Der EHV, Torquato Tasso und die Weisheit Schopenhauers

EHV-Manager Rüdiger Jurke während einer Pressekonferenz. Foto: Archiv

„Wir lamentieren nicht…“

Von Sven Günther
Lößnitz. Am Anfang ein Geständnis: Nein, ich habe sie nie gelesen, die Bücher und Schriften der ganzen Philosophen und Gescheitmenschen, deren Zitate ich hin und wieder in Artikel – manchmal auch in Gespräche – einfließen lassen. „Ist nicht von mir, ist von Schopenhauer….“
Blender, werden jetzt einige rufen. Liest sich aber gut, erwidern vielleicht andere, immerhin hat er es sich gemerkt. Egal, ich kann nicht anderes und selten war ein Aphorismus passender wie dieser:

„Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“ (Arthur Schopenhauer).

Betrachtet man die Hinserie des EHV Aue, gibt es nur ein wirklich wichtiges Resultat! Cheftrainer Stephan Swat geht es wieder besser.
Nach seiner schweren Corona-Erkrankung, gegen die er auf der Intensivstation gekämpft hat, arbeitet er sich jetzt Schritt für Schritt ins Leben und hoffentlich bald auf die Trainerbank zurück.
So sieht es auch EHV-Manager Rüdiger Jurke: „Im November und Dezember waren die Spieler verständlicherweise in Gedanken bei ihm, hatten mit eigenen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Fast alle hatten sich mit Corona infiziert, mussten wenigstens vier Wochen in Quarantäne. Trainingsausfall, die Erkrankung von Stephan und, wie er es nannte, englische Monate mit zwölf Spielen in acht Wochen: Das hat echt an den Kräften gezehrt.“

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Jeden dritten Tag ein Spiel in der besten 2. Handball-Bundesliga der Welt, einer Liga, in der im Prinzip jede Mannschaft jedes Spiel gewinnen kann. Dazu ein neuer – wenn auch in Aue bekannter – Trainer. „Es freut mich ganz besonders, dass uns Runar in dieser schwierigen Situation unterstützt hat und uns ja auch aktuell weiter helfen wird“, sagt Rüdiger Jurke, schaut auf die Tabelle und nickt. „Wir haben jetzt fünfzehn Punkte aus vierzehn Spielen. Wenn man das spaßeshalber auf 36 Spiele hochrechnet, wäre der Klassenerhalt sicher.“
Zufrieden ist der Manager trotzdem nicht. Jurke: „Ärgerlich war die Niederlage gegen Fürstenfeldbruck und das Unentschieden gegen Großwallstadt. Diese drei Punkte fehlen definitiv. Die Punkteteilung gegen Hamm nehme ich hin, auch wenn wir deutlich in Führung lagen. Aber gegen diese starke Mannschaft ist ein Zähler okay.“
In seinen Gedanken gibt es auch immer die Möglichkeit, dass die Saison wieder abgebrochen werden könnte. „Deshalb dürfen wir zu keinem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz stehen. Wir müssen jetzt nachlegen, zusehen, dass wir möglichst viele Punkte sammeln“.

Dabei ist jeder Punkt auch ein Zeichen der Dankbarkeit an Sponsoren und Helfer. Jurke: „Wirtschaftlich lautet das Fazit: Wir sind noch da! Es war schön zu sehen, dass uns unsere Sponsoren weiter unterstützt haben und dies hoffentlich auch weiterhin tun. Ohne sie gäbe es keinen Zweitligahandball im Erzgebirge.“
Ärgerlich stimmt ihn das Verhalten der Landesregierung. Der Manager: „Die Unterstützung vom Freistaat Sachsen könnte besser sein, z. B. bekam in Thüringen der ThSV Eisenach 400.000 Soforthilfe, was sie nicht zurückzahlen müssen. In Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern und in den meisten anderen Bundesländer gab es auch Soforthilfen in Größenordnungen als Unterstützung. Wir haben einen zinslosen Kredit über 135 000 Euro bekommen, was uns in der Liquidität hilft und worüber wir auch dankbar sind, aber diesen müssen wir logischerweise zurückzahlen.
Noch ein Beispiel: Wir müssen für die Corona-Tests, die von Dieter Weiß vorbildlich organisiert werden, mindestens 50.000 Euro ausgeben. In Bayern sind sie kostenlos. Da nimmt die Politik schon Einfluss auf die wirtschaftliche Stärke der Vereine. Aber wir lamentieren nicht, kämpfen weiter und wissen, dass im Kapitalismus nicht alles gerecht ist. Ich gehe davon aus, dass wir zwei Jahre mit einer negativen Bilanz abschließen werden.“
Jurke warnt: „Auch wenn wir wieder spielen, darf nicht der Eindruck entstehen, dass Normalität eingekehrt sei. Nein. Auch der EHV Aue kämpft mit deutlichen Einnahme-Verlusten, die nur sehr schwer zu kompensieren sind.“

Mit den Neuzugängen ist der Manager zufrieden. „Sveinbjörn Petursson hat seine Sache sehr, sehr gut gemacht. Deshalb haben wir mit ihm auch verlängert“, erklärt Jurke und ergänzt: „Auch Arnar-Birkir Halfdansson hat gute Spiele gemacht, wenn ich mir auch mehr Konstanz wünschen würde. Auch mit ihm würden wir gern weiterarbeiten. Schade ist, dass sich Goncalo Ribeiro an der Hand verletzt hat, einige Wochen ausfallen wird. Es ist keine Frage, dass er der Mannschaft fehlt, auch wenn Sebastian Paraschiv eine gute Hinrunde gespielt hat.“
Maximilian Lux spielt auf Rechtsaußen eine gute Rolle, Kevin Lux ist wieder im Kader, sollte für Stabilität in der Abwehr und Entlastung im Angriff sorgen. Jurke: „Wichtig wäre, dass die Spieler, die im Laufe der Partie eingewechselt werden, sich zu echten Alternative entwickeln und zeigen, dass sie einen Platz in der Start-Sieben haben wollen. Das und eine deutlich bessere Chancenverwertung wünsche ich mir für die nächsten Spiele.“

Auf gehts EHV oder „Nichts schafft, wer zu viel denkt!“ (Torquato Tasso, italienischer Dichter 1544 bis 1595, bekanntgeworden vor allem durch sein Epos ‚Das befreite Jerusalem). Siehe Artikelanfang…

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