Der EHV und das gelöste Puzzle

Sebastian Paraschiv warf gegen Dessau-Roßlau fünf Tore. Foto: Manja Gehlert

Es passt wieder

Von Sven Günther
Lößnitz. Es gibt Erfinder, deren Namen keiner mehr kennt, obwohl ihre Ideen fast jeder täglich zwischen den Fingern hat. So präsentierte der US-Amerikaner Whitcomb Judson 1883 in seiner Heimatstadt Chicago den ersten Reißverschluss, Melitta Bentz entwickelte 1908 den ersten Kaffeefilter aus Papier und schon 1766 erfand Kupferstecher und Kartenhändler John Spilsbury das erste Puzzle, das eine Landkarte von Großbritannien darstellte.

Man weiß: Wenn ein Teil nicht richtig liegt, kann das Gesamtbild nicht passen. Damit sind wir beim EHV Aue.

Nach einem zwar nicht erfolgreichen, aber ordentlichen Auftritt beim TV Großwallstadt (22:26 Niederlage) empfingen die Auer den Aufsteiger aus Hagen, verloren mit einem Tor 31:32, weil man sich im Angriff 14 Fehlwürfe und elf technische Fehler leistete. Trotzdem hatte man bis zu 59. Minute geführt, geriet dann ins Hintertreffen und der letzte Wurf klatschte an den Pfosten. Fazit: vorn und am Ende passte es nicht.

Weiter ging es mit dem Auswärtsspiel in Rostock, das wieder mit einem Tor verloren ging. Diesmal war die Fehlerquote vorn niedriger (16 Fehlwürfe, zwei technische Fehler). Dafür konnten die Keeper im gesamten Spiel nur vier Bälle halten. Fazit: hinten passte es nicht.
Dazu kam der EHV nicht damit zurecht, dass die Rostocker in den meisten Angriffen mit sieben Feldspielern agierten. Ein seltenes taktisches Mittel, das EHV-Manager Rüdiger Jurke aufregte: „Mich nervt das ewige hin- und herspielen bis einer frei steht. Das hat nichts mit Handball zu tun, auch wenn es Rostock perfekt gemacht hat.“
Gegen die Wertung der Partie legte der EHV Einspruch ein, weil ein Siebenmeterwurf von Bengt Bornhorn, der im Tor war, als Pfostentreffer gewertet wurde. Bearbeitet wurde das Veto noch nicht.

Dann kamen die Wiesel von Bayer Dormagen nach Lößnitz – und man glaubte bis weit in die zweite Halbzeit hinein, dass das EHV-Puzzle diemal aufgehen könnte. 18:12 führte das Team in der 36. und 22:18 in der 45. Minute. Doch kurz vor Schluss lag man plötzlich 26:28 hinten und erst eine Parade von Erik Töpfer und die Tore von Adrian Kammlodt und Maximilian Lux sorgten für den Ausgleich. 15 Fehlwürfe, zehn technische Fehler und elf Paraden stehen in der Statistik. Fazit: es passte fast alles.

Bang ging es nach Emsdetten – und diesmal fiel das fast zwischen passte und alles weg. Erik Töpfer hielt 13 Bälle, die Abwehr stand gut und vorn gelangen viele Aktionen. Immer wieder trafen Kevin Roch (7 Tore) und Maximilian Lux (6) von den Außenpositionen. Ein Weihnachtsgeschenk am 23. Dezember und ein wichtiges Signal, dass der EHV in der 2. Liga gewinnen kann, wenn alle Mannschaftsteile funktionieren.

Sie funktionierten auch im letzten Spiel des Jahres gegen den Dessau-Roßlauer HV. Mit 34:26 siegten die Erzgebirger, hatten mit Kevin Roch und Arnar Birkir Halfdansson (je sechs Treffer) die besten Werfer und mit Erik Töpfer, der 14 Bälle (zwei Siebenmeter) halten konnte, einen überragenden Torhüter. Manager Rüdiger Jurke: „Ein verdienter Sieg zum Abschluss eines fürchterlichen Jahres, in dem der ganze Verein viel mitgemacht hat. 2022 kann eigentlich nur besser werden.“

Uwe Jungandreas, der Trainer des Dessau-Roßlauer HV, ärgerte sich vor allem über die missratene Anfangsphase seines Teams, das am 23. Dezember noch Dresden geschlagen hatte. „Wir gehen in das Spiel, als ginge es um die goldene Ananas. Und das in einem Derby, welches wir gefühlt seit ewiger Zeit nicht gewonnen haben. Das ärgert mich bodenlos. Es kann nicht sein, dass Aue uns mit den Dingen schlägt, die wir als ihre Stärken ausgemacht haben. So war das Spiel eigentlich früh entschieden. Das kann in einem Derby nicht sein.“

7:2 stand es nach sechs Minuten und vor allem Kammloth und Halfdansson trafen immer wieder. EHV-Coach Kirsten Weber: „Wie in Emsdetten hatten wir eine enorm starke Anfangsphase, was der Grundbaustein dieses Sieges war. Aber trotzdem fehlt die Konstanz und wir machen noch zu viele Fehler.“ 14 Fahrkarten und acht technische Fehler musste der Trainer notieren, ärgerte sich auch darüber, dass die Verteidigung das gegnerische Kreisläuferspiel nicht konsequent unterbinden konnte.

Der EHV steht zwar immer noch auf dem Abstiegsplatz 18, hat mit 25 drei Minuspunkte mehr als Lübeck-Schwartau, Dessau-Roßlau und Emsdetten, vier mehr als Großwallstadt. Aber die letzten Partien haben gezeigt, dass die Mannschaft sich ins Mittelfeld spielen kann – wenn alles passt.

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