Handball-Bundesliga im Erzgebirge antritt.

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